Wohin mit dem Verkehr der Zukunft?

Verkehrsexperte: Professor Hermann Knoflacher Foto: web

Es war ein wenig irreführend, was auf der Tagesordnung der jüngsten Stadtratssitzung unter Punkt drei aufgeführt war. „Vorstellung Verkehrsentwicklungsplan durch Professor Knoflacher“ stand dort, doch wer sich darunter wie manch Stadtrat Auskünfte zur Landsberger Verkehrssituation erhofft hatte, wurde enttäuscht. Knoflacher, der sich mit seinem Institut Verkehrsplanung und -technik der TU Wien für die Erstellung eines Verkehrskonzepts für die Lechstadt beworben hatte, blieb in seinem Vortrag allgemein. Die Stadtoberen überzeugte er dennoch: Sie erteilten ihm den Auftrag.

Dass Knoflacher als Universitätsprofessor das Dozieren vor Publikum gewöhnt ist, blieb während des 40-minütigen Vortrags nicht verborgen. Routiniert ließ der 70-Jährige zu seinen Worten die passenden Bilder über die Leinwand flimmern, lockerte seinen Monolog immer wieder mit Scherzen auf. Die Wirkung blieb nicht aus. Gespannt verfolgten die Stadträte, wie Knoflacher die Erkenntnisse seiner Forschungen der letzten 35 Jahren ausführte. Im Mittelpunkt dabei immer seine Kritik am Auto und dessen Folgen für die Umwelt des Menschen, mit der Knoflacher in ganz Europa bekannt wurde. Manchem Stadtrat traten angesichts derartiger Thesen die Schweißperlen auf die Stirn, was sich in der Fragerunde widerspiegelte. So musste Knoflacher etwa Befürchtungen entgegentreten, er könne vorhaben, sämtliche Parkplätze aus der Innenstadt zu verbannen. Während Knoflacher bei allen konkreten Nachfragen zum zukünftigen Verkehrskonzept auf die erst durchzuführenden Untersuchungen verwies, wurde der 70-Jährige beim geplanten Ablauf und Zeitplan konkreter. So müsse der Stadtrat als erstes die Ziele des Verkehrsentwicklungsplans festlegen, erklärte der Professor. Als Grundlage der anschließenden Untersuchung würden dann jene Daten dienen, die bereits vor einigen Wochen im Rahmen der Mobilitätsbefragung erfasst wurden, ergänzt durch einige weitere Befragungen wie etwa des Einzelhandels, so Knoflacher weiter. Bereits im Frühjahr will der 70-Jährige und sein Team so schon erste Modellrechnungen und Ergebnisse präsentieren können. Jeder Analyseschritt soll zudem den Bürgern vorgestellt werden. „Für sie machen wir es ja“, erklärte der Professor. Das Verkehrskonzept ist ein Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts, das der Stadtrat bereits beschlossen hat. Beides gehöre eng zusammen, stellte Stadtbaumeisterin Annegret Michler klar, als sie den Stadtoberen die Kosten von rund 128055 Euro für den Verkehrsentwicklungsplan präsentierte. Die Summe könnte sich jedoch durch staatliche Förderung noch um 30 bis 40 Prozent reduzieren, so Michler. Einstimmig beschloss das Gremium die Auftragsvergabe an Knoflacher, wenn auch nicht ohne vorausgegangene Zwischenrufe. So schlug Ludwig Hartmann (Grüne) vor, andere Verkehrsprojekte wie den Umbau der Schwaighofkreuzung zu verschieben, bis das Konzept vorliege. „Sonst können wir uns das Geld sparen, weil wir danach unsere Entscheidungen eh nicht mehr anpassen können.“

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