"Strandbad-Kultur" bleibt erhalten

Uttinger Strandbad: Sprungturm wird außerhalb der Öffnungszeiten verschlossen

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Als „Gefahrenquelle Nr. 1“ außerhalb der Öffnungszeiten sieht das Rechtsgutachten von Prof. Dr. Werner Leitner den Sprungturm im Dießener Strandbad. Er muss jetzt entsprechend verschlossen werden.

Utting – Seit über hundert Jahren rühmt sich Utting mit seiner am Ammersee wohl einmaligen „Strandbad-Kultur“, die nicht nur während der Badesaison gilt. Zu jeder Jahres-, Tag- und Nachtzeit beharren die Strandbad-Fans auf Zugang zu ihrem Juwel am See. Sie genießen die ersten und letzten Sonnenstrahlen auf dem Holzdeck und die grandiose Aussicht auf die Alpenkette. Vor allem vom hölzernen Sprungturm aus, der 1936 in seiner Urform und 2001 in seiner jetzigen Form errichtet wurde.

Damit ist jetzt außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten Schluss. Nach dem in der aktuellen Gemeinderatssitzung diskutierten Fazit des wegen der Haftungsfrage erstellten Rechtsgutachtens muss der Turm so abgeriegelt und verschlossen werden, dass niemandem mehr das Betreten, Hochklettern und Springen ermöglicht werden kann. Nur so und mit einer entsprechenden Beschilderung würde die Gemeinde ihrer sogenannten „Garantenpflicht“ außerhalb der Öffnungszeiten nachkommen. Bürgermeister Josef Lutzenberger: „Mit dieser Handhabung wären beim Strandbad die zunächst divergierenden Anliegen – Sicherheit auf der einen Seite und Pflege von Tradition und Strandbad-Kultur auf der anderen Seite – unter strafrechtlichen Gesichtspunkten in einen vernünftigen und rechtssicheren Einklang zu bringen.“

Das Ganze kam ins Rollen, weil im Gemeinderat die Frage aufkam, wer außerhalb der regulären Bad-Öffnungszeiten bei einem Unfall haften muss. Um ganz sicher zu gehen, bestellte man bei dem renommierten Münchner Strafrechtsprofessor Dr. Werner Leitner ein rechtswissenschaftliches Gutachten, das jetzt dem Gemeinderat vorlag und den Sprungturm als „Gefahrenquelle Nr. 1“ auswies. Diese Rechtssicherheit hatte übrigens ihren Preis: 19.507 Euro kostete der Gemeinde das Gutachten.

Gemeinderat und Verwaltung werden jetzt mit dem Bauhof ein praktikable Lösung ausarbeiten, wie man den Zugang zum Sprungturm und auch die einzelnen Absprünge außerhalb der Öffnungszeiten und der Badesaison temporär verschließen kann. Bis zur Fertigstellung dieser „zweckgerichteten Maßnahmen“ erschwert die Gemeinde den Zugang zum Strandbad. Der Biergarten wurde verschlossen und am Badeingang wurde ein selbstschließendes Tor mit hohem Öffnungsriegel installiert, damit Kinder nicht alleine auf das Gelände gelangen können.

Auch mit dem langjährigen Strandbadpächter Rupert Riedel will Bürgermeister Lutzenberger wegen einer wetterbedingten Verlängerung der offiziellen Öffnungszeiten und Beaufsichtigung von 10 bis 18 Uhr verhandeln.

Ein für jedermann öffentlicher Zugang zum Strandbad außerhalb der Öffnungszeiten und der Sommersaison mit Ausnahme des Sprungturms wird also wohl weiterhin möglich sein.

Während sich die Uttinger über das Ergebnis freuen können, herrscht in der Nachbargemeinde Dießen immer noch Unmut gegenüber Rathaus und Marktgemeinderat. Und zwar von der „Bürgerinitiative Strandbad St. Alban und Riederau“ um Peter Augsdörfer. Die 150 Unterzeichner einer Petition fordern eine schnelle Lösung bezüglich der Öffnungszeiten der Strandbäder sowie zwei frei zugängliche Badestrände in Dießen. Bei der Bürgerversammlung am 21. März im Gasthof Kirchsteig wollen sie ihrer Forderung Nachdruck verleihen, bevor der Gemeinderat am 25. März über die Problematik berät und beschließt.

Dieter Roettig

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