"Wollen sie es nicht?"

Auf die „Energiewende konkret“ gingen Sonja Lischka und Landtagsabgeordneter Ludwig Hartmann kürzlich bei Vortragsveranstaltung der Grünen ein. Foto: kb

Ein anschaulicher, spannender und, soweit dies bei der Ernsthaftigkeit des Themas überhaupt möglich ist, sogar unterhaltsamer Vortrag fand im Café Mondial des Bürgerbahnhofes statt. Anlässlich des Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl hatten die Landsberger Grünen zur zweiteiligen Veranstaltung „Energiewende kon­kret – Lehren aus Tschernobyl und Fukushima“ geladen.

Zunächst referierte Dozentin Sonja Lischka über die historische Dimension und die Auswirkungen der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Die „Vertuschung der real messbaren Strahlenbedrohung zum Zeitpunkt des Supergaus von Tschernobyl“ war da­bei ebenso Thema wie die erstaunliche Disziplin im Stromsparen, mit der die japanische Bevölkerung auf die verheerende Kernschmelze in Fuku­shima reagierte. So konnte vor kurzem das vorletzte Atomkraftwerk in Japan heruntergefahren werden. Die nach wie vor ungeklärte Entsorgungsproblematik in unabsehbare Zukunft hinein eröffne Fragen nach einer Neu­ausrichtung unserer Energieversorgung, hin zu erneuerbaren Energien. Als wichtigstes Argument dafür stellte Lischka heraus, dass die Erzeugung nicht in Abhängigkeit von mächtigen Konzernen, sondern durch dezentrale Bürgerkraftwerke flächendeckend geregelt werden kann. Die dazu nötigen, erweiterten Netze, müssten zur Verfügung stehen. So könnte künf­tig auch unregelmäßig erzeugter Strom gut und effektiv verteilt werden. Außerdem könnte auf diese Weise vermieden werden, dass Windkraftanlagen abgeschaltet werden müssen, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht. Lischka betonte, dass die Energieversorgung durch erneuerbaren Energien, mittels intelligenter Stromnutzungstechnologien im eigenen Haushalt heute schon rentabel und ohne Verzicht auf moderne Standards möglich sei. Im zweiten Teil des Abends erläuterte Grünen-Landtagsabgeordneter Ludwig Hartmann die Energiewende, wie sie zurzeit auf landespolitischer Ebene behandelt und teilweise auch behindert werde. „Wollen sie es nicht oder können sie es nicht?“ Diese Frage stellten sich viele, nachdem ein Jahr vergangen ist, seitdem die Bayerische Staatsregierung die „Energiewende“ beschlossen habe. Diese habe zwar schon vor über 20 Jahren begonnen, doch jetzt habe Schwarz-Gelb wenigstens offiziell den Widerstand dagegen aufgegeben, so Hartmann. Zeit für eine Zwischenbilanz mit zwei positiven Fakten: Zum einen, sei die Abschaltung von acht Atomkraftwerken für die Stromversorgung in Deutschland problemlos vollzogen worden. Hartmann: „In den käl­- testen Tagen dieses Jahres war es sogar möglich, dem atomverliebten Nachbarn Frankreich mit Stromlieferungen aushelfen.“ Zum andern: Durch das politische Einschwenken von Union und FDP sei in der Bevölkerung, in den Kommunen und bei den Stadtwerken eine neue Dynamik ent­standen. Genau diese innovative Dynamik versuche die Regierung jedoch weitgehend auszubremsen. Eine Energiewende, so das gemeinsame Fazit von Lischka und Hartmann, bedeute aber vor allem und wesentlich den Wandel von energiepolitischen Machtstrukturen in Richtung auf Bürgerinteressen; Stromerzeugung, von der vor allem die Verbraucher profitieren, indem es sich für sie – auch finanziell – lohnt, umweltgerecht zu handeln und wirtschaften.

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