Panne an der Tanke in Lengenfeld:

Wenn aus der Benzin-Zapfsäule plötzlich Diesel fließt

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Wenn der falsche Sprit im Tank landet, kann das richtig teuer werden.

Lengenfeld – Diesel in einen Benziner getankt? Da mag so mancher Zeitgenosse erstmal an eine Blondine denken, die des Zapfens nicht immer mächtig ist. Aber weit gefehlt. Es ist nämlich nicht der Anfang eines schlechten Witzes, sondern ein ärgerlicher Vorfall, der am Wochenende zahlreichen Autofahrern übel mitgespielt hat. Warum? Weil der Fahrer eines Tank­lastzuges den Vorratsbehälter einer Tanke in Lengen­feld falsch befüllte: Diesel statt Superbenzin. Und keiner hat‘s bemerkt. Zunächst nicht.

Wer denkt schon beim Tanken an so einen Supergau für alle Beteiligten. Auch Rainer S. (Name geändert) nicht, als sein Auto plötzlich zu mucken begann. „Ich hatte mit einem Marderschaden gerechnet“, berichtet er im Gespräch mit dem KREISBOTEN. Verständlich, wer kommt denn auch darauf, dass kein Benzin drin ist, wo Benzin draufsteht. Nachdem S.‘ Auto nicht mehr richtig anspringen wollte, ging es also in die Werkstatt. Dort habe man ihm dann erklärt, dass an dem Problem nicht etwa ein Nagetier Schuld sei. Im Tank seines Benziners war Diesel, musste sich S. belehren lassen. Falsch getankt? Nein, keineswegs, da war sich S. ganz sicher. Egal, erst mal mussten Tank und Leitungen ausgepumpt und gereinigt werden.

Ein weiterer Geschädigter hatte ähnliche Probleme. Er musste sein Auto abschleppen lassen, nachdem es den Dienst ver­wei­gerte. In der ersten Kfz-Werkstatt ging man noch davon aus, dass die betagte Karosse aufgrund ihres Alters nicht mehr so richtig wollte. Gleich verschrotten lassen? „Viel Geld reinzustecken hätte sich ja nicht mehr gelohnt“, erzählt der Mann aus dem Landkreis. Glücklicherweise fuhr er dann eine zweite Werkstatt an. Und dort hatte man eine Vorahnung, die sich wenig später bestätigte: Schon wieder einer mit Dieselkraftstoff im Benzintank.

Beide Betroffenen berichten, dass man ihnen im Anschluss an den Werkstattbesuch an der Lengenfelder Tankstelle sehr offen begegnet sei. Man habe sofort eingeräumt, dass bei der Anlieferung des Dieseltreibstoff wohl ein Fehler unterlaufen sei. „Sie haben zwar alles aufgenommen, aber seitdem habe ich nichts mehr von ihnen gehört“, meint S.. Vielleicht braucht man da erst mal ein wenig Geduld.

Was die Geschädigten ärgert, ist die Tatsache, dass die Öffentlichkeit noch nicht informiert wurde. Weder auf der Webseite der Tankstelle, die mittlerweile offline ist (Stand Dienstag Mittag), noch in den sozialen Medien findet man einen Hinweis auf das Missgeschick, um weitere Fahrzeugschäden eventuell noch zu verhindern.

Zapfsäulen gesperrt

Auf Nachfrage des KREISBOTEN erklärt Geschäftsführerin Edeltraud Deuringer schriftlich: „Es ist richtig, dass es kurzfristig eine Vermischung gegeben hat.“ Man habe den Fehler am Samstag bemerkt und die betroffenen Zapfsäulen sofort gesperrt. Seit Montagmorgen sei wieder alles in Ordnung, der Tankbetrieb laufe wie gewohnt.

Die Kunden seien, soweit bekannt, persönlich oder durch einen Aushang informiert worden, erklärt Deuringer. Eine Zusage zur Kostenübernahme durch den Spritlieferanten liege ebenfalls vor. „Das Missgeschick bedauern wir alle sehr bedauert; wir arbeiten mit Hochdruck an der Schadensregulierung.“

Wie viele Tankkunden betroffen seien, wollte der Betreiber Markus Horn indes nicht verraten. Dem Vernehmen nach haben über 100 Autos den falschen Kraftstoff getankt. Auch Dieselfahrer sollen sich mittlerweile gemeldet haben. „Ich mache dazu keine Angaben“ war jedoch die einzige Auskunft, die der Betreiber dazu geben wollte.

Wer am Freitag oder Samstag an der Tankstelle in Lengen­feld seinen Benziner aufgefüllt und jetzt Probleme hat, für den heißt es: ab zur Werkstatt. Ansonsten kann es zu schwerwiegenden Schäden am Auto kommen, wie der Kfz-Sachverständige Andreas Ücker erklärt. „Der Schaden hängt stark davon ab, ob und wie weit man nach dem Tanken gefahren ist.“ War es nicht weit, reiche es, den Filter zu wechseln und den Tank zu reinigen. War man aber schon weiter unterwegs, brauche man nach dem Auspumpen auch eine neue Ölpumpe, sagt Ücker.

Übrigens: Tankt man Benzin in einen Diesel, dann kommt es noch dicker. Ein Motorschaden ist dann sehr wahrscheinlich. Sollte also der Verdacht bestehen, dass der falsche Sprit im Tank gelandet ist, dann den Motor auf keinen Fall mehr starten. Stattdessen: Abschleppdienst rufen und ab zur Werkstatt.

Stephanie Novy/Toni Schwaiger

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