Prix-Gelände

Start mit dem "Aal"

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Wo vor kurzem noch die Hallen standen, herrscht jetzt auf dem Prix-Gelände gähnende Leere. Vor dem ersten Spatenstich muss erst der teilweise kontaminierte Boden abgetragen werden.

Schondorf – Nur wenn es optimal und ohne weitere Verzögerungen läuft, gibt es ab Herbst 2019 für Normalverdiener erschwingliche Neubau-Mietwohnungen in Schondorf. Bürgermeister ­Alexander Herrmann hofft, dass dann die ersten Wohnungen im sog. „Aal“ auf dem ehemaligen Prix-Gelände zwischen Schulstraße, Ringstraße und der Bahnlinie bezugsfertig sind. Sein Wunschzeitplan: Oktober 2017 Notartermin mit dem noch zu findenden Investor, März/April 2018 Baubeginn des ersten Abschnitts, Herbst 2019 Einzug der ersten Mieter. Nun könnte es aber doch wieder Verzögerungen beim Dauerthema Prix geben. Dann nämlich, wenn ein Antrag von CSU-Gemeinderat Rainer Jünger zum Tragen käme.

Er hatte vorgeschlagen, dass sich die Gemeinde dem Kommunalen Wohnbauförderungsprogramm des Freistaates anschließt und den „Aal“ oder zumindest Teile davon in Eigenregie baut. Als Aal wird intern der lang gestreckte Wohnblock mit Tiefgarage entlang der Bahnlinie bezeichnet. Bis zu 53 Wohnungen könnten bei 4.350 Quadratmetern Geschossfläche entstehen und an Familien der mittleren und unteren Einkommensgruppen vermietet werden.

Bislang sahen die Planungen der Gemeinde vor, dass die Bebauung des gesamten Prix-Geländes ein Investor komplett übernimmt. Allerdings mit der Vorgabe, 30 Prozent der Wohnungen und Reihenhäuser an Normalverdiener zu verkaufen bzw. zu vermieten. Die Gemeinde wolle dem Investor für diesen Teil mit einem günstigeren Grundstückspreis entgegen kommen.

Das Kommunale Wohnbauförderungsprogramm des Freistaates wiederum klingt verlockend, so die einhellige Meinung des Gemeinderates bei seiner letzten Sitzung. 30 Prozent der Baukosten und des Grundstücksverkehrswertes übernimmt der Staat und für 60 Prozent wird ein günstiges Darlehen für nur 0,99 Prozent Zins auf 30 Jahre gewährt. Zehn Prozent der Baukosten müsste die Gemeinde Schondorf als Bauherr selbst stemmen.

Bei genauer Berechnung kam man allerdings zu dem Schluss, dass der gesamte Aal mit diesem Modell nicht zu stemmen sei. Circa 14 Millionen Euro würde der Aal kosten. Trotz der Zuschüsse und dem Erlös aus dem Prix-Grundstücksverkauf an den Investor in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro blieben der Gemeinde noch zehn Millionen Euro Schulden, wenn man den derzeitigen Schuldenstand von sieben Millionen dazu rechnet. Das schreckte auch Gemeinderätin Helga Gall ab. Sie betonte, es sei wichtiger, die derzeit 56 gemeindeeigenen Wohnungen zu sanieren.

Das Gremium war sich aber einig, das Kommunale Wohnbauförderungsprogramm auf jeden Fall sehr zeitnah genau unter die Lupe zu nehmen in Bezug auf einen Teilbereich des Aals, einen kleineren Wohnblock mit zwölf Einheiten auf dem Prix-Gelände oder auf ein anderes gemeindeeigenes Grundstück. Rainer Jünger sprach sein Bedauern aus, dass man sich erst jetzt in der sehr fortgeschrittenen Planung der Prix-Bebauung mit dem Programm beschäftige.

Bis hier eine Entscheidung fällt, muss das Prix-Gelände erstmal von Altlasten befreit werden. Nach dem Abriss der Fabrikhallen hatte sich herausgestellt, dass der Boden teilweise kontaminiert ist. Man fand bei der Beprobung unter anderem mit Mineralöl verunreinigte Heraklithplatten. Ein Investor wolle natürlich ein altlastenfreies Grundstück kaufen. Die Kosten für Beseitigung und Abtransport des kontaminierten Bodens werden rund 300.000 Euro betragen, wovon aber die Sparkasse als ursprünglicher Verkäufer des Grundstücks sowie der Landkreis für seinen Grundstückspart der neuen Dreifachturnhalle einen Teil übernehmen müssen.

Die Gemeinde Schondorf unter dem damaligen Bürgermeister Peter Wittmaack hatte in den Jahren 2011 und 2013 das gesamte Gelände der insolventen Firmen mit insgesamt 20.000 Quadratmetern Fläche von der Ex-Deutsche-Bahn-Tochter Aurelis und der Sparkasse gekauft. Auf dem zentral gelegenen Filetstück mit Kindergarten, Schulen oder Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe sollte sozialverträglicher Wohnungsbau realisiert werden. Nach den vielen diversen Planungen der letzten Jahre sieht es nun nach einer baldigen Realisierung aus. Die zahlreichen Miet- und Kaufinteressenten warten sehnsüchtig auf den ersten Spatenstich. 

Dieter Roettig

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