Das Bau- als Kunstwerk

Zehn Jahre Stellwerk in Dießen

Annunciata Foresti vor Stellwerk
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Annunciata Foresti öffnet ihr Stellwerk noch am kommenden Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Spricht man von Kunst in Verbindung mit Dießen, hört man spontan zwei Namen: Annunciata Foresti und Töpfermarkt. Wobei der zweite für künstlerisches Keramikhandwerk steht, der erste aber für eine Kunstarbeiterin, die man dank ihrer „vielseitigen Einmaligkeit“ ein Original nennen darf. Als Malerin, Fotografin, Autorin, Netzwerkerin oder Managerin von Kunstevents hat sie sich weit über den Landkreis hinaus einen Namen gemacht. Ihr zum roten Kunsttempel umgestaltetes Stellwerk ist nicht nur ortsbildprägend, sondern auch Atelier, Ausstellungsraum, Garten­paradies und Treffpunkt der Kunstszene.

Das „Zehnjährige“ am Bahnübergang zu den Seeanlagen feierte Foresti jetzt mit „Open House“, einem Querschnitt ihrer Bilder sowie einem aus diesem Anlass aufgelegten Büchlein über den Wandel des einstigen mausgrauen Industriebaus. Ein Gespräch mit dessen Besitzerin.

Was sagen Sie zur großen Resonanz zu „10 Jahre Stellwerk“?

Annunciata Foresti: „Ich bin überwältigt, aber es ist auch nachvollziehbar. So oft kommt es nicht vor, dass ein Künstler ein marodes Teil erwirbt, um es dann herzurichten, zumal das Stellwerk ein ‚öffentliches Gebäude‘ war. Viele Dießener kennen es. Und auch wenn nicht allen die Farbe des Stellwerks gefallen sollte, es ist immerhin erhalten geblieben, auch für die Allgemeinheit.“

Würden Sie sich nochmals so einen „Klotz“ ans Bein hängen?

Foresti: „Es war eigentlich Liebe auf den zweiten Blick. Mir hat zwar der anmutende Bauhausstil von Anbeginn gefallen, aber es war nicht so, dass ich es unbedingt haben musste. Zunächst wollte ich nur anmieten. Aber dann kam alles anders. Irgendwie war es eine Doppel-Bindung: Ich brauchte dringend ein Atelier. Ich hatte eher das Gefühl, das Stellwerk hat mich gesucht. Und ich bin dankbar dafür.“

Sie haben sicher ein Vermögen investiert, dazu unzählige Arbeitsstunden und Hilfe von Freunden.

Foresti: „Ja, die Bank und ich, wir haben da sehr viel investiert. Und bei der Umsetzung haben mir meine Künstlerfreunde sehr geholfen. Es war viel, viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt.“

Woher haben Sie den „grünen Daumen“ für das Gartenparadies?

Foresti: „Das frage ich mich auch. Den hatte ich früher noch nicht. Ich glaube, der Garten und ich, wir sind allmählich zusammengewachsen. Es ist mein Pflichtbewusstsein, für etwas Sorge zu tragen. Ich konnte den verwilderten Garten nicht einfach so lassen. Und dann tastete ich mich an die Materie heran. Als Italienerin habe ich aber auch eine natürliche Begabung, Blumen und Pflanzen gestalterisch zusammenzubringen. Einfach aus dem Bauch heraus. Hat einer Pflanze der Standort mal nicht gefallen, habe ich sie woanders hingepflanzt. Der Garten ist für mich meine Ruhe-Oase, aber auch meine körperliche Herausforderung. Ich arbeite fast jeden Tag im Garten, vor oder nach dem Malen.“

Können Sie vom Malen leben?

Foresti: „Nein, das können die wenigsten Künstler. Aber ich kann das Atelier erhalten, die Unkosten für das Gebäude, kann meine Materialien bezahlen und manchmal bleibt mir ein Betrag übrig, um mal schön essen zu gehen, eine Reise zu unternehmen oder meinen Enkelkindern eine Freude zu machen. Oder eben Pflanzen und Blumen kaufen. Trotzdem: Mein Leben und mein Tun haben einen Sinn.“

Wie finden Sie die Idee, aus dem Huber-Häusern ein Kreativ-Zentrum zu machen?

Foresti: „Ausgesprochen gut. Das sind junge Leute, die reden nicht nur, sondern sind engagiert und haben Visionen. Ohne solche Menschen, die sich engagieren, im kulturellen oder sozialen, sportlichen Bereich, stirbt ein Ort. Und wir müssen sie in Dießen halten. Die jungen Menschen sind die Zukunft!“

Gibt es junge Talente, die Sie unterstützen?

Foresti: „Ja, mich fragen viele junge Kollegen und Talente um Rat. Eigentlich will mich jeder kennenlernen. Das kostet mich viel Zeit. Aber ich mag junge Künstler und ich sehe das auch als meine Aufgabe als Vorsitzende des Vereins ‚KunstFormat‘, auf die unzähligen E-Mails zu antworten oder mich mit den Künstlern zu treffen, um sie zu beraten, zu vernetzen, ihnen eine Stimme zu geben. Die Vernetzung halte ich für ein ganz wichtiges soziales Element.“

Werden Sie als Kreiskulturbeauftragte genügend unterstützt von Gemeinden, Institutionen etc.?

Foresti: „Es gibt ein paar Freunde, die mich sehr unterstützen. Es gibt einen Landrat, der meine Arbeit sehr schätzt. Es gibt einen Kreistag, der mich immer wieder bestellt und meine Arbeit gutheißt. Bei einigen in der Gemeinde ist der Gedanke des ‚Gemeinsam‘ in der wichtigen Kultur angekommen. Bei vielen nicht. Aber es wächst. Man muss jeder Sache auch immer ihre Zeit lassen.“

An welchen Projekten arbeiten Sie als nächstes?

Foresti: „Im Oktober veranstalten wir zum zehnten Mal ‚Das kleine Format‘. Auch ein Jubiläum. Die Ausstellung habe ich 2008 initiiert. Sie ist aus dem Kulturkalender vom Ammersee nicht mehr wegzudenken. Dieses Mal zählen wir 40 Teilnehmer, aus der Region und überregional. Die Dießener sind dem Projekt wohlgesonnen, da sind wir angekommen.

Des Weiteren arbeite ich intensiv an den Kreiskulturtagen für 2022 mit dem Thema ‚Sehnsucht‘. Der Arbeitsumfang ist enorm, aber wir bekommen bald Hilfe von der Verwaltung. Die Kulturtage sind vielschichtig, nicht nur eine Aneinanderreihung von Veranstaltungen. Und allmählich wächst eine Künstlergemeinschaft, die das zu schätzen weiß. Geld ist wichtig, aber Gemeinschaft noch wichtiger. Die Künstler werden nicht entlohnt, können natürlich die Eintritte behalten und bekommen alle einen werbewirksamen Auftritt in der Öffentlichkeit. Es wird eine wundervolle Eröffnungsfeier im Stadttheater geben und das Seensuchtsfest, in dem auch das Familienkulturfest integriert ist, das ich mit Anke Neudel organisiere. Die Bewerbungsfrist haben wir bis zum 30. August verlängert.“

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