Europa am Scheideweg?

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Beim Unternehmerabend der Sparkasse Landsberg-Dießen im Stadttheater (von links): die Vorstände Hans-Peter Träger und Roland Böck, Oberbürgermeister Mathias Neuner, Udo van Kampen, Vorstand Thomas Krautwald und Landrat Thomas Eichinger.

Landsberg – Der Referent des diesjährigen Unternehmerabends der Sparkasse Landsberg-Dießen ist seit Jahren eines der bekannten Gesichter im ZDF: Udo van Kampen. Im vollbesetzten Stadttheater referierte er vor geladenen Gästen aus Politik und regionaler Wirtschaft über „Europa am Scheideweg“.

Neben der aktuellen Situation Griechenlands sieht Udo van Kampen weitere Krisenherde in der Europäischen Union. So sei ein Anstieg nationalistischer Tendenzen in einzelnen Mitgliedsstaaten zu verzeichnen. Besonders in Frankreich zeigte sich nach den Regionalwahlen, wie der Front National seinen Einfluss ausbaut. Sollte die Partei von Marine Le Pen an die Regierung kommen, so sei ein Austritt aus dem Euroraum, so die Einschätzung von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, nicht ausgeschlossen.

Die schwache Produktivität in den südlichen EU-Ländern sieht van Kampen als großes Problem. Banken scheuten sich, Betriebe die keine innovativen Produkte haben zu finanzieren. Das Krisenmanagement werde zukünftig wohl von einigen wenigen starken EU-Staaten betrieben werden müssen.

Im Fall Griechenland ist van Kampen der Meinung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel alles tun werde, das Land als Partner im Euro-Raum zu behalten. Jedoch ist nicht auszuschließen, dass die rund 320 Milliarden Euro Schulden, die Griechenland angehäuft hat, abgeschrieben werden müssen. Es sei nicht verwunderlich, dass die baltischen Staaten mit ihren geringeren Lebensstandards im Vergleich zu Griechenland in der Schuldenfrage hartnäckig bleiben.

Passend dazu der Unterschied der Durchschnittsrente, die in Deutschland bei etwas über 700 Euro, in Griechenland jedoch bei 900 Euro monatlich liegt. Bei einem so genannten „Grexit“, also dem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, stelle sich die Frage, welches Land wohl das nächste sein könnte. Den Euro sieht Udo van Kampen zurzeit mehr als „Spaltpilz“ als einen Einigungsfaktor.

Bei all den Schwierigkeiten sieht der Journalist auch die positiven Seiten der EU. Für ihn ist sie immer noch „das größte Friedensprojekt aller Zeiten“, das für Wohlstand und Sicherheit sorge. Zukünftig Aufgaben von Brüssel werden der Energie- und Digitalmarkt sowie eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik mit einer gemeinsamen Armee sein.

Zur Person

Udo van Kampen studierte Wirtschaftspädagogik und Volkswirtschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 1976 ist er Wirtschaftsredakteur beim ZDF. Zuerst war er Mitglied der ZDF-Wirtschaftsredaktion Bilanz, später begründete er das Wirtschaftsmagazins WISO mit. Im Anschluss war er Korrespondent im ZDF-Studio Brüssel, das er von 1992 bis 1995 leitete. Nach seiner Tätigkeit als Leiter des ZDF-Studios in New York von 1995 bis 2003, leitete er bis Ende letzten Jahres wieder das Studio in Brüssel.

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