Zivile Nachnutzung in der Diskussion

Penzinger Fliegerhorst künftig Forschungsstandort?

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Die Transall wird nach über 50 Jahren ausgemustert. Pläne für die Fliegerhorst-Nachnutzung können aber erst fixiert werden, wenn die Bundeswehr das Gelände verkauft.

Penzing – Für die Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Landsberg war es die erste Besichtigung des Fliegerhorstes in Penzing, für den Kommodore des LTG 61, Daniel Draken, die letzte Führung vor der endgültigen Schließung des Standortes. Das Lufttransportgeschwader wird, wie mehrfach berichtet, zum Jahresende aufgelöst. Lediglich ein Nachkommando von rund 180 Soldaten bleibt vorerst noch in Penzing stationiert. Derweil wird schon über die Nachnutzung des Fliegerhorstes gesprochen.

Oberst Daniel Draken konnte seinen Gästen noch eine der letzten drei verbliebenen Transallmaschinen von außen und innen zeigen. Eine künftige militärische Nutzung des Fliegerhorstes ist nach Aussage von Draken ausgeschlossen, da das Nachfolgemuster der Transall, der Airbus A400M, eine deutlich längere Start- und Landebahn benötige. Außerdem seien die Werfthallen zu klein – das Aus für den Luftwaffenstandort.

Trotzdem gilt für Penzing, wie für alle anderen von der Schließung betroffenen Bundeswehrstandorte auch eine sogenannte Stillstandsüberprüfung. Aufgrund der politischen Lage wie beispielsweise in der Ukraine, hatte das Verteidigungsministerium beschlossen, von einem Verkauf des Fliegerhorstes erst einmal abzusehen.

Dabei waren die Planungen für die spätere zivile Nutzung des Fliegerhorstes von der Gemeinde schon weit gediehen. Penzings Bürgermeister Johannes ­Erhard sagte auf Nachfrage des KREISBOTEN, man habe in einer Klausurtagung die Vorstellungen der Gemeinde festgeschrieben. Auch Gespräche mit potentiellen Interessenten wie dem ADAC seien geführt worden. Penzing wolle nicht alles auf einmal vermarkten. „Alles ist noch offen“, betonte Erhard, zumal im Moment die Verkaufsverhandlungen mit der BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) gestoppt seien. „Schön wäre es, wenn uns der Bund beim Kaufpreis entgegen käme“, wünscht Erhard. „Immerhin haben wir jahrzehntelang den Fluglärm ertragen.“ Die Werte für die Flächen müssen noch ermittelt werden.

Vorbereitet auf Freigabe

Professor Dr. Joachim Vossen von der „ISR“, Institut für Stadt- und Regionalentwicklung, sagte vor den Mitgliedern des IHK-Regionalausschusses Landsberg, man wolle das Nutzungskonzept weiter vorantreiben, um auf den Tag vorbereitet zu sein, wenn die Politik grünes Licht für die zivile Nutzung gebe. Das „ISR“ begleitet die Gemeinde Penzing wissenschaftlich bei der Erarbeitung des Konzeptes.

Grundsätzlich habe die Gemeinde, auf deren Grund der Fliegerhorst liege, einen Erstzugriff auf das Gelände. Das seien Penzing und zu einem kleinen Teil auch die Stadt Landsberg. Für Vossen wäre die Gründung eines Zweckverbandes sinnvoll. Allerdings hätten nach seiner Information die beiden Kommunen noch nicht intensiv darüber gesprochen.

Auch Vossen bestätigte, dass der Gemeinderat seine Interessen schon abgesteckt habe. Auf keinen Fall wolle Penzing eine weitere fliegerische Nutzung des Platzes.

Zwar hätte es viele Anfragen gegeben, zwei Investoren hätten aber interessante Konzepte vorgelegt. „TIMO“ ist eines der Konzepte und steht für „Technologiecluster Intelligente Mobilität“. Im Zentrum könnte der ADAC mit einem Forschungs- und Entwicklungszentrum stehen, sagte Vossen. Dabei gehe es nicht um die Schaffung einer Rennstrecke sondern eher um Testfläche, beispielsweise für autonomes Fahren. Um den Kern herum könnten sich autoaffine Firmen, weitere Forschungszentren eventuell auch eine universitäre Forschung ansiedeln. Das zweite Investorenkonzept betrifft ein Wohnkonzept. Auch dem Wunsch der Gemeinde, landwirtschaftliche Nutzung mit einzuplanen, werde berücksichtigt.

In der Startphase rechnet ­Vossen – eine Freigabe durch das Militär vorausgesetzt – mit rund 300 bis 600 Arbeitsplätzen. Im Endausbau könnten es bis zu 6.000 Arbeitsplätze werden, betonte Vossen.

Ob die Luft­waffe den Platz endgültig aufgeben wird, sei im Moment vollkommen offen. Darauf hatte Oberst Draken bereits eingangs der Diskussionen hingewiesen. „Die Bundeswehr hat hier einen genehmigten Flughafen“.

Siegfried Spörer

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