Der EVL zieht die Reißleine

Debakel beim Tabellenführer: Philipp Michl (li.) und seine EVL-Kollegen sahen gegen die Tölzer Löwen um Christian Kolacny kein Land. Foto: Krivec

Obwohl es sportlich um nichts mehr ging, erlebte der EV Landsberg das turbulenteste Wochenende der Saison. Erst schepperte es in Bad Tölz dreizehnmal im EVL-Tor, am nächsten Tag krachte es dann im Verein. Dave Rich wurde gefeuert, Benjamin Barz und sein Kumpel Elvis Beslagic als Interimstrainer installiert.

Die Ereignisse überschlugen sich in den Stunden nach dem 1:13-Debakel in Bad Tölz. EVL-Vorstand Hans-Jürgen Böttcher war am Samstagmorgen regelrecht außer sich (siehe untenstehendes Interview), kündigte Gespräche sowohl mit der Mannschaft als auch mit dem Trainer an und kritisierte beide scharf. „Wir haben den Spielern jeden Wunsch erfüllt und alles getan, was in unseren Kräften steht. Wir sind bei der Erfüllung von Sonderwünschen fast so etwas wie der FC Bayern der Oberliga. Da kann man nicht so überheblich auftreten wie in Bad Tölz. Meine Geduld ist jetzt wirklich am Ende.“ Auch Rich nahm er in die Pflicht. „Wie kann es sein, dass man nicht sieht, dass die Mannschaft irgendein System spielt? Ich gehe davon aus, dass die Spieler Charakter haben, vielleicht sind sie nur schlecht geführt. Die weiche Linie kommt jedenfalls nicht an.“ In die Kabine gehen wolle er jedenfalls nicht mehr. „Das habe ich schon getan, wir haben Kabinenfeste veranstaltet, das hat auch nichts gebracht.“ Kurz nach diesen Aussagen folgte ein Gespräch mit „einigen Führungsspielern“, darunter auch Kapitän Benjamin Barz. Danach stand der Entschluss fest, sich von Rich sofort zu trennen. Weiterbezahlen muss man den 41-jährigen Deutsch-Kanadier allerdings trotzdem bis zum Saisonende. „Da kommen aber keine großen Kosten mehr auf uns zu“, so Böttcher. „Er kann auch den Sommer über in seiner Wohnung bleiben.“ In dieser Zeit wird Böttcher selbst dem Verein möglicherweise nicht zur Verfügung stehen; er bestätigte entsprechende Informationen, dass er über eine zeitweise Übersiedlung nach Spanien nachdenkt. „Das ist eine Möglichkeit. Ich habe da private Dinge zu erledigen, ich muss mich auch wieder einmal nach Geld für mich umsehen. Ich habe seit eineinhalb Jahren keinen Cent vom Verein gesehen. Ich habe seit November 100000 Euro und erst letzte Woche wieder 20000 Euro für den Verein besorgt, aber jetzt bin ich auch irgendwann platt.“ Dass daraus eine gewisse Amtsmüdigkeit klingt, will er nicht bestreiten. „Irgendwann habe ich auch keinen Bock mehr. Wenn wir gegen Selb verlieren, ist alles kaputt, für was man in den letzten Jahren gearbeitet hat.“ Der Grund: Selbst wenn man letztendlich nicht in die Bayernliga absteigen müsste, weil nicht genügend Teams von unten aufsteigen oder es gar keinen Absteiger aus der Oberliga gibt, könnte man in Landsberg praktisch nicht mehr weitermachen. „Dann hätten wir bis Mai oder Juni keine Planungssicherheit, das mache ich ganz sicher nicht mit.“ 3:5 gegen Klostersee Auch am Sonntag wurde noch Eishockey in Landsberg gespielt, das letzte Zwischenrundenspiel gegen den EHC Klostersee war allerdings für die Tabelle uninteressant. In einer mäßigen Partie vor 317 Zuschauern war der EVL anfangs überlegen und hatte gegen die zu offen agierenden Gäste zahlreiche Chancen, versäumte es aber, nach dem ersten Drittel höher als 2:1 (Tore durch Bigam (9.) und Bacek (10.)) zu führen. „Da hätte es auch 4:1 stehen können“, so EHC-Coach Doug Irvin. Dass seine Truppe dennoch zum Sieg kam, war zum einen dem schleichend nachlassenden Elan der Gastgeber, zum anderen einigen strittigen Schiedsrichterentscheidungen im zweiten und dritten Drittel zu verdanken. Beinahe wahllos schickten die Unparteiischen zum Unmut von Fans und Offiziellen die Spieler auf die Bank, die Grafinger nützten das recht kühl aus und kamen zu einem glanzlosen 5:3-Sieg. „Irgendwie haben wir gewonnen, schön war's nicht“, so Irvin.

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