Links4Soils

Dem Laubwald gehört die Zukunft

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Im Scheuringer Auwald: Daniel Behrend (rechts) vergleicht in seiner Bachelorarbeit an der Hochschule Weihenstephan die Feinwurzelbildung zwischen Fichten und Ahornbäumen. Förster Ludwig Pertl (links) betreut das EU-Projekt.

Scheuring – „Der Wald ist in einem schlechten Zustand – überall hat‘s Bäume“. Dieses Obelix-Zitat könnte abgewandelt Wirklichkeit werden, zumindest was den Zustand der reinen Nadelwälder betrifft. Die sind durch den Klimawandel extrem bedroht, sagte Förster Ludwig Pertl. Wer mit offenen Augen an Fichtenwäldern entlang fährt, kann es an der Rotfärbung gut erkennen. Die Bäume sind nicht mehr widerstandsfähig und vom Borkenkäfer befallen.

Der inzwischen pensionierte Kauferinger Förster betreut weiterhin das wissenschaftliche Untersuchungsprojekt der Wälder. „Links4Soils“ ist ein von der EU gefördertes mehrjähriges Forschungsprojekt, das sich mit der Lebensgrundlage der Böden beschäftigt. Mit dabei sind die Kommunen Kaufering, Igling, Fuchstal und Obermeitingen.

Vergangene Woche setzte Scheurings Bürgermeister Manfred Menhard seine Unterschrift unter die Absichtserklärung der „Alpenboden-Partnerschaft – Alpine Soil Partnership“. Ziel dieser Partnerschaft ist es, ein dauerhaftes Netzwerk zu schaffen, um die Böden zu schützen und ein nachhaltiges Bodenmanagement zu etablieren. Mit im Boot sind die Universität Innsbruck und die Hochschule Weihenstephan.

Wir müssen umsteuern, sagt Pertl. „Die heimischen Fichten werden die ersten Opfer des Klimawandels sein“. Ihre flachen Wurzeln haben zu wenig Feinwurzeln, um ausreichend Wasser speichern zu können. Anders als beispielsweise Ahornbäume, die mit ihren vielen tiefergehenden Feinwurzeln weniger anfällig gegen den Klimawandel sind.

Nach Aussage des Försters lässt sich der Klimawandel auch im Landkreis Landsberg belegen. Im vergangenen Jahr gab es nicht nur höhere Temperaturen, sondern auch weniger Niederschläge. Die geringen Niederschlagsmengen haben Auswirkungen auf das „Kleinklima“, denn die Bäume, insbesondere die Fichten, gäben dadurch weniger Feuchtigkeit an die Atmosphäre ab. Pertl spricht von der „Transpiration der Bäume und Wälder. Entscheidend sei dabei die Vegetationsperiode, denn seine kühl-feuchte Luft generiert wieder Niederschlag.

Mit diesen Feinwurzeln auf dem Aueboden beschäftigt sich derzeit ein angehender Forstingenieur der Hochschule Weihen­stephan in seiner Bachelorarbeit. Daniel Behrend vermisst und vergleicht die Feinwurzeln von Fichten und Spitz­ahornbäumen im Wald von Scheuring. Dazu hatte ihm Bürgermeister Menhard eigenhändig mit dem Bagger zwei tiefe Löcher im Fichtenwald und im Laubwald gegraben. Selbst für den Laien ist auf den ersten Blick gut zu erkennen, dass das Wurzelwerk des Edellaubholzes viel ausgeprägter ist als bei den Fichten. „Mehr Feinwurzeln bedeutet ein besseres Ökosystem“, sagt Ludwig Pertl.

Als Konsequenz aus den bisherigen Untersuchungsergebnissen ist heute schon absehbar, dass den Laubwäldern die Zukunft gehört. Dieser Umbau ist wirtschaftlich ein Problem. Die forstwirtschaftlichen Erträge aus den Fichtenwäldern sind einfach größer. Das weiß auch Ludwig Pertl.

Im Rahmen des EU-Projektes wurden im vergangenen Jahr die Wälder auf Schotterböden untersucht. In diesem Jahr sind die Aueböden im Blickfeld und im nächsten Jahr sollen Wälder auf Lehmböden unter die Lupe genommen werden.

Die wichtigste Rolle für ein gesundes Öko-System spielt ein voll funktionsfähiger Boden mit einem gesunden Humus. „Dabei spielt der Regenwurm und seine Leistungen eine herausragende Rolle“, betonte Pertl.

Am 28. und 29. Juni findet eine Präsentation der Projektergebnisse im Leonhardisaal in Kaufering unter Beteiligung der Universität Innsbruck und der Hochschule Weihenstephan statt.

Siegfried Spörer

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