Wortakrobat im Sportzentrum

Die Sparkasse Landsberg-Dießen hatte anlässlich ihres 175. Geburtstags den Wort- und Sprachverwirbler Oliver Tissot ins Sportzentrum Landsberg eingeladen. Seine Ausführungen über Landsbergs Geschichte, in Verbindung mit ungeahnt komischen Verknüpfungen zur Gegenwart im Allgemeinen und dem Bankwesen im Besonderen, erforderten von seinen Zuhörern höchste Konzentration. Doch wer sich auf das Gehirnjogging einließ, wurde am Ende mit trainierter Lachmuskulatur belohnt. Außerdem durfte sich die „Kartei der Not“ freuen. Denn die Sparkasse spendete die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, insgesamt 3000 Euro.

Das besondere an Oliver Tissots Vorstellungen ist, dass er den Ort seines Auftritts und seinen „Auftraggeber“ tagesaktuell in sein Programm aufnimmt. Ein Schwerpunkt Tissots liegt dabei auf einem „unverkrampften“ Umgang mit Sprache. Wörter bekommen eine Doppeldeutung, die jede Logik entbehrt, aber deswegen umso humoristischer ist. So erfuhr das Publikum, dass es um 1135 eine Siedlung namens Phetine auf dem späteren Stadtgebiet Landsbergs gab. Akustisch erinnert das Wort an „verdienen“. Landsberg habe schon damals das Geld im Visier gehabt. Weiter spannte Tissot den Bogen zu Johnny Cash, den weltberühmten Country-Sänger, der Anfang der 50er Jahre in Landsberg seine erste Band, die „Landsberg Barbarians“ gegründet hatte. Hier punktete Tissot gleich doppelt. Schließlich bedeutet das englische „cash“ im Deutschen „Bargeld“, was wiederum zweifach im Bandnamen erscheine, „bar-bar…“. Das Publikum, begeistert ob der bis dahin unbekannten Zusammenhänge, bekam dann gleich noch zu hören, welche Rolle es selbst in diesem Zusammenhang spiele: „Und die Barbaren, das sind Sie!“ All dies führte Tissot mit unglaublicher Geschwindigkeit zusammen. Dabei unterlegte er seine Stimme immer wieder mit einem Ton der Unheimlichkeit, Verwunderung oder diebischen Freude über seine Einfälle. Klischees seziert Doch eine Vorstellung, die einzig auf solchen Wortspielereien beruhen würde, wäre auf Dauer anstrengend. Deshalb folgten die Zuhörer Tissot gerne, als er das weite Feld der Klischees durchpflügte und neue komisch-absurde Seiten aufdeckte. So sezierte er das Spannungsverhältnis zwischen Männern und Frauen. Er startete seinen Exkurs über ihre Unterschiedlichkeit mit der Frage, wer dafür verantwortlich gewesen sei, dass man zu seiner Vorstellung gekommen war. Tissot behauptete, dass es nur die intelligenten und Kultur beflissenen Frauen gewesen seien könnten. Auf die Frage, wer von den anwesenden Männern die Idee gehabt hatte zu kommen, hoben sich tatsächlich nur wenige Hände. Schon jetzt lachte das Publikum. Doch Tissot setzte noch eins obendrauf und rief: „Sehen Sie, außer ein paar Schwuchteln, meldet sich da keiner.“ Über Umwege, die sich angesichts seines assoziativ fortschreitenden Gedankenfeuers nicht mehr rekonstruieren lassen, landete Tissot bei Michael Schumacher und den Männern, die begeistert vor der Glotze hocken, wenn Schumi im Kreis fährt. „Frauen würden nie im Kreis fahren! Höchstens auf der Suche nach einem Parkplatz vor ihrem Schuhgeschäft.“ Alte Klischees, neu verpackt: da jubelte das Publikum. Spontan und interaktiv Tissot ist nicht nur ein Comedian, der seine „Gags“ am Schreibtisch gekonnt erarbeitet, sondern auch spontan findet und weiterspinnt. So griff er, quasi mitten im Satz, das Glockenläuten auf, das von draußen zu hören war. Auch Hans Reiter, Vorstand der Sparkasse Landsberg-Dießen, der wegen einer Veranstaltung im Landratsamt erst nach der Pause zur Vorstellung gekommen war, wurde wegen seiner „sitzungsbedingten“ Verspätung zum Gesprächsstoff. Als Tissot sein Programm „interaktiv“ gestaltete, ins Publikum kletterte, über Stühle und Köpfe hinweg, die Menschen nach ihren Berufen fragte, entfaltete er sein ganzes Können. Hier kamen sein Wortwitz, die Klischees und seine Spontaneität zusammen. Gehirn und Lachmuskulatur des Publikums arbeiteten auf Hochtouren. Es dankte mit einem dreifachen Schlussapplaus.

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