Symbol der Gefangenschaft

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Uri Chanoch (rechts), Überlebender des KZ-Außenlagers Kaufering/Landsberg, übergab zusammen mit Tocher Fridi seine Häftlingsjacke als Dauerleihgabe an Oberst Klaus Schuster, Standortältester der Bundeswehr in Landsberg.

Landsberg – „Ich habe lange überlegt – aber die Jacke bleibt jetzt hier“, sagt Uri Chanoch. Anlässlich des Internationalen Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus übergab der Überlebende des Kauferinger Außenlagers seine damalige Häftlingsjacke an Oberst Klaus Schuster.

Die Jacke als ein Symbol der Gefangenschaft, überreicht an dem Ort, der an die Gräueltaten erinnert: der Betonbunker in der Welfenkaserne Landsberg. Zum ersten Mal begingen somit der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten zusammen mit zahlreichen Gästen ihren jährlichen Holo-caust-Gedenktag in einem ehemaligen KZ-Außenlager.

Landtag gedenkt der Holocaust-Opfer

„Wir haben diesen Gedenktag bewusst in einem ehemaligen Außenlager veranstaltet“, sagt Landtagspräsidentin Barbara Stamm. „Dieser Ort ist besonders beeindruckend und macht die Gräuel deutlich.“ Obwohl der Bunker im Frauenwald für so viel Leid steht, sind zur Gedenkfeier auch zahlreiche Überlebende angereist, die sich als Zeitzeugen für die unerlässliche Erinnerungsarbeit einsetzen. „Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag, weil Sie seit unzähligen Jahren die Bürde auf sich nehmen, an den Ort des Schreckens zurückzukehren, um die Erinnerung an die kommenden Generationen weiterzugeben“, sagt der israelische Generalkonsul Tibor Shalev-Schlosser in seiner überaus emotionalen An­- sprache. Über 20000 KZ-Häftlinge haben zwischen Juni 1944 und April 1945 in den Bunkeranlagen geschuftet – rund 7000 Menschen überlebten das nicht. Seit Ende der 80er Jahre betreibt die Bundeswehr in Landsberg aktive Erinnerungsarbeit, allen voran Oberstleutnant Gerhard Roletschek und Oberstabsfeldwebel Helmut Müller. „Ich will nicht 6000 Tote haben, sondern 6000 Menschen mit Namen“, formuliert dabei Roletschek seine Motivation. Einer dieser Namen ist Uri Chanoch. Der mittlerweile 84-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit im KZ-Außenlager, obwohl er damals noch ein Junge war. Er erzählt bei der Gedenkveranstaltung, wie er damals eine kleine Kartoffel stiebitzte und ein Posten ihn erwischte. SS-Hauptscharführer Johann Kirsch ließ den jungen Chanoch zur Strafe eine ganze kalte Januarnacht lang mit der Kartoffel im Mund draußen stehen. „Er sagte zu mir: Du wirst sterben mit der Kartoffel im Mund“, erinnert sich Chanoch noch heute ganz genau. „Es ist schwer, sich das alles vorzustellen.“ Damals hatte Chanoch dieselbe Jacke an, die er nun als Dauerleihgabe an die Ausstellung im Bunker, genannt „Erinnerungsort Weingut II“, gibt. „Sie sind der Motor für unsere Gedenkarbeit“, sagt Klaus Schuster. Er wolle sich weiterhin für eine würdige Erinnerungsarbeit vor Ort einsetzen: „Ihre Jacke, Herr Chanoch, wird uns als zentrales Symbol und Zeuge des Holocaust unserem Ziel näherbringen.“ „Diese Erinnerungsarbeit ist immens wichtig und ich werde alles daran setzen, dass das Gedenken aufrecht erhalten wird“, sagt Landrat Walter Eichner. „Ich fühle mich wütend, über das, was passiert ist und ich schäme mich dafür.“ Das Gedenken dürfe aber nicht zur Last oder gar zur Schuld werden, meinte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israeli-tischen Kultusgemeinde München. Die Erinnerung müsse die jüngere Generation für die Gräuel der Vergangenheit immunisieren und so appellierte Knobloch in ihrer Rede: „Lasst euch von niemandem vorschreiben, wen ihr zu hassen oder zu lieben habt.“

Janina Bauch

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