Wenn Väter und Söhne platteln?

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Platteln für Groß und Klein: Zum zweiten Mal bietet der Heimat- und Trachtenverein d’ Ammertaler Dießen-St. Georgen einen Schuplattler-Kurs für Väter und ihre Söhne an.

Dießen – Stampfer rechts. Linke Hand schlägt auf linken Oberschenkel, rechte Hand auf rechten Oberschenkel… Was das ist? Es ist einer der Grundschläge fürs Schuhplatteln. Große und kleine Mannsbilder lernen Schuhplatteln beim Heimat- und Trachtenverein d’ Ammertaler Dießen-St. Georgen.

Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr bietet der Verein erneut einen Kurs für Väter und Söhne an, die den berühmten Balztanz lernen wollen. Mitmachen können starke Buam von fünf bis 50 (nach oben keine Grenze). „Mei, is des schee“, schwärmt Andreas Thon. „Es wär des Größte für mi, wenn des mei Bua, dr Maxi, a amoi kenna tat.“ Der Dießener Musiker und Bandleader singt Lieder – bairisch, hintersinnig, echt. Er tanzt mit Begeisterung Landler, Polka und Boarischen – „aber Platteln, des kann i net.“ Das wird sich jetzt ganz schnell ändern: Dießens Trachtler, die seit 30 Jahren Volkstanzkurse anbieten, haben „Schuhplatteln für Vater und Sohn“ ins Programm aufgenommen. Der Startschuss fiel am vergangenen Freitag. Weitere Termine 1., 8. und 15. März, immer von 18 bis 20 Uhr im Vereinsheim der Dießener Trachtler am Vogelherd. Es ist ein Anfängerkurs, Vorkenntnisse sind nicht nötig, „man braucht nur zwei gesunde Füße und Hände“, sagt Vorplattler Magnus Kaindl. Vorplattler und Tanzmeister Kaindl leitet den Plattler-Kurs. Platteln, sagt er, sei gut für die Beweglichkeit und die Geschicklichkeit. Es trainiere Reaktion, Koordination und Rhythmusgefühl. Außerdem halte es den Geist auf Trab. Wer plattelt, habe seinen Körper gut im Griff. „Allerdings“, räumt er ein, „ist das Platteln schon eine Herausforderung.“ Deshalb ist der Kurs in Modulen aufgebaut. Darunter versteht man verschiedene Schlag- und Stampfkombinationen, die, aneinander gereiht, den Schuhplattler ergeben. Wie sie eingesetzt werden, ergibt sich aus der Musik. Der Name „Schuhplattler" stammt laut Wikipedia etwa aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch schon zuvor wurden Schuhplattler und ähnliche Tanzformen, die sich aus der Tanzpraxis des Ländlers ergaben, praktiziert. Die älteste Erwähnung stammt von einem Mönch, der um 1050 in der Ritterdichtung Ruodlieb einen Tanz beschrieb, der dem späteren Schuhplattler in Gebärden und Bewegungen zumindest ähnelt. Die Tanzbewegungen waren ursprünglich Werbetanzfiguren: Ein Tänzer wollte seine Tänzerin mit akrobatischen Figuren beeindrucken und sie damit für sich gewinnen. Vorher und nachher drehte er sie unter den Händen oder tanzte mit ihr Walzer. Nach einer umstrittenen Theorie ging der Plattler aus der Beobachtung des Auerhahns hervor. Seine Art der „Brautwerbung“ wurde dann angeblich in einem Werbetanz – dem sogenannten Balztanz – übernommen. Beim Schuhplattler-Kurs in Dießen dürfen sich alle interessierten Herren anmelden – egal ob Vater mit Sohn oder solo. Eine Lederhose empfiehlt sich und bequeme (Haferl-)Schuhe. Kaindl steht für Fragen unter Tel. 0174/3896880 zur Verfügung. Weitere Informationen unter www.trachtenverein-diessen.de.

Beate Bentele

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