Vom Leben in der Fremde

Zeugnisse benediktinischer Missionsarbeit auf der ganzen Welt im Museum St. Ottilien

BMW R27 aus dem Jahr 1963 im Missionsmuseum St. Ottilien
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Auf stolze 18 PS bringt es die BMW R27 aus dem Jahr 1963. Bis in die 1980er Jahre bretterten die Missionsbenediktiner damit über die Staubpisten Tansanias.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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St. Ottilien – Im ersten Moment reibt man sich die Augen, wenn man im Missionsmuseum St. Ottilien – von ausgestopften Tieren und präparierten Insekten, afrikanischen Waffen und koreanischem Porzellan kommend – plötzlich vor einem Motorrad steht. Doch die stattliche BMW R27 gehört genauso hierher wie die vielen anderen Zeugnisse der benediktinischen Missionsarbeit auf der ganzen Welt.

Mit der 18-PS-Maschine aus dem Jahr 1963 bretterten die Mönche einst über die Staubpisten Tansanias. Das war zwar nicht ohne Risiko, aber lange Zeit die einzige Alternative zum Fußmarsch. „Fahrräder waren auf dem mal sandigen, mal schlammigen Boden unpraktisch“, berichtet Museumsleiter Pater Theophil Gaus. Reittiere schieden ebenso aus – zu heiß das Klima, zu gefährlich der Stich der Tsetsefliege, an dem die Tiere schwer erkrankt wären. In Tansania legten Bewohner und Mönche oft weite Wege zu Fuß zurück. Während die Europäer wenigstens feste Wanderschuhe besaßen, gingen die Einheimischen meist in Flipflops.

Für die Benediktiner der Abtei Peramiho, die ein großes Missionsgebiet im Südwesten des Landes betreuten, bedeutete das Motorrad eine erhebliche Erleichterung, wenn auch die schlechten Pisten mit den im Weg liegenden großen Steine das Fahren riskant machten. Zwei erst vor einigen Monaten verstorbene Ottilianer Mönche, Pater Sales Vollmann und Pater Benno Kufner, waren mit dem Bike viele Jahre in Tansania unterwegs.

In den 1980er Jahren wurde es eingemottet und vergessen, verdrängt von Jeeps und anderen geländegängigen Fahrzeugen. 2010 entdeckte der damalige Erzabt Jeremias Schröder bei einem Besuch der Abtei Peramiho das Motorrad zufällig in einem Schuppen. Heute steht es als Dauerleihgabe in der Museumsabteilung „Leben der Missionare“.

Um nachrückende Mönche auf das Leben in der Fremde vorzubereiten, schickten bereits die ersten von St. Ottilien ausgesandten Missionare Ende des 19. Jahrhunderts Gegenstände aus Ostafrika in die Heimat. So entstand eine schnell wachsende Sammlung von volkskundlichen, künstlerischen und religiösen Objekten, getrockneten Pflanzen und präparierten Tieren. Die Einrichtung eines Museums lag nahe.

Afrika und Asien

Was als „Afrika-Museum“ um 1896 begann, erhielt nach 1909 eine Asien-Abteilung, denn inzwischen war die Mission auf Korea ausgedehnt worden. Seit 1911 ist das Museum zwischen der Klosterkirche und dem Südflügel des Konvents beheimatet, seit 1922 ist es der Öffentlichkeit zugänglich. Ihr Alter sieht man den Räumlichkeiten nicht an. Zwischen 2011 und 2015 wurden sie umfassend modernisiert, klimatechnisch saniert und barrierefrei ausgebaut.

650 Quadratmeter

Auf zwei Stockwerken mit insgesamt 650 Quadratmetern unterteilt sich die Sammlung in drei große Bereiche. Neben dem bereits erwähnten Teil zur Geschichte von Erzabtei und Mission gibt es eine naturhistorische Abteilung mit etwa 300 Tierpräparaten sowie eine ethnologische Sammlung mit rund 1.000 Objekten aus Ost- und Südafrika sowie Korea. Dazu gehören Alltagsgegenstände ebenso wie Kleidung, Schmuck, Waffen und Musikinstrumente. Im Untergeschoss laufen in Dauerschleife Kurzfilme mit Alltagsszenen aus Afrika und Korea. Sie wurden in den 1920er Jahren vom damaligen Erzabt Norbert Weber bei seinen Besuchen in den Missionsgebieten gedreht.

Die ausgestopften Raubkatzen, Äffchen und Vögel in Glasvitrinen mögen sich aus heutiger Sicht befremdlich ausnehmen, doch die frühen Missionare waren fasziniert vom Präparieren exotischer Tiere. Dabei gingen sie nicht immer realitätsgetreu zu Werke – ein längst verstorbener Mitbruder etwa gab einem Schreiseeadler eine Scholle in die Klauen. Dass sich der afrikanische Greifvogel und der Nordseefisch jemals in freier Wildbahn begegnet sind, ist unmöglich. „Beide kommen in völlig verschiedenen Regionen der Erde vor“, erklärt Museumsleiter Theophil Gaus. „Außerdem sind Greifvögel nicht in der Lage, nach Fischen zu tauchen, die am Meeresboden leben.“

Was den Präparator zu dieser Kombination veranlasst hat, bleibt offen – nicht aber die Frage, wie der Schreiseeadler nach St. Ottilien kam. Er wurde von Erzabt Norbert Weber 1912 am Malawisee geschossen. Anders der Strauß, der sein Gehege mit zwei kleinen Nilkrokodilen, einem Waran und einer Kobra teilt. Er lebte noch, als er 1910 in Bremerhafen auf ein Schiff nach Nordamerika verladen werden sollte – wohl für einen Zoo bestimmt. Doch beim Entladen vom Eisenbahnwagen stürzte die Kiste zu Boden und der Strauß brach sich das Rückgrat.

„Damals hat jemand darum gebeten, den Vogel nach St. Ottilien zu schicken“, erzählt Pater Theophil. Er bezweifelt allerdings, dass das Exponat in der klostereigenen Präparationswerkstatt entstand. Die Naht, mit der das Gefieder wieder zusammengenäht wurde, ist so gut versteckt, dass Gaus eine professionelle Münchner Werkstatt dahinter vermutet.

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