Eine Marke für den Landkreis

Ein Jahr Wirtschaftsförderer: Bernhard Lachner

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Seit einem Jahr beim Landratsamt tätig: Wirtschaftsförderer Bernhard Lachner.

Landkreis – Seit rund einem Jahr hat der Landkreis Landsberg einen eigenen Wirtschafts­förderer: Bernhard Lachner, Vermittler zwischen Interessenverbänden, Firmen und Landratsamt. Aber Lachner ist auch einer, der die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises im Auge hat. Oder besser: dem die gesamte Entwicklung des Landkreises am Herzen liegt. Denn inzwischen weiß der gebürtige Kaufbeurer das Potenzial des Landkreises enorm zu schätzen.

„Der Landkreis Landsberg war bei meinem Amtsantritt für mich noch ein weißes Blatt Papier“, erzählt Lachner. Sowohl Jobs als auch Betriebe, aber auch die Lebensqualität hätten ihn inzwischen äußerst positiv überrascht: „Landsberg ist zwischen München und Augsburg in gewisser Weise urban, hat aber auch noch den ländlichen Charme.“

Die Hauptaufgabe im ersten Jahr als Wirtschaftsförderer war für Lachner Zuhören: „Was braucht der Kunde,was wollen die einzelnen Parteien, und das dann im Landratsamt vermitteln“ – als Schnittstelle oder Netzwerker zwischen Kunden, Interessenvertretern wie der IHK und dem Landratsamt, „zwischen dem, der möchte, und dem, der hat“. Wobei ihm vor allem der direkte Kontakt wichtig sei. Ein Job, den Lachner aus seiner 15-jährigen Tätigkeit in Marketing und Vertrieb der freien Wirtschaft gut kennt.

Das große Thema des Landkreises seien natürlich die Fachkräfte – besser gesagt, deren Mangel. Deshalb sei eines seiner Ziele das Standortmarketing. Ein essentieller Punkt, auch wenn seit neun Jahren die Wirtschaft im Landkreis stetig wächst. „Wir müssen den Landkreis für junge Leute attraktiv machen, Wohnraum schaffen, den Freizeitwert erhöhen und interessante Jobs bieten. Aber eben auch den Zuzug von Fachkräften speziell für die großen Firmen fördern.“ Mit ein Grund, weshalb auch Gespräche mit den Gemeinden an der Tagesordnung sind. Um sie für neue Gewerbeflächen und auch neuen Wohnraum zu gewinnen. Allerdings könne er als Vermittler zwischen Bauherren und Gemeinden natürlich nichts entscheiden. Aber vielleicht Alternativen vorschlagen.

Nach einem Jahr sei da noch kein ‚Rotes Band‘, das er als Resultat durchschneiden dürfe, gibt Lachner zu. Aber er habe sich gut mit allen Beteiligten der Wirtschaft vernetzen können. Im Mai werde eine Veranstaltung gemeinsam mit der „Frau&Beruf GmbH“ stattfinden. Gerade in Bezug auf Fachkräfte liege bei Frauen ein großes, noch nicht wirklich genutztes Potential. „Und ich glaube auch, das sich die Firmen inzwischen für alternative Lösungen, was zum Beispiel Teilzeit oder Quereinstieg angeht, öffnen.“

Eine Vision Lachners für die Zukunft ist die Gestaltung des Fliegerhorsts in Penzing. Wenn die Konversion klappe, solle man seiner Ansicht nach dort innovative Projekte anlocken. „Wir wollen Start-Up-freundlich sein.“ Als Idee schwebt ihm zum Beispiel eine in der Umgebung ansässige Firma vor, die auch beim Landsberger Maker-Space dabei ist. Sie baut Solarflugzeuge mit Autopilot – und muss diese mangels hiesiger Möglichkeiten in China testen. So ein Testgelände für Mobilität sei ja bereits öfters für den Fliegerhorst angedacht worden. Wobei man die Mobilität eben nicht nur auf den Boden beschränken solle. „Auch wenn das Wort ‚Flugtaxi‘ immer noch wie Science Fiction klingt.“

Eine weitere Idee sei die Schaffung eines „identifikationsstiftenden Labels“ wie die blau-weiße Marke ‚Allgäu‘ seiner Heimat. Ein Schriftzug, mit dem sich die Allgäuer inzwischen identifizierten. Er als Außenstehender – Lachner wohnt in Marktoberdorf – habe das Gefühl, „dass sich die Bewohner am Ammersee und links vom Lech noch nicht als die eines Landkreises sehen“.

Dass solche Projekte dauern, weiß Lachner. Aber sein Job begeistert ihn. „Ich fühl mich hier sehr wohl“. Und seiner Arbeit in der freien Wirtschaft trauert er nicht nach. Dort war er im Bereich Lebensmittelindustrie tätig – und zwar weltweit. „Mit Mitte 20 war es noch aufregend, ständig unterwegs zu sein. Jetzt freue ich mich, nachts im eigenen Bett schlafen zu können.“ Der Job beim Landratsamt war für den bald 34-Jährigen ein bewusster Schritt hin zur Sesshaftigkeit. Offensichtlich der richtige. Denn „es ist alles noch viel besser, als ich es beim Jobantritt erwartet hatte.“ 

Susanne Greiner

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