Die "Seele der Gemeinde" wird 150

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Mit einem Festumzug vom Maibaumplatz zum Sportheim begannen die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum des VfL Denklingen.

Denklingen – Diese Tage werden den Denklingern noch lange im Gedächtnis bleiben. Vier Tage lang feierte die Gemeinde die Gründung ihres Sportvereins vor 150 Jahren. Im Festzelt am Sportheim gab es den offiziellen Empfang, Partys, Festgottesdienst und Frühschoppen.

Für den neuen Bürgermeister Michael Kießling war es die erste Großveranstaltung in seiner noch nicht einmal einhundert Tage währenden Amtszeit und auch der neugewählte Landrat Thomas Eichinger zeigte sich beeindruckt vom VFL Denklingen, der zu den ältesten Sportvereinen im Landkreis zählt. Dem 1. Vorsitzenden Wolfgang Martin war die Freude und der Stolz über seinen VfL anzumerken. Er leitet seit 2013 die Geschicke des Vereins mit seinen mehr als 900 Mitgliedern. 

VfL Denklingen feiert 150-jähriges Jubiläum

Der Lehrer Berthold Bing hätte sich sicher vor 150 Jahren nicht vorstellen können, dass der von ihm gegründete „Verein für Leibesübungen“ einmal einen derartigen Aufschwung nehmen und zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Denklingen werden würde. In damaligen Zeiten waren Turnvereine eher verpönt. Otto Marschner vom Bayerischen Landessportverband brachte es in seinem Grußwort auf den Punkt: „Es war damals mehr als mutig und weitsichtig einen Sportverein zu gründen“. Marschner betonte, dass im VfL fast jeder zweite Denklinger Mitglied sei. Das sei weit über dem landesweiten Durchschnitt und bedeute, dass das Sportangebot stimme, sagte der Funktionär. 

Rainer Waschke, Sportkreisvorsitzender beim Bayrischen Fußballverband, überbrachte die Grüße seines Verbandes und überreichte Wolfgang Martin einen Fußball als Geschenk. „Ich bin froh, dass es Vereine gibt, die die Menschen zusammenbringen“, lobte Landrat Thomas Eichinger in seinem Grußwort. Für ihn ist VfL die Seele der Gemeinde. 

Ähnlich stolz äußerte sich Bürgermeister Michael Kießling. Er verwies auf die erfolgreiche Jugendarbeit des Vereins. Immerhin seien 150 Kinder und Jugendliche in den neun Sparten des Vereins aktiv. Der Rathauschef bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern für ihr Engagement. Begonnen hatten die Feierlichkeiten mit einem Festumzug vom Maibaumplatz zum Sportplatz. 

Bei traumhaftem Wetter präsentierten sich alle Sparten des Vereins ihren Bürgern. Die Zahl der Zuschauer blieb aber eher begrenzt, da die meisten Denklinger im Zug mit marschierten. Bürgermeister Michael Kießling fuhr mit Landrat Thomas Eichinger in einer Kutsche zum Festplatz. 

Schlag auf Schlag 

Die Chronik, die es in gedruckter Form gibt, berichtet, dass der Vereinsgründer Berthold Bing den VfL von 1864 bis 1869 führte. Dann war erst einmal wieder Schluss. Weiter berichtet die Chronik, dass es zwischen 1889 und 1920 keine Vereinsführung gab. Erst in den zwanziger Jahren lebte das Vereinsleben wieder auf. Das erste Sportheim entstand im Jahr 1936 bei der jetzigen Turnhalle. Zu dieser Zeit gab es die Sparten Turnen und Fußball, Tischtennis, Ski, Schach und sogar Theater. 

Während des 2. Weltkrieges ruhte der Sportbetrieb und auch in der Nachkriegszeit hatten die Menschen andere Sorgen. Anfang der 50er Jahre wurde das Sportheim erweitert. Den großen Aufschwung erlebte der VfL aber erst ab den 60er Jahren. Schlag auf Schlag wurden Sparten gegründet. Den Anfang machten die Basketballer im Jahr 1963, ein Jahr später folgte die Sparte Eishockey. 1965 schlossen sich die Fußballer dem Verein an. Das erste Punktspiel gab es allerdings erst im Jahr 1966. Wiederum ein Jahr später folgten die Wanderfreunde mit der Sparte Berg/ Wandern. Von dieser Gruppe wurde auch die Skigymnastik durchgeführt. Ende der sechziger Jahre bot dann Angela Preisinger mit großem Erfolg Kinderturnen für Mädchen an. Geturnt wurde zunächst in der alten Turnhalle. 

Mit dem Bau der neuen Mehrzweckhalle im Jahr 1975 und der erheblich verbesserten Ausstattung mit vielen neuen Turngeräten erlebte die Sparte einen enormen Aufschwung. In der Chronik heißt es weiter, dass die Kinder bald in verschiedene Turngruppen aufgeteilt werden mussten. Im Jahr 1975 wurde auch das Kleinkinderturnen neu ins Programm aufgenommen und später eine neue Gruppe für das Mutter-Kind-Turnen gegründet. Da sich aber nicht nur Mädchen für das Turnen interessierten, wurde in den späten achtziger Jahren auch eine Bubenturngruppe gebildet. Diese gibt es aber leider heute nicht mehr. 

Damen-Gymnastik, Kegeln und Tennis folgten in den siebziger Jahren als neue Sparten. Auch eigene Tennisplätze kamen hinzu. 1982 machte die Wiedergründung einer Theatergruppe den VfL Denklingen nicht nur zum Sportverein sondern auch zu einer kulturellen Institution. Jedes Jahr wird ein neues Stück geprobt, das dann vier bis fünfmal zur Aufführung kommt. Die jüngste Sparte besteht aus jungen Damen, die seit Ende 2013 unter dem Dach des Vereins Showtanz üben. 

Wolfgang Martin hat sich mit seinen Vorstandskollegen dem Neubau eines Vereinsheimes zusammen mit dem Musikverein und der Landjugend auf die Fahnen geschrieben. Dieses Gebäude soll südlich des Fußballplatzes errichtet werden. 

Die 2013 gegründete „Gesellschaft Bürgerlichen Rechts“ (GBR) zwischen dem VfL, dem Musikverein und der Landjugend kümmert sich derzeit um alle notwendigen Voraussetzungen für den Neubau. „Wenn alles gut läuft und alle Genehmigung vorliegen, könnten wir vielleicht noch dieses Jahr mit dem Bau beginnen“, skizziert Martin. Er rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Viele Arbeiten sollen in Eigenleistung durchgeführt werden.

Siegfried Spörer

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