"Wir wollen diesen Menschen helfen!"

Am Freitag ist für den Sozialen Wohnungsbau der Stadt in Obere Wiesen Richtfest – losgelöst von der Frage, ob die Gebäude zu einer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber umgewidmet werden könnten. Foto: Schwaiger

Im Neubaugebiet Obere Wiesen brodelt es gewaltig. 81 Anwohner haben sich jüngst in einer gemeinsamen Protestnote an OB Mathias Neuner (CSU) gegen eine mögliche Umwidmung der dortigen Sozialwohnungen in eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber ausgesprochen. Und sparten dabei nicht mit Vorurteilen, die das Stadtoberhaupt entschieden zurückwies. Neuner betonte zum wiederholten Mal: „Die Stadt kommt ihrer Verpflichtung nach!“

Wie im KREISBOTEN berichtet, hatte CSU-Stadtrat Helmut Weber vor Wochen den Stein in nichtöffentlicher Sitzung ins Rollen gebracht. Eine Umwidmung der im Bau befindlichen Sozialwohnungen in eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber sei zwar nicht ohne Weiteres zu bewerkstelligen, grundsätzlich aber auch nicht ausgeschlossen, ließ die Regierung von Oberbayern wissen. OB Neuner wie auch Landrat Walter Eichner (CSU) sehen darin nach wie vor eine von mehreren Möglichkeiten, bei der Suche nach einer dauerhaften und betreuten Unterbringung von Flüchtlingen. Aktuell ist der Landkreis verpflichtet, bis zu 103 Asylbewerber aufzunehmen. 71 Frauen und Männer wohnen derzeit in zwei Landkreis-Immobilien in Kaufering, die die Regierung vorläufig als Gemeinschaftsuntekunft anerkannt hat. Weitere 30 Flüchtlinge werden demnächst folgen. OB Neuner ließ den Landrat und den Stadtrat inzwischen wissen, dass man 25 Asylbewerber voraussichtlich noch im Oktober in städtischen Wohnungen aufnehmen werde. Diese Wohnungen befänden sich jedoch nicht in Obere Wiesen, beteuerte Neuner, der die Entwicklung in dem Neubaugebiet mit Sorge betrachtet. Was auch nicht weiter verwundert, ist in der Protestnote doch von „Lärmbelästigung, Anstieg der Kriminalität, Wertminderung der Immobilien und Verschlechterung des Wohnniveaus“ die Rede. CSU-Fraktionschef Weber und mit ihm der Stadtrat ist ob solcher Töne entsetzt. Die Stadt sei „verpflichtet, gegen diese Unterstellungen vorzugehen“, forderte Weber vergangene Woche im Stadtrat. Es stünde den Landsbergern nicht gut zu Gesicht, so gegen einen bestimmten Personenkreis vorzugehen. Und da ließ sich Neuner nicht lange bitten. Es seien mehrere, teils „ganz massive Schreiben“ bei ihm eingegangen, sagte er, die meisten davon habe er bewusst unkommentiert gelassen. Jetzt aber stellte Neuner für sich persönlich, für die Mitglieder des Stadtrates und für Landsbergs Bürger klar: „Wir möchten diesen Menschen helfen!“ Beifallsbekundungen sind im Plenum nicht üblich, gar selten für das Stadtoberhaupt, doch für diese deutlichen Worte erntete Mathias Neuner einen unüberhörbaren Beifall auf offener Szene.

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