Ehrenamtliche Mitstreiter gesucht

»Wir sind immer die Schnellsten!«: Reichlings Helfer vor Ort

Ehrenamtliche Lebensretter: Mario Dangel (l.) und Edgar Linder sind zwei von fünf „Helfern vor Ort“ in Reichling. Das Foto entstand bei der Übergabe des neuen Fahrzeugs im vergangenen Jahr. Foto: Privat
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Ehrenamtliche Lebensretter: Mario Dangel (l.) und Edgar Linder sind zwei von fünf „Helfern vor Ort“ in Reichling. Das Foto entstand bei der Übergabe des neuen Fahrzeugs im vergangenen Jahr.

Reichling – Sie sind im Notfall die ersten vor Ort und überbrücken die Zeit, bis Notarzt und Rettungswagen kommen: die „Helfer vor Ort“ (HvO) des BRK-Kreisverbands Landsberg. In Reichling rückten sie im vergangenen Jahr insgesamt 176 Mal aus und erlebten dabei kuriose, schöne, aber auch ganz tragische Einsätze.

Der Alarm ging los. Mario Dangel und Edgar Linder waren gerade bei der Dienstübergabe. Und so fuhren sie gemeinsam los. Ausnahmsweise. Ab nach Rott, wo jemand eine Ladung Pfefferspray abbekommen hatte. Dangel und Linder, zwei „Helfer vor Ort“ aus Reichling, trafen als erste Retter ein. So wie in fast allen Fällen.

Doch dann lief nichts so ab wie sonst. Denn als Passanten das Blaulicht sahen, forderten sie die Rettungssanitäter auf, einen Straftäter festzunehmen. Der hatte kurz zuvor eine Pizzeria in Rott überfallen und musste gestellt werden. „Das gehört nun eigentlich nicht zu unseren Aufgaben“, sagt Dangel im Rückblick. Er richtete das Licht auf den Täter, forderte ihn per Megafon zum Stehenbleiben auf. Und schaffte es so gemeinsam mit anderen, den Täter aufzuhalten. Dieser sehr spezielle Vorfall war einer von 176 Einsätzen, die die „Helfer vor Ort“ aus Reichling im vergangenen Jahr leisteten.

Eine Menge Notrufe waren das, findet Dangel, der Sprecher der Helfer vor Ort ist. Immerhin ist seit zwei Jahren ein Rettungswagen in Reichling stationiert. Der wird tagsüber alarmiert. Die HvO-Reichling, die ebenso wie die Teams in Denklingen dund Dießen beim BRK-Kreisverband Landsberg angesiedelt sind, werden auch nachts losgeschickt und wenn der Rettungswagen bereits einen Einsatz fährt.

Schon seit 1999

Die HvO gibt es in Reichling bereits seit 1999. Bevor der eigene Rettungswagen in das Lechraindorf kam, rückten sie zwischen 220 und 240 Mal im Jahr aus. Damals wie heute ist es ihre Aufgabe, in Notfällen als Ersthelfer anzupacken, wenn die Anfahrt der Rettungsdienste zu lang dauert. Aktuell teilen sich fünf Rettungssanitäter die Aufgabe – alle machen das in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Dangel arbeitet zusätzlich auch hauptberuflich im Rettungsdienst.

Im vergangenen Jahr waren ein paar Dinge anders als zuvor: Zum einen wurde die Alarmierung umgestellt. Früher rückten Dangel und seine Mitstreiter immer dann aus, wenn ein Notfall in einem der Orte war, für die sie zuständig sind – in Thaining, Vilgertshofen, Rott, Apfeldorf oder Reichling. Je nachdem, welcher Ehrenamtliche gerade Dienst hatte, konnten sich auch daraus längere Anfahrtswege ergeben. Mittlerweile ist ein GPS-Sender am Fahrzeug angebracht – und die HvO bekommen immer dann Bescheid, wenn sie tatsächlich am nächsten am Patienten dran sind. „Seitdem sind wir immer die Schnellsten“, freut sich Dangel.

Apropos Fahrzeug: Auch das ist neu. Im Frühjahr vergangenen Jahres gab’s einen nagelneuen Geländewagen für die Helfer. Der steht immer bei demjenigen vor der Tür, der Bereitschaft hat. Und auch die Corona-Pandemie hat sich ausgewirkt. Im Frühjahr sollten die HvO aus Sicherheitsgründen nur in absoluten Ausnahmefällen alarmiert werden. So kam fast ein Monat lang kein Einsatz zustande. Allerdings führte die Pandemie auch dazu, dass viele Menschen daheim Urlaub machten.

Vermehrt kam es zu Einsätzen am Wasser. Die HvO rüsteten deshalb auf, legten sich eine Wurfleine zu, mit der sie Menschen aus dem Wasser ziehen können. Obendrein gehört seit 2020 eine spezielle Rettungsweste zur Ausrüstung, um selbst einen Ertrinkenden an Land ziehen zu können.

Lange Minuten

Die häufigsten Einsätze aber haben nichts mit Wasser zu tun. Zumeist eilen die Helfer wegen Herzinfarkten und Schlaganfällen los. Manches Mal ist es auch eine Reanimation. „Auch für uns sind das dann lange Minuten, bis die Einsatzkräfte kommen“, sagt Dangel. Denn die Ersthelfer sind immer allein im Einsatz – sie sollen die Zeit überbrücken, bis Notarzt und Sanitäter kommen. Und so die Betroffenen vor weiteren Schäden bewahren. Nicht immer klappt das. Zwei Kinder konnten im vergangenen Jahr nicht gerettet werden. „Das war das Schlimmste“, sagt Dangel.

Trotzdem will er weiter helfen. „Wir haben auch viele tolle Einsätze.“ Die Helfer können den Verletzten oder Erkrankten dann beruhigen, ihm Kraft geben und dazu beitragen, dass er wieder gesund wird – weil rechtzeitig Hilfe kam. „Wir bekommen viel positives Feedback.“ Nur keine weitere Unterstützung: Seit Jahren suchen die HvO Mitstreiter, um die Bereit­schaftsdienste auf weiteren Schultern zu verteilen. Selbst geschaltete Annoncen haben nichts gebracht. „Es meldet sich einfach keiner“, bedauert Dangel. „Dabei ist es etwas Tolles und Positives, ein Helfer vor Ort zu sein.“ Und obendrein etwas ganz Wichtiges.
Katharina Kleinschmidt

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