Horst sorgt für Gegenwind

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Unter anderem die Sichtbeziehung zur Kirche sieht die Initiative „Gegenwind –Thaining schützen!“ durch das Windrad gestört.

Thaining – Der Rotmilan gefährdet die Windrad-Pläne der Gemeinde Thaining. Immer noch steht die Stellungnahme der Höheren Naturschutzbehörde, die in der geplanten Windkraftanlage ein „signifikantes Tötungsrisiko“ für den Greifvogel sieht, aus. Lösung könnte eine sogenannte Monitoring-Anlage darstellen. Aber in der Gemeinde regt sich auch Widerstand von anderer Seite: Von der Initiative „Gegenwind – Thaining schützen“. Dabei wird die Zeit jetzt knapp.

Eigentlich war das Bürgerprojekt für das Windrad in Thaining vor rund vier Jahren gut angelaufen. Doch jetzt liegen die Pläne erst einmal auf Eis. Grund dafür ist der Horst eines Rotmilans, der sich in 700 Metern Entfernung vom geplanten Standort befindet. Die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern hat deshalb eine negative Stellungnahme zu der geplanten Windkraftanlage abgegeben. Sie sieht in der Anlage ein sig­nifikantes Tötungsrisiko und damit die Rotmilan-Population als gefährdet an. „Es sieht so aus, als wenn der Milan das Projekt gefährdet“, fasst Bürgermeister Leonhard Stork zusammen.

Die Gemeinde hat deshalb eine juristische Gegendarstellung eingereicht. So könne das Landratsamt aber nicht genehmigen, die Stellungnahme der Höheren Naturschutzbehörde wiegt schwerer. Einziger Lösungsansatz ist derzeit eine Monitoring-Anlage. Diese ist mit mehreren Kameras ausgestattet und schaltet das Windrad ab, wenn sich Vögel nähern. „Wenn die Naturschutzbehörde das befürwortet, könnten wir starten“, so Stork. Gleichzeitig würde die Ausstattung mit der Vogelwarn­anlage ein Pilotprojekt für Oberbayern darstellen. Eine Nachricht erwartet der Bürgermeister in den nächsten Wochen.

„Uns läuft jetzt aber die Zeit davon“, so Stork auf Nachfrage des KREISBOTEN. Denn bis Ende 2016 müsste das Projekt durchgeführt werden. Später wäre nämlich keine gesetzlich gesicherte Einspeisevergütung mehr möglich und der Strom könnte dann nur noch zu Marktpreisen verkauft werden, erläutert Stork. Da die Gemeinde Thaining aber als Gesellschafter in einer GmbH auftreten will, würde das die Rechtsaufsicht 2017 nicht mehr genehmigen. Die Verträge dafür seien sogar schon fertig, aber „im Moment können wir gar nichts machen“, sagt Leonhard Stork. Das geplante Windrad fällt außerdem unter die neue 10H-Regelung, die besagt, dass der Abstand zwischen Windrad und nächster Bebauung mindestens zehnmal so groß sein muss wie die Höhe des Windrades. Doch das gelte nur für Projekte, die nach dem Stichtag – dem 4. Februar 2014 – beantragt wurden. Für Thaining stelle das also kein Problem dar, so Stork.

Die Widersprüche kommen von anderer Seite: Von der Initiative „Gegenwind – Thaining schützen!“. Die hat sich bereits im August gegründet. Ein Aspekt war auch, dass die Gemeinde trotz 10H-Regelung an dem Projekt festhält, erklärt Bernhard Krug von der Initiative. Aber auch den Vogelschutz führen die Gegner an: Insgesamt gebe es im Umkreis des Windrad-Standortes 13 Horste von Rotmilan-Paaren. Auch eine Monitoring-Anlage hält Krug für „absolut ungeeignet“, denn dadurch lasse sie das Tötungsrisiko nicht minimieren. „Die Rotorblätter haben teilweise eine Geschwindigkeit von 200 bis 300 Stundenkilometern, damit kommt der Vogel nicht zurecht“, so Krug. In Bayern gibt es allerdings keine Erhebung, wie viele Vögel durch Windräder getötet werden.

Auch das Thema Gesundheit und die potentiellen Gefahren durch Infraschall führt die Initiative ins Feld. Nicht zuletzt geht es der Initiative, laut Krug, der auch Kirchenpfleger ist, um den Denkmalschutz. Baudenkmäler würden von dem Wind­rad gestört werden. Dabei gehe es nicht allein um Thaining selbst, sondern auch um die umliegenden Dörfer. Falls es dennoch zu einer Genehmigung des Windrades mit der Monitoring-Anlage kommen sollte, würde die Initiative aber alle Mittel in die Wege leiten, um das Windrad zu verhindern, stellt Bernhard Krug klar. In der Gemeinde bestehe ein großer Interessenkreis und er sehe „kein Problem“, dass man die notwendigen Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammen bekäme, ist Krug überzeugt.

Astrid Erhard

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