"Wir sind hochgradig abgesichert"

Für große Aufregung haben im Landheim Schondorf am Donnerstag ein Zeitungsbericht der Frankfurter Rundschau und Meldungen im Radio gesorgt, die von sexuellem Missbrauch in der renommierten Internatsschule in den 90er Jahren berichteten. Dr. Rolf Mantler, der das Landheim von 1984 bis 2008 leitete, hatte mit einem Journalisten der Frankfurter Rundschau, der im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen an anderen Reformschulen recherchierte, bei einem Telefoninterview darüber gesprochen.

Im Jahr 1994, so Mantler, hätten sich Eltern an ihn gewandt, weil sie eine auffallende Wesensveränderung ihres Sohnes bemerkt hätten. Der gravierende Verdacht, dass er von einem Lehrer sexuell missbraucht worden sei, habe sich erhärtet. Daraufhin sei der Pädagoge sofort entlassen worden, berichtete Mantler. Diese Aussage bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung auch Mantlers Nachfolger, Helmuth Aigner. Demnach handelte es sich um eine „partnerschaftliche Beziehung“ zwischen einem fast 18jährigen Schüler und einem Lehrer für Deutsch und Religion, in deren Verlauf es auch zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Dieses Geschehen, so Aigner, sei jedoch ein absoluter „Einzelfall“ gewesen. Die Eltern hätten damals Anzeige erstattet, der Lehrer sei aber im Laufe des Verfahrens freigesprochen worden, da der Schüler bei Bekanntwerden des Falles bereits 18 Jahre alt war. In intensiven Gesprächen mit Lehren, Eltern und Schülern habe sich am Donnerstag die Frage aufgedrängt, warum ein abgeschlossener Fall den Ruf der Schule schädigen könne, berichtete Aigner. Sehr berührt haben ihn insbesondere Überlegungen der jüngeren Schüler, „die ihr Landheim lieben. Sie möchten dazu beitragen, dass ihre Schule wieder positiv in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.“ Aigner betonte, es stimme ihn traurig, dass der positive pädagogische Ansatz des Landheims momentan von einem „singulären Fall aus der Vergangenheit, der vorbildlich behandelt wurde“ überdeckt werde. Für ihn sei das Landheim nach wie vor „die Schule der Zukunft“. Wichtig sei auch, dass die Grundlage der Betreuung im Landheim Schondorf vorbildlich sei: Ein Schüler werde hier nie nur einer Vertrauensperson ausgesetzt sondern habe immer gleichzeitig mehrere, von einander unabhängige Ansprechpartner. Aus dieser Betreuungssituation, ergebe sich eine hochgradige Absicherung. Offenheit Auf Grundlage dieses „Mehraugenprinzips“ werde jedem einzelnen Schüler zu jeder Zeit Zugang zu einer oder mehreren Vertrauenspersonen ermöglicht. Die Schüler seien in Gesprächen nochmals ausdrücklich ermutigt worden, dieses Angebot wahrzunehmen, wenn sie Fragen oder Probleme haben. Außerdem habe die Schulgemeinschaft die Vereinbarung getroffen, Medienvertreter zum Miterleben des Schulalltags einzuladen, sobald sich die Wogen geglättet haben.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Deko und Kunstobjekte aus aller Welt
Deko und Kunstobjekte aus aller Welt
Polizei bremst führerloses Auto auf der B17 bei Denklingen aus
Polizei bremst führerloses Auto auf der B17 bei Denklingen aus

Kommentare