Samtweich statt kratzig grau:

Eine Lastwagenladung Klopapier fürs Fuchstaler Rathaus

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Was weg muss, muss weg, auch wenn‘s a bisserl kratzig ist...

Fuchstal – Da sage noch einer, dass im Fuchstaler Gemeinderat die Themen nicht ausführlich abgehandelt würden. Gar tief in die Materie eingestiegen ist Rathauschef Erwin Karg neulich mit seinem Fachwissen zu den Lagerkapazitäten im Feuerwehrhaus und im gemeindlichen Bauhof. Eigentlich ging’s ja nur um einen Beschluss, die Heizung zu modernisieren, sprich Nachtspeicher- und Ölofen sowie Elektrolüfter durch einen Anschluss an die Erdgasleitung zu ersetzen. Damit kam die eigentliche Geschichte so richtig ins Rollen.

Als Gemeinderat Anton Weinholzner mehr Details zu den Platzkapazitäten im Bauhof und im Feuerwehrhaus erfahren wollte, holte Bürgermeister Karg nämlich gründlich aus. Es zeugt von seiner langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung, dass er dabei an ein wichtiges Ereignis aus seiner ersten von inzwischen drei Amtsperioden erinnerte.

Vor 13 Jahren traf im Fuchstal eine außergewöhnliche Lieferung ein, für die sämtliche Platzreserven ausgeschöpft werden mussten. Aufgrund eines Fehlers bei der Bestellung fuhr ein Lastwagen am Bauhof vor, vollbeladen mit Toilettenpapier. Hat da jemand aus dem Rathaus statt Kilogramm versehentlich oder bewusst die Maßeinheit Zentner draufgeschrieben?

Laut Darstellung des Bürgermeisters hat das Material dieser außergewöhnlichen Fracht lange angehalten. Bis vor Kurzem. Die Ursachenforschung ergab, dass es freilich nicht nur an der großen Menge lag. Sondern auch daran, dass es ein kostengünstiges graues einlagiges Toilettenpapier war, welches die hohen Ansprüche der Nutzer nur in geringem Maß erfüllen konnte. Es heißt sogar, dass manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Rücksicht auf einen zarten Umgang mit ihrem Hintern selbst für Nachschub gesorgt haben.

So sind die Vorräte, die anfangs im Dachboden über dem Bauhof bis unter die Balken gestapelt waren, nur langsam zusammengeschmolzen. Nach zwölf Jahren ist aber die „erlösende“ Nachricht eingetroffen, dass vom einlagigen Klopapier endlich alles aufgebraucht worden ist.

Nun ist im Fuchstal also eine andere Ära angebrochen, nämlich die des hautschonenden hellen, zweilagigen Toilettenpapiers. Erste Rückmeldungen haben ergeben, dass so mancher Mitarbeiter, der früher beim Verlassen des Klos griesgrämig dreinschaute, jetzt mit einem freundlichen Gesicht und Lächeln vom stillen Örtchen an seinen Schreibtisch zurückgekehrt ist. Kaum zu glauben, was doch alles eine Rolle spielt, wenn man verantwortungsvoll das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend im Auge behält.

Was die deutlichen Mehrkosten für das zweilagige Wischmaterial angeht, so sollte man sich – am besten unter Federführung des Landsberger Landratsamtes – doch glatt überlegen, eine große Einkaufsgemeinschaft zu bilden, um die Ausgaben dafür nicht in die Höhe schnellen zu lassen. Dann könnte durchaus wieder mal ein Lastwagen voll mit Klopapier vorfahren – dann jedoch in der Kreisbehörde am Lech.

Die weitere Verteilung könnte von dort aus ganz unkompliziert erfolgen – zum Beispiel, indem die Rathauschefs nach einer Bürgermeisterdienstbesprechung noch schnell den Kofferraum vollpacken und somit von Denklingen bis Prittriching langfristig eine Versorgung gewährleistet ist.

Johannes Jais

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