Hilfe so früh wie möglich

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Die Sucht überwinden: Die Schauspielerin Linda (links) erzählte den Schülerinnen der Mädchenrealschule von ihrer Erkrankung. Durch den Workshop „Essstörungen“ führte Karen Silvester vom Therapienetz Essstörungen (www.therapienetz-essstoerungen.de).

Dießen – Eigentlich gehört das Essen zu den schönsten Dingen im Leben – aber wenn sich alles nur noch darum dreht, kann es auch zum Problem werden. Die 9. Jahrgangsstufe der Mädchenrealschule in Dießen hat sich vor den Ferien intensiv mit dem Thema Essstörungen befasst. Lehrer und Eltern wurden ins Boot geholt, finan- ziert wurden die Veranstaltungen aus der Spendenkasse des Elternbeirats.

„Marylin Monroe wäre auf den Laufstegen unserer Zeit nicht mehr gefragt, sie wäre nach heutigen Maßstäben einfach zu dick“, bedauerte Carolin Martinovic, Referentin des Therapienetzes Essstörungen, beim Elternabend. Magersucht ist nur eine von vielen Essstörungen, aber wohl diejenige die junge Mädchen und Frauen angesichts spindeldürrer Models und Schauspielerinnen am meisten bedroht. 

Schließlich stürmen täglich rund 5000 Bilder mit superschlanken, vermeintlich glücklichen Menschen über Plakatwände, Zeitschriften, Fernseher und digitale Medien auf uns ein. Auslöser für Essstörungen sind häufig auch Probleme im privaten Umfeld. Befinden sich zum Beispiel die Eltern im Scheidungskrieg, kann eine Essstörung ein unbewusster Hilferuf sein, der dem Kind wieder die ersehnte Aufmerksamkeit einbringt. 

Außerdem erleben die Betroffenen ihre Magersucht zu Beginn häufig als Erfolgserlebnis, weil sie ihr Gewicht und damit vermeintlich ihren Körper kontrollieren können und weil sie durch ihr Schlanksein Anerkennung finden. Magersucht, so die Referentin, beginne nicht erst wenn jemand nur noch Haut und Knochen ist. Schon im frühen Stadium falle auf, dass für die Betroffenen die Liste der nicht erlaubten Nahrungsmittel immer länger werde. „Erst sind es die Süßigkeiten, die verboten sind, dann Kohlehydrate und schließlich werden die Erbsen auf dem Teller von einer Seite auf die andere geschoben“. 

Für Betroffene und Angehörige sei es wichtig, zum frühestmöglichen Zeitpunkt professionelle Hilfe zu erhalten, denn mit den Folgen einer Essstörung ist nicht zu spaßen. Schließlich führt eine Magersucht schnell zu Wachstumsstörungen, Herz-Kreislauf- und Hormon-Störungen, zu Organschäden bis hin zu Herzversagen und auch zu schweren seelischen Erkrankungen. Diese Erfahrungen musste auch Linda machen. Sie arbeitet als Modell und Schauspielerin und betreibt eine Künstleragentur. 

Im Workshop stand sie den Mädchen der 9. Jahrgangsstufe Rede und Antwort: Sie sei nicht mehr bereit, für einen Job zu- oder abzunehmen, schließlich habe sie sich mit ihrer Essstörung ihre Gesundheit ruiniert. Viel wichtiger sei für sie, dass sie nach einem schweren Weg endlich gelernt habe sich so zu mögen wie sie ist. Viele weitere Informationen bietet der kostenlose Leitfaden „Essstörungen“, erhältlich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Ursula Nagl

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