"Zufall wie ein Lottogewinn"

Mit einem Freispruch ist die Verhandlung gegen einen 51-Jährigen aus Landsberg zu Ende gegangen. Er stand am Dienstag wegen der Verbreitung kinderpornographischer Schriften vor dem Amtsgericht. Nach Überzeugung von Richterin Beate Kreller konnte dem Frührentner der Vorwurf aber nicht ausreichend nachgewiesen werden.

Aufmerksam geworden war man auf den Angeklagten bei Internetrecherchen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. Die Ermittler fahndeten auf Online-Tauschbörsen nach Nutzern, die kinderpornographische Sequenzen herunterluden oder verbreiteten. So stieß man auf die IP-Adresse des Landsbergers und gab den Fall an die Kripo Fürstenfeldbruck weiter. Die Beamten nahmen bei dem 51-Jährigen eine Hausdurchsuchung vor und be­schlagnahm­ten seinen Computer und weitere Geräte. Bei der Untersuchung der Fest­platte stellte sich heraus, dass das System kurz zuvor neu installiert und dabei etliche Daten gelöscht worden waren. „Wir konnten kein kinderpor­no­­­graphisches Material wiederherstellen, haben aber Textfragmente von Dateinamen ge­funden, die auf solche Inhalte schließen lassen“, berichtete der ermittelnde Beamte. Außerdem tauchte eine Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzungen auf, aus der hervorging, dass der Angeklagte normales pornografisches Material illegal aus dem Internet heruntergeladen hatte. Die dazugehörige Unterlassungserklärung hatte er unterschrieben – für die Polizei ein Schuldanerkenntnis. Wenige Tage nach Ein­gang der Abmahnung hatte er seinen Computer neu installiert, „das ist ein Zufall wie ein Lottogewinn“, so der Beamte. Der 51-Jährige, der ohne Verteidiger auftrat, bestritt die Vorwürfe. Er habe nie illegal Filme besessen und die Unterlas­sungs­erklärung nur deshalb un­- terschrie­ben, „um keinen Ärger zu bekommen“. Nach seiner Aussage war im fraglichen Zeitraum im Sommer vergangenen Jahres sein W-LAN-Netz über zwei bis drei Monate offen, das heißt es konnte auch von anderen unerkannt genutzt werden – nur so könne er sich erklären, dass seine IP-Adresse auf dem Schirm der Fahnder gelandet sei. Seinen Computer habe er „selbst zusammengeschustert“ und Festplatten dafür gebraucht gekauft, zum Beispiel auf dem Flohmarkt. Die von der Polizei sichergestellten Fragmente müssten von einem früheren Besitzer stammen. Das Gegenteil war dem Mann nicht zu beweisen. „Ein kinderpornographischer Film wurde nicht gefunden“, stellte Richterin Beate Kreller fest. „Und die ge­löschten Dateien besagen nicht, dass der Angeklagte die Inhalte gekannt hat.“ Folglich sprach sie den Landsberger frei.

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