"Es wird immer mehr gerast!"

Ein Bild der Verwüstung bot sich am 9. September auf der B17neu bei Landsberg: Der schwere Verkehrsunfall forderte zwei Tote und vier Verletzte. Foto: kb

Wieder werden die folgenschwersten Verkehrsunfälle des zurückliegenden Jahres in Erinnerung bleiben, es sind stets diejenigen, bei denen mehrere Menschen ihr Leben lassen. Dementsprechend sind in der Verkehrsstatistik für den Landkreis, die die Polizei jetzt vorstellte, auch zwei Unfälle hervorgehoben: Derjenige, bei dem in Obermeitingen zwei junge Männer starben, als sie mit ihrem Fahrzeug gegen eine Hausecke krachten und der spektakuläre Unfall auf der B17, bei dem sich im September ein großer BMW mehrfach überschlug. Zwei Tote und vier Verletzte waren hier zu beklagen, auch weil mehrere Menschen im Auto nicht angeschnallt waren.

Das ist ohnehin ein heißes Thema: „Man möchte es nicht glauben, aber rund 30 Prozent der Verletzten und Getöteten bei Verkehrsunfällen sind nicht angeschnallt, obwohl der Gurt oft Schlimmeres verhindern könnte“, bemängelt Alfred Geyer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Landsberg. Auch deswegen gibt es immer wieder Gurtkontrollen, „auch wenn uns da teilweise heftiger Gegenwind entgegenweht.“ Ähnlich scharf wird bekanntlich auf Alkohol kontrolliert und das scheint Wirkung zu zeigen. 60 Unfällen aus dem Jahr 2009, bei denen Alkohol im Spiel war, stehen 45 im vergangenen Jahr gegenüber. „Ob man da einen direkten Zusammenhang herstellen kann, ist schwer zu beurteilen“, so Geyer, „aber es ist schon unser Ziel, den Kontrolldruck so hoch zu halten, dass die Autofahrer wissen, dass sie es sich einfach nicht mehr leisten können, zu fahren, wenn sie getrunken haben.“ Das funktioniert offenbar, denn 84 Führerscheinsicherstellungen aus dem Jahr 2009 stehen jetzt nur noch 55 gegenüber, die „folgenlosen Trunkenheitsfahrten“ gingen von 163 auf 116 zurück, die „verhinderten Trunkenheitsfahrten“ von 63 auf 51. Insgesamt krachte es im Landkreis wieder etwas öfter. 2953 Unfälle nahm die Polizei auf (2009: 2790), 774 Personen wurden dabei verletzt (763) und 14 getötet (12). Geyer: „Das sind Abweichungen, die es von Jahr zu Jahr immer gibt. Insgesamt gibt es aber gottlob über die letzten Jahre einen bayernweiten Trend zu abnehmenden Zahlen bei den Schwerverletzten. Man merkt daran, dass die Fahrzeuge immer sicherer werden.“ Tatsächlich wird beim Blick auf die Statistik deutlich, dass in den letzten zehn Jahren die Zahl der Unfälle genauso wie die der Verkehrstoten praktisch gleich geblieben ist, während inzwischen fast ein Viertel Verletzte weniger zu beklagen sind. Hauptunfallursache sind weiterhin Fehler beim Überholen (27 Prozent), dahinter folgen fast gleichauf Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren und überhöhte Geschwindigkeit. Genau diese Raser sind dem Polizeichef weiterhin ein Dorn im Auge. 376 Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit finden sich in der Statistik, im Jahr zuvor waren es noch 269, die Zahl der Verletzten stieg von 135 auf 171, neun Menschen starben (2009: sieben). „Das ist leider ein deutlicher Trend“, sagt Alfred Geyer, „es wird immer mehr gerast.“ Die Konsequenz ist klar: Die Polizei wird weiter mit Geschwindigkeitskontrollen dagegenhalten. Die Laserpistole war 2010 88 Stunden im Einsatz, das ist beinahe eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Das Ergebnis spricht für sich: 173mal gab es eine Verwarnung, 290mal eine Anzeige. Relativ stabil ist die Zahl der Unfallfluchten. 547mal machte sich ein Unfallverursacher aus dem Staub (564), gut 38 Prozent der Fälle konnte die Polizei aufklären. Alfred Geyer: „Wenn wir Lacksplitter oder andere Teile finden, dann haben wir eine gute Chance, denjenigen zu erwischen.“

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