Unterkünfte für Asylbewerber:

Bald Wohnmodule im Klostergarten?

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Wohnmodule nach Vorbild der Fürstenfeldbrucker „Hasenheide“ (Foto) könnten am Kloster der Dominikanerinnen entstehen – die „baurechtliche Duldung“ der Stadt vorausgesetzt.

Landsberg – Jetzt liegt es nur noch an der Stadt, doch die Antwort aus dem Hause Katharinenstraße 1 lässt auf sich warten. Der Landkreis ist bei seiner Suche nach einem Standort für die vorübergehende Unterbringung von Asylbewerbern fündig geworden – an der Münche­ner Straße, am Kloster der Dominikanerinnen.

Der Standort scheint geeignet für Wohnmodule zu sein, die komplette Infrastruktur ist vorhanden. Zunächst aber bedarf es noch der „baurechtlichen Duldung“ durch die Stadt.

Auf Anfrage des KREISBOTEN bestätigt Pressesprecher Wolfgang Müller, dass der Landkreis ein „geeignetes Grundstück im Osten der Stadt“ bereits ins Auge gefasst und der Eigentümer sein Einverständnis für das Vorhaben signalisiert habe. Um welches Grundstück es sich exakt handelt, will Müller im Moment nicht preisgeben, „alles zu seiner Zeit“. 

Nach Fürstenfeldbrucker Vorbild in der Wohnanlage „Hasenheide“ sei die Unterbringung von 40 bis 60 Personen im Zeitraum von 18 Monaten möglich – in zweistöckig angeordneten Modulen mit je 15 oder 30 Quadrat­meter. Zeitlich würde das gut passen, gibt Müller zu verstehen, denn mit der Fertigstellung der geplanten Gemein­schaftsunterkunft sei frühestens Ende 2015 zu rechnen.

Derweil macht die Regierung von Oberbayern den Landkreis darauf aufmerksam, dass er angesichts des weiter zunehmenden Flüchtlingsstromes bis Jah­resende wohl mehr als 230 Personen unterbringen muss. „Es pressiert“, sagt Müller mit Blick auf Walter Eichners Schreiben vom 23. August an die Stadt Landsberg. Darin bittet der Landrat „kurzfristig um Mitteilung“, ob die Containerlösung baurechtlich geduldet werde. Dafür dürfte ein Ratsbeschluss nötig sein, der am 11. September fallen könnte.

Toni Schwaiger

Kein vernünftiges Maß?

Die Regierung von Oberbayern und die Bürgerinitiative „Asylunterkunft Landkreis Landsberg“ liegen in ihren Auffassungen zur geplanten Gemeinschaftsunterkunft (GU) an der Iglinger Straße weit auseinander. Dies wurde durch eine E-Mail deutlich, die Stefanie Weber, Bereichsleiterin Öffentliche Sicherheit, Kommunales und Soziales, jetzt an die Bürgerinitiative gerichtet hat. 

In ihrer Antwort an die BI bestätigt Weber, dass die Regierung derzeit ein „standortbezo­genes Raumprogramm“ erstelle. Als „ungefähre Kapazitätsobergrenze“ gelte dabei die Belegung der Unterkunft mit 150 Personen. Die Bürgerinitiative hält hingegen je 50 Asylbewerber an mehreren Stand­orten für ein vernünftiges Maß. Große Gemeinschaftsanlagen würden schnell zu „Massen-Lagern“ mit schlechten hygienischen Verhältnissen und fehlen­den Rückzugsmöglichkeiten für Familien und Kinder. „Querelen und das Fehlen sinnvoller Beschäftigung führen nicht selten zu Begleiterscheinungen wie Schlägereien, Drogenmissbrauch und Gewalt. Die damit verbundenen Polizei oder Feuerwehrmaßnahmen belasten Asylsuchende genauso wie uns Bürger und sind für uns Steuerzahler teuer“, sagt Hubert Ruhdorfer, einer der Koordinatoren der Bürgerinitiative.

Die Bürgerinitiative wies auch darauf hin, dass die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement bei großen Unterkünften nicht sehr ausgeprägt sein dürfte. „Die Asylbewerber in Erpf­ting werden nicht zuletzt deswegen so engagiert betreut, weil diejenigen, die helfen wollen, nicht in ein großes Lager gehen müssen.“ Deshalb blieben die Mitglieder der Bürgerinitiative bei ihrer Anfang August beim Informationstreffen vertretenen Position: „Wir heißen Asyl-Suchende willkommen. Aber: Wir setzen uns für Unterkünfte für rund 50 Personen ein und wehren uns gegen Großanlagen“, erklärt Wolfgang Neumeier für die BI.

Sorge mache den Mitgliedern auch ein zweiter Hinweis der Regierung: Wegen des anhaltend hohen Zugangs von Asylbewerbern könne es notwendig werden, die Wartezeit bis zur Fertigstellung der Gemeinschaftsunterkunft durch die Errichtung „moderner Wohn­- module“ zu überbrücken. Es werde geprüft, ob dies auf den für die GU vorgesehenen staatseigenen Flächen möglich sei. Derweil hat der Landkreis eine Fläche am Kloster der Dominikarinnen an der Münchener Straße im Visier, wo Wohnmodule für 40 bis 60 Personen möglich sind.

Das passt zu den BI-Forderungen: eine „vorläufige Lösung“ dürfe nicht größer ausfallen als die endgültige. Der Stadtrat sollte daher zunächst die Größe GU definieren. Dass es auf den Rats ankommt, sei für die Bürgerinitiative eindeutig: Auch die provisorische Errichtung einer Unterkunft für Asylbewerber sei eine Stadtratsangelegenheit und kein Geschäft der laufenden Verwaltung. „Mit einem klugen Votum für kleine Einheiten könnten die Stadträte ein Zeichen setzen. Wenn schon keine Unterbringung in Wohnungen möglich ist, dann eine Gemeinschaftsunterkunft, die die Bezeichnung ,human‘ verdient“, so Hubert Ruhdorfer.

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