Der Rhythmus der Bilder

"Zeigen und Verbergen": Sybille Rath und Lea Jade in der Landsberger Zedergalerie 

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Zur Vernissage der Ausstellung „Zeigen und Verbergen“ in der Zedergalerie mit den Künstlerinnen Lea Jade (2. von links) und Sybille Rath (rechts) konnte Silvia Großkopf (3. von links) auch die Leiterin des Stadtmuseums Sonia Fischer begrüßen, die die Einführung hielt.

Landsberg – „Zeigen und Verbergen“: Schon der Titel der Ausstellung des Galerievereins in der Zedergalerie verrät, dass sich hier zwei Künstlerinnen äußern, die unterschiedlich sind. Sybille Rath beginnt mit Zeichnungen, übermalt flächig, greift dann wieder zum Kohlestift. Das Ergebnis wirkt unvollendet. Als ob etwas verborgen bliebe. Lea Jade macht hingegen sichtbar. Und zwar Musik: Sie ist Synästhetin, ‚sieht‘ Musik. Und zwar in Farbe, die sie gemäß der akustischen Vorlage schichtweise aufträgt, so ein grafisches Ganzes entstehen lässt – und die Musik für den Betrachter in einer Bildkomposition sichtbar macht. „Zeigen und verbergen“ ist noch bis zum 25. April zu sehen.

Rath ist Rheinländerin, die es wegen des Studiums der Kunst nach München verschlagen hat. „Wenn man Figuration und Abstraktion, Zeichnungen und Malerei zusammenbringt, kann das ins Illustratorische abrutschen“, warnt Stadtmuseumsleiterin Sonia Fischer in ihrer Einführung. „Aber bei Sybille Rath tut es das nicht.“ Bei Raths Arbeiten scheinen dicke Pinselstriche und schmutzige Farben zu dominieren. Bei näherem Hinschauen entdeckt man jedoch Filigranes: hier ein Gesicht, dort ein Körper; Fischer weist auch auf Architekturelemente hin.

Ein Bild besticht durch einen der gnomhaften Wasserspeier von Nôtre-Dame, der seinen Kopf Comicfiguren zuwendet, die zu flüchten scheinen. Das Bild heißt „Les Untergunther“. Rath zitiert hier die gleichnamige französische Untergrundorganisation, die unter anderem die Wasserspeier Nôtre-Dames gesäubert hat. Der Dämon selbst besteht nur aus Umriss. Details sind nicht ausgearbeitet, teilweise bricht die Linie, um den Raum einzulassen. Was dem Betrachter die Möglichkeit gibt, das Bild weiterzudenken, das Drumherum zu entdecken.

Inspiration hole sie auf Reisen, sagt Rath. Dort zeichnet sie im kleinen Format oder fotografiert, wobei die Objekte – beispielsweise die Wasserspeier – oft so weit entfernt sind, dass nur grobkörnige Fotos entstehen. Die Künstlerin arbeitet auf handgeschöpftem Papier mit starkem Strich. Das Papier reißt schonmal, andere Stellen sind collagiert. Nicht zu finden ist hier etwas, das zögerlich wirkt. Sie habe mit ihrem starkem Strich gegen die Ästhetik des Papiers arbeiten wollen, sagt Rath. „Das ist irgendwie schon destruktiv. Aber auf diesem Papier sieht ja schon ein Tuschestrich schön drauf aus.“ An ihren Bildern arbeitet Rath oft mehrere Wochen. „Wenn die Kommunikation des Konstrukts nicht funktioniert, übermale ich auch alles komplett. Der Rhythmus des Bilds muss stimmen.“

Rhythmus und Klang sind die Grundlagen von Lea Jades Arbeit. Sie ist Pianistin und Synästhetin, wie Bernstein oder auch Liszt, und macht Musik sichtbar. So, wie jeder Ton auch wörtlich eine ‚Klangfarbe‘ hat. „Ein rauhes Cello ergibt vielleicht eine rauhe Oberfläche, die hellen Töne eines Klaviers durchscheindendes Weiß“, erläutert Museumsleiterin Fischer. Jades Arbeiten sind mehrschichtig. Wirkt ihr Bild „Verbunden“ von Weitem wie eine blaue Fläche, bricht die Struktur bei näherem Betrachten in unterschiedlichste Blau-Grün-Töne auf.

Bei Jade beeindrucken die Bilder, die nicht in einem festen ‚Takt‘ schlagen. Die, in denen sie Freiheiten lässt. Und so dem Betrachter auch die Möglichkeiten, etwas zu entdecken, was sie sichtbar machen will. Zum Beispiel „Komposition I – III. Interessanterweise heißt das Werk im Untertitel „Bild der Stille“.
Susanne Greiner

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