Die Wellness-Oase für Kühe

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Milchkuh Nadja beginnt ihren Arbeitstag in Peter Kaindls Stall in Schöffelding meist mit einer ausgiebigen Massage.

Schöffelding – Peter Kaindl möchte, dass es seinen Mitarbeitern gut geht. Sie sollen sich in seinem Betrieb rundum wohlfühlen. Dafür hat er investiert. Jeden Morgen, wenn Kaindl zur Arbeit kommt, blickt er nun in 80 zufriedene Augenpaare. Diese Augen gehören Milchkühen. Peter Kaindl ist Landwirt – und er hat seinen Stall in eine wahre Wellness-Oase für Kühe verwandelt.

In Nadjas beneidenswerter Welt beginnen die Arbeitstage gemütlich. Mit einem kleinen Spaziergang zum Beispiel. Oder mit einer ausgiebigen Massage. Manchmal sogar mit einem Nickerchen. Nadja hat bei der Berufswahl alles richtig gemacht. Sie ist Milchkuh im Betrieb von Peter Kaindl in Schöffelding. Es ist ein Betrieb, in dem die Mitarbeiter-Zufriedenheit Priorität hat. Peter Kaindl ist einer von bisher 140 bayerischen Landwirten, die sich beim Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung – kurz LKV – Ratschläge geholt haben, wie sie die Atmosphäre für die Kühe im Stall verbessern können. Das ist ein gutes Jahr her – seitdem leben Kaindls 80 Kühe in einer regelrechten Wellness-Oase. 

Der etwas andere Kuhstall

Sie können sich im gesamten Stall frei bewegen und selbst entscheiden, wann sie fressen, trinken oder schlafen wollen. Und sogar, wann sie gemolken werden möchten. Dazu müssen sie nur über die neuerdings auch noch rutschsichereren Gänge zu dem Melkroboter schlendern, der sie über den kleinen Chip am Halsband sofort erkennt, im Computer erfasst und vollautomatisch melkt. 

Kaindls Betrieb ist einer von den Ställen, in denen LKV-Berater Herbert Heiligmann nur noch an kleinen Stellschrauben drehen musste, um es für die Kühe noch angenehmer zu machen. Der Kuhkomfort war in Schöffelding bereits ziemlich groß. Heiligmann ist mit Peter Kaindl die 13-seitige LKV-Kuh-Wellness-Checkliste durchgegangen – danach hat er ihm eine Vorschlagsliste überreicht. Knapp 100 Euro hat das gekostet. Danach hat Kaindl nochmal mehrere tausend Euro investiert, um für seine tierischen Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern. 

Seitdem haben es Nadja und ihre Kolleginnen beispielsweise viel gemütlicher, wenn sie sich in einer der Liegeboxen ausruhen wollen – mit freiem Blick auf die oberbayerische Hügellandschaft, denn statt einer Wand haben sie nur ein dünnes Gitter vor dem Kopf, und damit jede Menge Frischluft. Sie haben einen extra Auslauf bekommen, ihr Futter kriegen sie neuerdings nicht mehr auf den Betonboden gelegt, sondern in eine neu eingebaute Barrenschale. „Die ist besser zu säubern und glatter – das mögen Kühe“, sagt Heiligmann. Was Kühe nicht mögen: den dünnen Film, der an den Rändern der Tränke entsteht, wenn sich viele Mäuler dort erfrischt haben. „Sowas hätte ich mit bloßem Auge nie gesehen“, sagt Peter Kaindl. Heiligmann hat ihn darauf aufmerksam gemacht – seitdem wird die Tränke häufiger gereinigt. Genau wie der Boden im Stall, dadurch sind die Kühe sauberer. Und saubere Kühe wirken zumindest glücklicher. 

Peter Kaindl schmunzelt. Ein „Ui, ist das schön!“ hat er von seinen Mitarbeitern natürlich nicht gehört, sagt er. Und er weiß zwar, dass die Milch von Kühen, die sich wohl fühlen, eine bessere Qualität hat. Schmecken tut man das natürlich nicht – aber so ein paar Kleinigkeiten sind ihm doch aufgefallen. Die Kühe geben deutlich mehr Milch als früher, ihr Fell glänzt, sie sind neugierig – und oft auch sichtbar entspannt. 

Uganda ist seine Vorzeige-Mitarbeiterin, wenn es um Zufriedenheit am Arbeitsplatz geht. Mit 14 Jahren ist sie Kaindls dienstälteste Kuh. „Sie hat natürlich ein paar Sonderrechte“, sagt er lächelnd. Leckerli außer der Reihe zum Beispiel, ihre ganz private Liegebox, in die keine Kollegin einen Huf setzen würde. Wenn Uganda sich von einer der rotierenden Bürsten im Stall massieren lassen möchte, dann wird Platz gemacht. „Ihr soll es hier einfach gut gehen“, sagt Kaindl. Dass das so ist, sieht er in ihren großen braunen Kuhaugen. „Wenn man jeden Tag sechs bis sieben Stunden miteinander verbringt, bekommt man ein Gespür dafür, was den Kühen gut tut“, sagt Kaindl. Aus dem Hintergrund kommt ein lautes Muh – für Peter Kaindl das schönste Dankeschön.

Katrin Woitsch

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