Landsberger Esche für Vietnam

Pilz zerstört Eschenpopulation und sorgt für Eschenholzschwemme

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Massenweise Holz am Ausgang des Wildparks. Das Holz ist bereits an Händler verkauft. Ein Teil wurde sogar nach Vietnam geliefert.
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Zahlreiche geschlagene Eschen auf dem Weg nach Sandau. Das Holz wird nach und nach abgeholt.
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Auch größere Stämme sind noch im Wald nach Sandau zu sehen. 
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Auch größere Stämme sind noch im Wald nach Sandau zu sehen. 
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Manch ein Baumstamm wird stehengelassen - für die kreativen Waldarbeiter, die mit der Kettensäge Holzfiguren schaffen.
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Auch im Wildpark lagen bis vor Kurzem noch zahlreiche Äste und Stämme am Boden. Sie sind inzwischen größtenteils abgeräumt.
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Auch im Wildpark lagen bis vor Kurzem noch zahlreiche Äste und Stämme am Boden. Sie sind inzwischen größtenteils abgeräumt.

Landsberg – Holz, so weit das Auge reicht. Manch einer mag sich auf dem Weg nach Sandau oder im Wildpark gefragt haben, warum momentan so massiv Bäume geschlagen werden. Was geschieht mit dem ganzen Holz? Allein die Stapel im Wildpark sind beeindruckend. Das meiste sind Eschen, denen das Eschentriebsterben den Garaus macht. Der Übeltäter ist ein Pilz: Hymenoscyphus fraxineus.

Der kommt aus Japan und ist in Mitteleuropa seit 2008 bekannt. „Aber es haben sich noch keine Antagonisten entwickelt“, gibt Michael Siller, Referatsleiter Forsten in Landsberg, zu bedenken. Also noch keine gegen den Pilz resistenten Bäume. „Wir gehen davon aus, dass 95 Prozent der Eschenpopulation betroffen sind.“ Kennzeichen sind abgestorbene Triebe, verfärbte Blätter, Rindennekrosen. Und irgendwann geht‘s auch ans Holz. „Wir haben Bäume gefällt, die 130 Jahre alt waren“, erzählt Siller. „In den letzten zehn Jahren sind die keinen Zentimeter mehr gewachsen. Der Baum kämpft.“

Im Wildpark würden „ein paar 100 Festmeter mehr“ als geplant geschlagen. Für die Sicherheit: Totes Holz ist eine Gefahr. Viele Wälder um Landsberg seien keine Nutz-, sondern Freizeitwälder, „da verfolgen wir keinen betriebswirtschaftlichen Aspekt“. An anderen Stellen werde schon mal ein weniger kranker Baum stehengelassen. Vielleicht entwickelt sich ja gerade dieser Baum zu einer resistenten Variante.

Da der Pilz in ganz Mitteleuropa wütet, überschwemmt Eschenholz den Markt: „Hier kann man es nur noch als Brennholz verkaufen“, sagt Siller. Einen Großteil ist er schon losgeworden. Ein Kunde sitzt sogar in Vietnam, „der zahlt noch ein bisschen mehr“. 150 Festmeter Landsberger Esche finden also ihren Nutzen in vietnamesischen Holzlöffeln, Besenstielen oder Treppen. Das restliche Holz muss von den Händlern erst bei Bedarf abgeholt werden. Auch das, das noch kreuz und quer im Wald verteilt herumliegt. Teilweise bleiben Stämme liegen, dürfen vermodern für Flora und Fauna. Und ab und zu steht auch ein noch etwas längerer Baumstumpf. Der dient der Kreativität: für weitere Pilze, Eichhörnchen oder Kraniche in Holz. „Wir haben zwei Waldarbeiter, die gut mit der Kettensäge umgehen können“, lacht Siller.

Danach wird wieder aufgeforstet. „Das Pflanzkonzept berücksichtigt viele Baumarten, auch Eiche, Pappel oder Weide“, beschreibt der Referatsleiter. So ziemlich alles. Nur eben keine Eschen mehr.

Susanne Greiner

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