Kreisboten-Serie Feuerwehren im Landkreis

Finnings Feuerwehrkommandant Tobias Karl: Hier wird Vielfalt gelebt

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Tobias Karl ist auch nach 23 Jahren noch begeistert von seinem Ehrenamt bei der Feuerwehr. Besonders die Zusammenarbeit mit seinen Kameraden bei Einsätzen macht ihm Spaß.

Finning – So ganz überzeugt war Tobias Karl zunächst nicht von der Idee, zur Feuerwehr zu gehen. Doch 23 Jahre später ist er immer noch dabei – und ist mittlerweile sogar 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Finning. Karl erklärt, was sich seither verändert hat und warum es Frauen in der Feuerwehr braucht.

Wie bei vielen anderen auch, begann Karls Laufbahn bei der Feuerwehr schon in jungen Jahren. Mit 15 hat er erstmals in das Ehrenamt hineingeschnuppert. Ein Freund von ihm wollte zur Feuerwehr und meinte, Karl solle doch mitkommen. „Da habe ich erstmal gelacht“, erinnert sich der heute 38-Jährige. Dennoch lies er sich überreden und siehe da: „Ich wurde eines Besseren belehrt. Vor allem, dass man schon mit 16 Jahren ausrücken darf, war natürlich klasse.“ Karl war begeistert. Und ist es immer noch, wie er sagt.

Die meisten Kommandanten sind quasi Eigengewächse ihrer jeweiligen Wehren. Karl hingegen ist ein ‚Zugroaßter‘. So war es die Feuerwehr in Planegg, die ihn von dem Ehrenamt überzeugte. Vor sechs Jahren zog es ihn und seine Familie schließlich nach Finning. Nur ein halbes Jahr später stieß er zu seinen Finninger Kameraden. Und dann ging alles ganz schnell. Vor drei Jahren wurde er zum stellvertretenden Kommandanten gewählt, vor rund einem Jahr dann zum ersten.

Karl scheint sich demnach schnell ins Dorfleben eingefügt zu haben und hat damit wohl nicht zuletzt bei seinen Kameraden einen guten Eindruck hinterlassen. Der Ex-Münchener bestätigt, dass die Zugehörigkeit zu einem Verein wie der Feuerwehr helfe, sich zurechtzufinden. „Hier wird Vielfalt gelebt.“ Jeder könne mitmachen und man habe auch immer einen Ansprechpartner, wenn man bei irgendwas Hilfe brauche.

Was die Feuerwehr-Gemeinde angeht, habe sich in Finning in den letzten Jahren auch einiges getan. „Das ganze Vereinsleben blüht auf.“ Es seien mehr Familien aktiv, bei denen beide Eltern bei der Wehr anpacken und es werde auch ein bisschen mehr gemeinsam unternommen. „Das ist eine schöne Entwicklung.“

Ob es das rege Vereinsleben ist, dass auch einige Frauen angelockt hat? Jedenfalls zählen zu den 38 Kameraden auch sieben Frauen und ein Mädchen. Karl findet das augenscheinlich besser als eine reine Männerwirtschaft. „Frauen bringen irgendwie mehr Ruhe rein.“ Ausgleichendes Potential nennt Karl das. Stolz erzählt er auch von einer Kameradin, die „die beste Fahrerin“ sei. Als Maschinist packe sie derzeit mit an. Wobei Karl bei ihr auch durchaus Potential als zukünftige Gruppenführerin sieht.

Damit sich noch ein paar mehr Kameradinnen finden, wollen die bereits aktiven Feuerwehr-Damen 2020 einen Frauentag bei der Finninger Feuerwehr veranstalten, wie Karl erzählt. Der genaue Termin stehe noch nicht fest. Vorab stellt der Kommandant in Sachen Nachwuchs schon mal klar: Man habe für jeden eine Aufgabe. „Es ist nicht Jedermanns Sache mit dem Spreizer vorne dran zu stehen.“ Doch bei Einsätzen würden sich die unterschiedlichsten Aufgaben ergeben.

Tatsächlich kann sich Karl, was den Nachschub an neuen Feuerwehrleuten angeht, nicht beschweren. „Wir haben eine sehr starke Truppe.“ Acht Jugendliche seien es derzeit in Finning. Hinzu kämen nochmal fünf vom Ortsteil Entraching. Allerdings betont er auch, dass die jungen Leute einem nicht zugelaufen kommen. „Man muss da schon was tun.“ Dementsprechend froh ist er, einen engagierten Jugendwart zu haben. „Der steckt da wirklich viel Zeit und Herzblut rein.“ Dabei sei diese Aufgabe gar nicht so einfach. Denn auch die Theorie will gelernt sein. Stichwort Knoten und Stiche. „Das ist die Steuererklärung der Feuerwehrler“, lacht Karl. Niemand macht es gerne, aber es muss halt sein. „Da braucht man dann jemanden, der das gut vermitteln kann.“ Die Finninger scheinen den Richtigen für diese Aufgabe gefunden zu haben.

Apropos, welche Aufgaben kommen eigentlich auf einen zu, wenn man Kommandant wird? Die Verwaltung mache einen Großteil der Arbeit aus, wie der 38-Jährige sagt. Auch wenn das nicht unbedingt seine Lieblingsaufgabe zu sein scheint, „wenn ich dann zum Einsatz rausfahre und mit den Kameraden zusammenarbeite, dann ist es das wert.“

Bei den Einsätzen an sich habe sich in den über 20 Jahren die grundlegende Arbeit nicht verändert. „Doch mittlerweile sind Themen aufgekommen, die vor einigen Jahren noch niemanden interessiert haben.“ Karl spricht damit auf die gesundheitlichen Auswirkungen für die Ehrenamtlichen an. Berufsrisiko Krebs. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass krebserregende Gase und Partikel noch Wochen nach einem Einsatz an der Kleidung in den Fahrzeugen verbleiben können. Die Feuerwehrleute können deshalb die Giftstoffe über ihre Haut oder Lunge auch verzögert aufnehmen.

„Mittlerweile findet da ein Umdenken statt.“ Bei Einsätzen würden jetzt mehr Maßnahmen ergriffen, um die Kameraden zu schützen. Nach einem schweren Großband im Einsatzgebiet von Finning zum Beispiel sei ein spezieller Container am Einsatzort aufgestellt worden. Dort wurde die Kleidung sofort gereinigt. Eine wichtige Neuerung, damit die Feuerwehrler nicht nur für Sicherheit sorgen können, sondern auch selbst geschützt sind.
Stephanie Novy

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