"Aber nicht auf dem Hauptplatz!"

+
„Geht doch, da ist genügend Platz für Motorräder“, sagte LLM-Vorsitzender Hans-Jürgen Schulmeister nach der Stellprobe am Samstag auf dem Hauptplatz.

Landsberg – Wo dürfen Zweiradfahrer künftig in der Innenstadt parken? Das Thema hat inzwischen auch drei Stadtratsfraktionen auf den Plan gerufen, die so schnell wie möglich offizielle Stellflächen ausweisen wollen. Die Verwaltung bleibt auch nach eingehender Untersuchung der Lage eher skeptisch.

Durch das neuerdings konsequente Vorgehen mit Strafzetteln gegen auf nicht offiziellen Parkplätzen abgestellte Roller und Motorräder und den seitdem teilweise scharfen Protesten der Kradler hatte die Landsberger Mitte (LLM) am Wochenende sogar eine „Stellprobe“ vor der Sparkasse am Hauptplatz anberaumt. Die – genau genommen, ordnungswidrige – Aktion glückte zwar nur teilweise, weil die betreffende Fläche just am Samstag durch ein großes Fahrzeug und einen Infostand der IG Metall belegt war.

Für LLM-Vorsitzender Hans-Jürgen Schulmeister dennoch eher ein Beleg, dass Raum für die Zweiräder durchaus da wäre, wie er angesichts der schließlich am Rand abgestellten Roller meinte: „Da sieht man ja, dass es geht, es ist doch wirklich genügend Platz da. Ich kann nicht verstehen, dass bei uns nicht möglich sein soll, was in jeder südeuropäischen Stadt selbstverständlich ist und zum lebendigen Stadtbild beiträgt. Und damit könnten die Rollerfahrer auch nach Osten wieder aus der Altstadt fahren, ohne über die Von-Kühlmann-Straße zu müssen.“

Dass der „stark frequentierte Fahrradabstellplatz“ damit aufgegeben werden müsste, wie es in der ausführlichen Untersuchung der Verwaltung heißt, ist für Schulmeister nicht richtig. „Der könnte ohne weiteres ein paar Meter nach unten verlegt werden, das stört doch niemand.“

In der Beschlussvorlage der Verwaltung zur Stadtratssitzung am Mittwoch Abend (18 Uhr) sind zwar auch die offensichtlichen Vorteile (zentrumsnah, schnelle An- und Abfahrt) aufgeführt, man sieht aber auch noch andere Gründe, die gegen die Zweiradplätze am Hauptplatz sprechen. So würde der Grundsatz durchbrochen, „nur noch Be- und Entladezonen zur Verfügung zu stellen“, zudem werde die mögliche Fläche an schönen Tagen nicht ausreichen, „dies wird möglicherweise zu ,wildem Parken‘ außerhalb der markierten Fläche führen.“

Die Stadtrats-Grünen sind auch nach dem „Ortstermin“ am Samstag weiter gegen die Stellplätze am Hauptplatz, haben aber, wie SPD und LLM, andere Vorschläge im Altstadtbereich gemacht.

Nach den drei Anträgen sind inzwischen acht mögliche Punkte in der Diskussion, über die in der Ratssitzung voraussichtlich einzeln abgestimmt werden soll:

• Hauptplatz vor der Sparkasse.

• Georg-Hellmair-Platz: Auflösung von drei Pkw-Parkplätzen. Der Verlust an Parkgebühren würde laut Ordnungsamt 7500 Euro pro Jahr betragen, die Markierung sei „aufwendig“.

• Infanterieplatz: Erweiterung des bestehenden Motorrad-Parkplatzes in Richtung Norden oder Westen. Im Norden sieht die Verwaltung ein Problem im „konischen Zuschnitt“ des Platzes, was „möglicherweise zu einer Beparkung des angrenzen- den Zuganges zur Tiefgarage“ führen könnte. Gegen den Westen spricht nach der Untersuchung lediglich, dass er anschließend nicht mehr anders genutzt werden könnte. Als positiv wird die „Nähe zu Inselbad, Altstadt und Ignaz-Kögler- Gymnasium“ gesehen. Bereits in der jüngsten Stadtratssitzung hatte Ernst Müller, Leiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, diesen Standort favorisiert.

• Lechstraße: Bei einem Parken auf der Fläche vor der Stadtbücherei befürchtet die Verwaltung eine „mögliche optische Beeinträchtigung des Anwesens“.

• Schlossergasse: Auch für den „spitzen Keil“ vor dem „Augsburger Hof“ müssten zwei Pkw-Parkplätze aufgegeben werden, die im Moment 3000 Euro einbringen. Wie an einigen anderen Plätzen wäre hier aber auch für Roller „Gebührenpflicht möglich“.

• Spitalplatz: Hier wird in der Untersuchung auf das „relativ starke Gefälle“, das begrenzte Platzangebot und eine „mögliche Beeinträchtigung des angrenzenden Bekleidungsge- schäftes“ verwiesen. Eine Befürchtung, die Schulmeister nicht teilt: „Ich habe mit der Inhaberin kurz gesprochen, grundsätzliche Bedenken gibt es da nicht.“

• Platz zwischen Färbertor und Vermessungsamt: Dort rät das Ordnungsamt „aus Gründen der Stadtgestaltung“ davon ab, einen Motorradparkplatz auszuweisen, weiß allerdings auch: „Dieser Platz wurde bis vor einigen Monaten, vor allem von den IKG-Schülern, als ,wilder‘ Parkplatz benutzt.“ Inzwischen werden dort konsequent Strafzettel ausgestellt – wo die Schüler mit den Rollern parken sollen, ist damit aber nicht geklärt.

• Flößerplatz: Die dortigen Stellflächen auf der Nord- und Ostseite werden nach der Untersuchung für die umliegenden Geschäfte „dringend als Be- und Entlademöglichkeiten, bzw. für Kunden, für Kurzeinkäufe benötigt.“ Logischer Schluss: Die Verwaltung rät ab.

Der Platz vor der Sing- und Musikschule, den die LLM in ihrem Antrag ebenfalls anführt, wurde nicht unter die Lupe genommen.

Christoph Kruse

Meistgelesen

Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
Söder: "Nazi-Vorwürfe sind eine Sauerei"
"Es war kein Betrug"
"Es war kein Betrug"
Dobrindt soll helfen
Dobrindt soll helfen
"So nicht, Herr Erdogan!"
"So nicht, Herr Erdogan!"

Kommentare