Landsberger Club feiert am Samstag seinen Abschied

Schluss mit Glücklich

+
Am Samstag heißt es Abschied nehmen: Das Glücklich muss schließen.

Landsberg – Zehn Jahre lang feierten Landsbergs Jugend und Junggebliebene am Katharinenberg – jeden zweiten Samstag. Jetzt ist aber Schluss: Weil die Libre-Gaststätte seit Ende April nicht mehr angrenzt, gilt das „Glücklich“ seither als Vergnügungsstätte. Und die ist im Mischgebiet am Katharinenberg tabu. Außerdem klagten Anwohner über den nächtlichen Lärm.

Besonders seit Januar dieses Jahres würden einige Nachbarn ihrem Ärger über herumgröhlende Betrunkene Luft machen, erinnert sich Betreiber Bastian Georgi zurück. Gemeinsam mit Joachim Simon und ­Markus Lohse eröffnete er – im Namen der „Tanzkommune“ – vor zehn Jahren die Discothek. „Für indie-urbane Subkultur“, wie er selbst sagt.

Dass die drei Jungs nicht öfter als jeden zweiten Samstag öffnen durften, hängt mit einer gaststättenrechtlichen Genehmigung zusammen. Die Glücklich-Partys fanden nämlich stets auch in den Räumlichkeiten des Libres statt. Ohne die Gaststätte hätte das Projekt nicht funktioniert, denn der Katharinenberg gilt nach dem Bauplanungsrecht als „Mischgebiet“ – sowohl Wohnungen als auch Gewerbe kommen dort unter, Discotheken sind aber tabu. Einzige Ausnahme: Gaststätten, die maximal zweimal im Monat eine Veranstaltung durchführen dürfen.

Als das Libre Ende April seinen Betrieb einstellte, war ­Georgi deshalb bereits klar: „Das Glücklich-Ende ist nah.“ Trotzdem erhielten die Jungs den zweiwöchigen Partyturnus bis zur Sommerpause aufrecht. Wie es danach weitergeht, wussten bis zur letzten Veranstaltung vor der Pause selbst viele Angestellte nicht. Das Re-Opening, das am kommenden Samstag stattfindet, machte aber Hoffnung auf eine Fortsetzung.

Facebook-Info

Umso mehr überraschte dann fünf Tage zuvor die Nachricht: „Nun ist es amtlich. Das Re-Opening ist die letzte Party.“ Das Glücklich bekomme nach Gesprächen mit dem Ordnungsamt keine Genehmigung mehr, war auf der ­Facebook-Seite des „Glücklich Clubs“ gestern Abend zu lesen. Auch, dass die Nachbarschaft ihren Teil zur Schließung beigetragen hatte, teilten die Betreiber dort mit. Auf Nachfrage des KREISBOTEN erzählt Georgi, eine Nachbarin sei nach längerer Zeit nach Landsberg zurückgezogen und würde sich nun am Lärm stören. Auch einige Mitstreiter würden die Dame unterstützen. „Da sind wir verpflichtet, den Beschwerden nachzugehen“, sagt Ernst Müller, Leiter des städtischen Ordnungsamts. Nachbarn haben ihm auch eine 15 Unterschriften umfassende Liste vorgelegt.

Mit dieser Initiative will Bastian Georgi Landsberger Partygänger sensibilisieren.

Müller veranstaltete daraufhin eine „Nachschau“ im Mai, sieht den Lärm als „nicht unproblematisch“ an. Als einzige Chance, das Glücklich in seinen jetzigen Räumlichkeiten weiterzubetreiben, sieht der Ordnungsamt-Leiter in einer neuen großen Gaststätte, die das ehemalige Libre übernimmt.

Georgi glaubt daran aber nicht wirklich: Das Libre-Gebäude werde im Falle eines angeblichen Verkaufs wohl erstmal abgerissen, vermutet er. Und das Glücklich anderswo in der Lechstadt neu eröffnen? „In Landsberg gibt‘s im Moment keinerlei Möglichkeiten, nicht mal im Gewerbegebiet.“

Georgi geht es aber um mehr als nur ums „Glücklich“. Gemeinsam mit anderen Landsberger Kneipen hat er die Initiative „Passt auf unsere Nachtkultur auf“ gestartet. Besonders in der Innenstadt gebe es häufig Ärger mit Anwohnern, die den „Betrieben das Leben zu Hölle machen“, so Georgi. Aber anders, als zu vermuten wäre, richtet sich seine Initiative nicht an die Nachbarn sondern vielmehr an die Feiernden. Einmal, damit sie die Kneipen leise verlassen und die Anlieger nicht aus dem Schlaf reißen. Zum zweiten aber auch, damit sie überhaupt noch in die Kneipen kommen. „Viele treffen sich nur noch übers Handy.“ Die Zeit der Nachtclubs, wie es sie noch vor vielen Jahren gab, sei vorbei.

Und das gilt nun auch für das Glücklich. Specials gibt es am Abschiedsabend keine. „Es ist alles wie immer“, sagt Bastian Georgi. Primär gehe es darum, das „Projekt gemeinsam abzuschließen". Und eines ist ihm besonders wichtig: „Es soll niemand einen Hass gegen die Nachbarn erheben.“ 

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Inselbad bleibt, was es ist
Inselbad bleibt, was es ist
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Architekt im Kreuzfeuer
Architekt im Kreuzfeuer
Neuer Radweg nach Ummendorf
Neuer Radweg nach Ummendorf

Kommentare