Zicke und Jammerlappen

„Sie ist eine Zicke und der Mann ein Jammerlappen“ mit diesen eindeutigen, klaren Worten hat Pianist Marcelo Amaral, bestaunenswerter Begleiter am Klavier, die beiden Figuren des Italienischen Liederbuches von Hugo Wolf charakterisiert. Mit Leidenschaft und gutem schauspielerischem Talent trugen Benjamin Appl, Tenor und die gebürtige Chilenin Carolina Ullrich, Sopran, dieses einmalige Werk des Brahmshassers und frühvollendeten österreichischen Komponisten Hugo Wolf vor. Im Saal der Evangelischen Kirchengemeinde in Landsberg waren alle Plätze an diesem ersten März-Sonntagabend belegt. Gab es doch die einmalige Gelegenheit zum „Durchhören“ des ganzen Liederbuchs. Häufig werden nämlich nur einzelne Stücke daraus gesungen.

Die bezaubernde, junge Carolina Ullrich verfügt über eine schöne, in sich sehr differenzierte Sopranstimme mit einem kräftigen, durchaus noch ausbaufähigem Volumen, der Tenor von Benjamin Appl ist geschmeidig, samtig und voll überzeugend. Der Wechsel im Vortrag der kurzen Stücke gelang den beiden vorzüglich. Die Dynamik einer Liebesbeziehung, wie sie in der deutschen Übersetzung der italienischen Vorlage von Paul Heyse schön herauszuhören ist, kam gut zum Tragen. Ja, die Liebe ist eben alles andere als einfach. Er schmachtet, sie zieht sich zurück, beschimpft ihn. „Ich bin verliebt“, sang Ullrich, um dann ernüchternd hinzuzufügen: „doch nicht in Dich.“ Hugo Wolf hat den Klavierpart zu den Liedern entgegen der musikalischen Tradition als gleichberechtigt dem Gesang gegenübergestellt. Marcelo Amaral erfasste diese Intention des Komponisten sehr präzise. Er nahm sich zurück um dem Gesang den Vortritt zu lassen, ging aber an anderen Stellen in den Vordergrund und spielt mit großer Emphase und kräftigem Duktus. Tief – Tenor, hoch – Sopran Interessant und reizvoll zu bemerken, wie Wolf mit wenigen Takten des Klaviers den folgenden Gesang einführte und die Richtung des Stücks angab. Mit tiefen Tönen den Tenor, mit hohen den Sopran. Gleich beim ersten Hören zeigt sich, ob die Liebenden verzweifelt und verzagt sind, oder sich anhimmeln. Die Reihenfolge der Lieder ist von Hugo Wolf nicht festgelegt. Amaral betonte in seinen einführenden Worten, dass er auf das Konzept seines akademischen Lehrers Helmut Deutsch zurückgegriffen habe, der die vorgetragene Anordnung der 46 Lieder vorgeschlagen habe. Mit viel Applaus endete dieser sehr kurzweilige Abend und man ging mit der Erkenntnis nach Hause, das selbst das so schwierige und nicht beim ersten Hören eingängige Kunstlied auch in Landsberg sein wohlwollendes Publikum findet.

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