Impfen mit Aussicht

Zu Besuch im ‚Impf-Fliegerhorst‘ Penzing

Impfung im Fliegerhorst Penzing
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Heimelig ist es nicht im Impfzentrum. Dafür gibt es aber eine grandiose Aussicht auf die Berge.

Penzing - Letzte Woche ist wieder Impfstoff geliefert worden. Nicht allzu viel, aber immerhin rund 450 Impfdosen. Die wurden auch gleich verimpft, einige davon im Impfzentrum am Fliegerhorst in Penzing. Wie die Impfung theoretisch abläuft, ist bekannt. Der KREISBOTE hat jetzt direkt vor Ort ein Ehepaar aus Utting bei der Impfung begleitet. Das Resumee: Es ging schnell. Und ohne Probleme.

Vor dem Impfzentrum stehen schon einige Autos. Dennoch: Heute ist ein ruhiger Tag. Rund 80 Personen werden hier geimpft, die anderen mit den mobilen Impfteams. Ein Betreuer hilft gerade einem 96-Jährigen ins Auto: „Die Impfung, das ging so schnell, dass ich den entscheidenden Moment verpasst habe“, lacht er. Alles sei ohne Probleme über die Bühne gegangen. Und die Leute seien sehr nett. Ein Satz, der noch öfter zu hören sein wird.

Vor dem Eingang wartet ein gutgekleidetes Ehepaar, aus Utting kommen sie, die Tochter habe sie hergebracht. Sie hätten sich Anfang Januar angemeldet, erzählt der 85-Jährige, per Telefon. „Beim Anrufen haben wir schon ein bisschen warten müssen, aber ansonsten hat das gut funktioniert.“ Ihr erster Termin fiel aber genau auf die Woche, in der der Landkreis keinen Impfstoff erhalten hat. Jetzt ist ihr Nachholtermin. „Ich bin zum ersten Mal hier auf dem Fliegerhorst“, sagt seine 82-jährige Frau und sieht sich interessiert auf dem Gelände um.

Auch ein Mann aus Obermeitingen hat seine Eltern hergefahren. Sie kommen aus Kaufering und werden in Penzing geimpft. Warum er selbst nach Gablingen müsse, verstehe er nicht ganz, sagt der Sohn. Das seien rund 50 Kilometer, nach Penzing hingegen nur 14. Obermeitingen gehöre doch auch zum Landkreis Landsberg?

Einbahnstraße einhalten

Inzwischen ist ein weiterer Impfkandidat angekommen. Fünf Personen warten jetzt vor dem Eingang. Eine ziemlich frostige Ange­legenheit. Und wenn es regnen sollte, auch eine ziemlich nasse. Das Problem: Zum Check-In dürfen die Kandidaten nur nacheinander. Erst danach könnten sie ins Wartezimmer samt Impf-Infofilm. „Wir sind von der Regierung aber angehalten, das Einbahnstraßensystem aufgrund der Infektionsgefahr einzuhalten“, erklärt Impfzentrumsleiter Peter Rasch. Deshalb können die Leute nicht vor dem Check-In ins Wartezimmer, denn das liegt weiter hinten im ‚Einbahn‘-Gang. „Wir kennen das Problem und arbeiten dran“, verspricht Rasch.

In diesem Moment öffnet sich der Eingang, das Ehepaar aus Utting darf zum Check-In. „Geht es Ihnen gut?“, fragt die Mitarbeiterin der Johanniter, die die Unterlagen wie Anmeldebogen, Impfeinwilligung und auch Medikamenten- oder Arztbrief prüft. Sie steckt im weißen Ganzkörperanzug wie alle, die hier arbeiten, samt FFP-2-Maske. „Ein Face Shield ist so nicht nötig“, informiert der Landsberger Arzt Dr. Wolfgang Weisensee vom MVZ am Klinikum, der heute im Impfzentrum aushilft. Auch alle Besucher hätten durchgehend FFP2-Masken auf, die Gefahr einer Infektion über die Schleimhaut der Augen sei da äußerst gering. Zudem lüfte man ständig alle Räume, „deshalb ist es hier auch ein bisschen frisch“, schmunzelt Weisensee. Um dennoch die Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren, dürfe eine Begleitperson nur mit ins Impfzentrum, wenn sie die medizinische oder amtliche Betreuung ist. „Das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung“, betont Weisensee.

Die Johanniter-Mitarbeiterin am Check-In misst die Temperatur der Impfkandidaten an der Stirn, die Sauerstoffsättigung im Blut am Finger. Bei der 82-jährigen Frau liegt sie bei 98 Prozent – besser geht‘s fast nicht. „Bleiben Sie gesund“, verabschiedet die Johanniterin das Ehepaar. „Alles Gute.“

Ein Assistent desinfiziert Thermo­meter und Sauerstoffmess-Finger­klemme, bevor er die beiden Uttinger am Wartezimmer vorbei ins Impfzimmer den Gang hinunter begleitet. In dem Raum steht ein Tisch samt Computer, zahlreiche medizinische Utensilien liegen daneben, an der Wand ist eine Liege aufgestellt – falls es doch einem mal schwindelig werden sollte. Nicht gerade ein Raum mit Charme – aber dafür mit Aussicht aus einem breiten Fenster auf die Alpenkulisse. „Impfen mit Wohlfühlambiente“, lacht die technische Assistentin, die mit im Zimmer ist und die Impfung durchführen wird.

Es folgt die Anamnese: „Hatten Sie Fieber innerhalb der letzten 14 Tage?“, fragt der Arzt. Chronische Erkrankungen, Allergien? Er habe einen Herzkatheder, sagt der Uttinger. Sie reagiere etwas auf Hausstaub, ergänzt seine Frau. Anschließend klärt der Arzt auf. „Sie bekommen heute die erste Impfung, die zweite dann in drei Wochen. Den Termin haben Sie bereits?“ Beide nicken. „Nach der zweiten Impfung dauert es noch sieben Tage, bis sie wirkt und Sie vor einer Erkrankung geschützt sind. Dennoch bitte weiterhin die Hygieneregeln beachten, Sie können andere Menschen infizieren“.

Was passieren kann

Danach wird das Ehepaar über mögliche Impfreaktionen aufgeklärt: Schmerzen an der Einstichstelle, Impfknotenschwellung, grippale Symptomatik. Dauere die länger als zwei Tage, solle man den Hausarzt konsultieren. Aufgeklärt wird auch über Impfkomplikationen wie allergische Reaktionen. „Die kommen sehr selten vor, wenn, dann innerhalb von 15 Minuten nach der Impfung.“ Deshalb beobachte man die Geimpften noch im Nachgang.

„Wir hatten bisher bei den Erst­impfungen überhaupt keine Nebenwirkungen außer ein wenig Müdigkeit und leichte Schmerzen an der Einstichstelle“, informiert Dr. Weisensee. Bei der Zweit­impfung habe es bei manchen Kollegen im Klinikum hingegen Reaktionen gegeben, „und zwar je jünger, desto heftiger“. Das Immunsystem reagiere da stärker. Weshalb man sich für den Tag nach der Impfung nicht allzu viel vornehmen sollte. „Ältere Menschen haben aber auch da bisher keine Reaktionen gehabt.“

Sie seien ja beide gegen Grippe geimpft, informiert die 82-jährige Uttingerin den Arzt. Und beide hätten sie anschließend so einen hohen Blutdruck gehabt. Ob das auch passieren könne? „Man muss ja wissen, wo es herkommt.“ Ja, auch das könne geschehen, antwortet der Arzt. Auch da bitte den Hausarzt informieren. Dass aufgeklärt wurde, bestätigt das Ehepaar mit einer Unterschrift. Dann endlich kommt die Impfung. Nachdem in den Impfpässen das Datum und mittels Chargenaufkleber der Impfstoff vermerkt wurde, greift die Assistentin zur Spritze. „Welchen Arm sollen wir denn nehmen?“, fragt sie. Bei Rechtshändern gerne den Linken, falls es doch im Nachhinein schmerzen sollte, empfiehlt sie.

Tupfer, bitte!

Tupfer, bitte!

„Haben Sie die dünnen Nadeln?“ erkundigt sich der 85-Jährige? Er habe gerne mal einen Bluterguss. „Die ganz Feinen“, versichert die Assistentin. Der Oberarm wird freigemacht, die nicht ganz kurze Nadel in den Arm gestochen, das Impfserum injiziert, abtupfen – fertig. „Wenn alles so schmerzlos wäre, wäre das Leben einfach“, lacht die Uttingerin. Sie habe vor der Nadel keine Angst. „Aber ich hab etwas Sorge vor dem, was vielleicht danach kommt.“ Man habe ja einiges gehört.

Um auf mögliche Impfkomplikationen sofort reagieren zu können, werden die beiden in den Kontrollbereich am Ende des Gangs gebracht. Ein Mitarbeiter der Johanniter hat den Raum im Blick, auch wenn die Wartebereiche durch Stellwände abgetrennt sind. Während er vor- und nachbereitet, spricht er mit den Wartenden. Über den schönen Ausblick beispielsweise, den grandiosen Sonnenaufgang heute morgen „da lohnt es sich richtig, früh hier zu sein.“ Er arbeite momentan sechs Tage die Woche, von halb acht bis 18 Uhr, „das ist schon knackig“.

Nach 15 Minuten fragt er nochmals das Ehepaar aus Utting, ob alles in Ordnung sei. Keine Schmerzen, kein Unbehagen? Kopfnicken beiderseits. Dann könnten sie jetzt gehen. „Manche behalten wir hier auch 30 Minuten“, sagt Dr. Weisensee. „Oft schau ich nochmal nach ihnen.“ Die beiden Uttinger gehen durch den Ausgang am Gangende ins Freie, wo bereits ihre Tochter auf sie wartet. Im Auto sitzend verabschieden sie sich. „Was man vielleicht erwähnen sollte“, sagt der 85-jährige Ehemann, „die sind hier alle wirklich sehr freundlich.“ Das bestätigt auch der Obermeitinger, der seine Eltern gerade in Empfang nimmt. „Und das, finde ich, kann man ruhig auch mal sagen.“

Die Impfung vom Öffnen der Eingangstüre bis zum Öffnen der Ausgangstüre hat ungefähr 30 Minuten gedauert. Wenn mehr Impfstoff da ist und mehr Personen geimpft werden können – bis zu 300 am Tag, schätzt Weisensee –, kann es zu Wartezeiten kommen.
Susanne Greiner

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