"Wir haben einen absoluten Engpass"

Der EVL-Vorsitzende Hans-Jürgen Böttcher will den Verein in ruhigeres Fahrwasser bringen: . Foto: Archiv

Die Woche beim EVL war turbulent: Die Niederlagenserie drückt auf den Zuschauerschnitt, das wiederum verschärft die ohnehin angespannte Finanzlage und noch dazu gab es vor den Spielen gegen Passau und in Bad Tölz (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) auch noch Personalsorgen: Nick Anderson war am Freitag nach seiner Spieldauer-Disziplinarstrafe gesperrt, Philipp Michl fällt ohnehin mit seiner Bänderverletzung noch aus und Ricky Helmbrecht und Florian Ullmann wird man wohl gar nicht mehr im Dress des EVL sehen (siehe untenstehender Artikel). Gründe genug für ein ausführliches Interview mit dem EVL-Vorsitzenden Hans-Jürgen Böttcher, in dem dieser Klartext spricht.

Herr Böttcher, wie kam es zur Trennung von Florian Ullmann? Böttcher: „Das war eine Entscheidung des Trainers. Er hat von ihm verlangt, dass er mehr arbeitet und auch einmal Sonderschichten einlegt, das hat er nicht getan. Er kann jetzt bei uns bei den Junioren spielen, wenn er will, das liegt bei ihm. Es gibt bei uns im Nachwuchs Spieler, die mehr Willen und Einsatz zeigen, einer davon ist Jürgen Wiese, der jetzt fest in die erste Mannschaft eingebaut wird.“ Spektakulärer war die Trennung von Kontingentspieler Ricky Helmbrecht. Was war da los? Böttcher: „Das hat mehrere Gründe, die bei Helmbrecht im persönlichen Bereich liegen, ich möchte das nicht im Detail erläutern. Es war auf jeden Fall schwerwiegend genug, dass wir ihn freistellen mussten. Ich habe ihm geraten, nach Hause zu fliegen und einmal ein Jahr Pause zu machen, um sein ganzes Leben wieder in den Griff zu bekommen.“ Nach dem Abgang von Marc Stotz und der Verletzung von Philipp Michl wird damit die Personaldecke immer dünner. Wie reagiert man? Böttcher: „Wir haben mit Troy Bigam bereits den ersten neuen Spieler verpflichtet. Einen weiteren Spieler stellen wir auf 400-Euro-Basis ein, alle weiteren Kosten übernimmt eine Fangruppierung, die mit dem Angebot an uns herangetreten ist.“ Die sportlichen Erfolge blieben bei sechs Niederlagen in Folge zuletzt aus, wie soll sich das jetzt ändern? Böttcher: „Ich habe einen sehr guten Draht zum Mannschaftsrat, wir haben uns vor dem letzten Wochenende ausgesprochen, denn die Leistungen waren wirklich nicht gut. Vor allem diese Einbrüche im Mitteldrittel lassen darauf schließen, dass es einigen an der Konzentration und auch an der Einstellung fehlt. Aber was Michel Maaßen dann vor allem gegen Selb gezeigt hat, war die richtige Reaktion. Vielleicht haben die Probleme um Helmbrecht auch ihren Teil beigetragen, ich hatte irgendwie den Eindruck, es lastet etwas auf der Mannschaft.“ Die Niederlagenserie hat sich auch auf die Zuschauerzahlen negativ ausgewirkt. Wie ist die Lage bei den Finanzen? Böttcher: „Wir liegen um 120 Zuschauer unter der Kalkulation. Das hört sich nicht viel an, sind aber gleich einmal 10000 Euro, die uns im Monat fehlen. Anfangs lief es ja noch gut, dann kam dieser Einbruch. Noch dazu sind uns zwei Sponsoren kurzfristig abgesprungen und wir haben einen Rechtsstreit mit dem Finanzamt um 20000 Euro. Das summiert sich dann auf 50000 Euro und das kann einem schon den Hals brechen, wenn die Finanzen sowieso angespannt sind. Wie bedrohlich ist die Situation? Böttcher: „Wir haben einen absoluten Engpass, aber wir machen nicht dicht. Wenn wir über die nächsten Wochen kommen, haben wir es gerissen. Die Aktion mit McDonalds läuft gut, am 26. November beim Spiel gegen Regensburg verlosen wir dann wirklich tolle Preise. Wir haben im Dezember attraktive Spiele, bekommen dann die Mitgliedsbeiträge und im Januar noch einmal Sponsorengelder. Und wir haben die Ausgaben dramatisch gesenkt. Die Zuschauer sind gar nicht so sehr das Problem. Dieser Verein kann durchaus mit 600 bis 700 Zuschauern überleben, aber nicht damit, dass einen ständig Dinge aus der Vergangenheit einholen oder wenn einen Leute im Stich lassen.“ Noch dazu droht das Finanzamt mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Böttcher: „Unser Abgeordneter Dr. Thomas Goppel hat deswegen und wegen unserem Rechtsstreit einen Brief an den Staatssekretär und das Finanzamt Kaufbeuren geschrieben, in dem er sich für uns einsetzt. Ich denke, dass uns das sehr helfen wird, ich mache wirklich einen Bückling vor Herrn Goppel dafür. Wir hatten da große Probleme, hatten uns eigentlich wie mit Berufsgenossenschaft und Krankenkasse auf einen Vergleich geeinigt, aber dann hieß es plötzlich, dass unser Ansprechpartner im Vorruhestand sei und die Vereinbarung hinfällig.“ Wie sind denn die Aussichten bei so vielen Turbulenzen? Böttcher: „Seit einem Jahr ist doch Ruhe im Verein. Noch einmal: Wir haben im Moment jeden Monat einen Engpass, für das nächste Jahr sieht das wieder ganz anders aus, da sind auch neue Sponsoren in Aussicht. Im letzten Jahr war die Lage schlimmer, da musste ich 50000 Euro zuschießen, noch einmal 50000 kamen von privat und Vorsponsoring von 100000 Euro. Wenn wir das nicht gehabt hätten, hätten wir aufhören müssen, so ging es weiter. Aber irgendwann sind diese Quellen erschöpft. Vielleicht kommt ja wieder ein Engelchen, so wie letztes Jahr auch eines kam. Mir hat ein Vereinsmitglied in dieser Saison schon zweimal Geld gegeben, weil er sagt, dass er endlich wieder Freude am Verein hat. Von der Sorte bräuchten wir eben zehn. Muss man die sportliche Zielsetzung nach den Ereignissen der letzten Wochen korrigieren? Böttcher: „Die Verletzung von Michl tut uns natürlich weh. Gott sei Dank ist Dave Rich ein ruhiger Trainer, redet viel mit den Spielern. Die wiederum sagen, dass es an ihm auf jeden Fall nicht liegt. Da müssen wir jetzt einfach durch. Ich hoffe, dass die Spieler sich nicht mehr mit anderen Dingen beschäftigen und dass da jetzt Kräfte frei werden. Und vielleicht holen wir noch einen guten jungen Spieler. Dann packen wir das schon.“

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