Wildnishort in Schondorf

Statt Smartphone Abenteuer draußen erleben

Schondorf - Wildnishort geplant
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Die Natur als lehrreicher Abenteuerspielplatz für Schulkinder soll der Wildnishort werden, der vielleicht bald in Schondorf verwirklicht wird.

Schondorf – Bei immer mehr Kindern und Jugendlichen findet durch die übermäßige Medien­nutzung eine „Natur­entfremdung“ statt. Die Freizeitbeschäftigung mit Smartphone & Co. wird einem Natur­erlebnis draußen vorgezogen und macht die Kinder zu Stubenhockern. In Schondorf hat sich Dr. Barbara Deubzer vorgenommen, mit einem Wildnishort das Interesse der Kinder an der Natur wieder zu wecken und vielfältig zu fördern. Nicht als Ersatz des gemeindlichen Horts, sondern als pädagogisch wertvolle Ergänzung nach dem Schul­unterricht.  

Im Jugend-, Schul- und Kinder­gartenausschusses stellte die Biologin und Umwelt-Pädagogin Dr. Barbara Deubzer ihr schlüssiges Konzept vor, das von den Gemeinderäten durch die Bank positiv aufgenommen wurde. Schließlich ist Deubzer mit ihrer in Schondorf beheimateten Wildnisschule „Wir – Kinder der Erde“ eine anerkannte Kapazität auf ihrem Gebiet und veranstaltet für Erwachsene diverse Ausbildungsseminare für Wildnis- und Erlebnispädagogik. Gerade wurde sie vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit dem Gütesiegel „Umweltbildung Bayern“ ausgezeichnet.

Jetzt möchte Barbara Deubzer mit der Gemeinde Schondorf einen Wildnishort aufbauen, um die Naturverbindung der Kinder zu fördern. Dabei will sie ihnen spielerisch Naturschutz, Artenkunde, Ökologie, nachhaltigen Anbau, Ernten und Säen und viele weitere Naturaspekte näher bringen. Deubzer: „Außerdem sind die gesundheitliche Förderung des Draußen-Seins und die körperliche Fitness durch die Waldkindergärten hinreichend bekannt.“ Der Hort soll allen Kindern offen stehen und auch das gemeinschaftliche Miteinander über Konfessionsgrenzen hinweg fördern. Inklusive einer Hausaufgabenbetreuung durch die Hortleiterinnen.

Bauwagen und Jurte

Bürgermeister Alexander Herrmann war bereits bei einem Vorgespräch mit der Initiatorin sehr angetan von der Idee und signalisierte mögliche Hilfe bei der Suche nach einen geeigneten Grundstück sowie finanzielle Unterstützung. Für den Aufbau des Wildnishorts werden etwa 80.000 Euro benötigt, wobei ein speziell ausgestatteter Bauwagen mit Ofenheizung der teuerste Posten ist. Der wird aber laut Deubzer für schlechtes Wetter und für die Hausaufgaben dringend benötigt, ebenso wie eine Pfadfinderjurte als Lehrraum. Dazu kommen noch ein Glasgewächshaus, ein Garten­häuschen und Material für Hochbeete.

Verpflegt werden die Kinder über ein Biocatering. Zweimal die Woche dürfen sie an einer Feuerstelle selbst brutzeln und kochen. Dazu gibt es selbst angebaute Salate und Kräuter aus den eigenen Hochbeeten. Trinkwasser wird durch gekauftes Flaschenwasser bereitgestellt. Nach dem Mittagessen und Aufräumen findet die eineinhalbstündige Hausaufgabenzeit statt. Für „kleine und große Geschäftchen“ dienen Trockentoiletten, die sich bereits in Waldkindergärten bewährt haben.

Maximal 18 Kinder

Auf dem Programm stehen auch Exkursionen zu Biotopen, Wäldern und Trockenwiesen oder zu Imkern. In Themenwochen werden unterschiedlichste Bereiche wie Medienkonsum, Gewalt und Konflikte oder Suchtmittel mit Experten behandelt. Dazu sind auch die Eltern eingeladen.

Da der Wildnishort eine intensive Betreuung braucht, ist die Kinderzahl auf 18 beschränkt. Zwei Betreuerinnen, eine mit abgeschlossener Ausbildung als Erzieherin oder Sozialpädagogin, sowie ein Praktikant sind verantwortlich. Mitarbeiten in Teilzeit werden auch zwei spezielle Wildnispädagogen für handwerkliche Tätigkeiten, Ökologie, Artenkunde oder Permakultur.

Laut Deubzer kann eine Schulabholung der Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse organisiert werden. Die Betreuungszeiten sind von Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr festgelegt. In den Ferien wird eine Betreuung der Schulkinder von 8 bis 16.30 Uhr gewährleistet. Der Hort ist gemeinnützig und die Eltern sollen ein Mitspracherecht bei der Organisation und den Angeboten haben. Bei bestimmten Projekten wie Pflanzungen und Ernten ist auch ihre Mitarbeit gefragt. Mit der Zeit sollten laut Deub­zers Visionen der Wildnishort um eine Streuobstwiese, Vogel- und Insektenhecken, Steinhaufen für Igel und Salamander, Benjeshecken, Biokomposter, eine Pilzfarm oder einen Altholzhaufen wachsen. Eine schöne Vorstellung, an der die Ausschussmitgliedern Gefallen fanden.

Eine Entscheidung pro oder contra ist noch nicht gefallen, sie obliegt dem Gemeinderat. Bevor der Wildnishort hier auf die Agenda kommt, müssen noch diverse Punkte wie Gebühren und Genehmigungsfragen abgeklärt sowie ein geeignetes Grundstück möglichst in Schulnähe gefunden werden. Auch ist noch offen, ob die Gemeinde oder die Wildnisschule „Wir – Kinder der Erde“ den Hort betreiben sollen.
Dieter Roettig

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