Zurück im Abstiegsstrudel

Kam wie seine Kollegen oft zu spät: TSV-Verteidiger Marcus Steinberger (li.). Foto: Krivec

Fußballtrainer gehören mehrheitlich durchaus zur impulsiveren Hälfte der Menschheit, dementsprechend ist es oft kein gutes Zeichen, wenn sie plötzlich sehr ruhig werden. Zu beobachten war das an TSV-Coach Sven Kresin, der am vergangenen Samstag bei der Partie gegen den Sportbund Rosenheim irgendwann still auf seinem Stuhl saß und wohl wie die 200 Zuschauer im Sportzentrum schon vor der 87. Minute das Gefühl hatte, dass die Geschichte einfach nicht gut ausgehen würde, egal, was seine Mannschaft an diesem Nachmittag noch anstellte. Und so überraschte dann auch niemand wirklich, was drei Minuten vor Schluss geschah: Ein zu kurzer Abstoß von TSV-Torwart Freier wurde aus dem Mittelfeld in Richtung der komplett in der Vorwärtsbewegung befindlichen Landsberger Hintermannschaft zurückgeköpft, so dass der eingewechselte Alex Spreitzer völlig alleine auf Freier zulaufen und diesen zum entscheidenden 0:1 überlupfen durfte.

Es passte wiederum auf Rosenheimer Seite perfekt zu diesem Spiel, dass Kaya Onur den entscheidenden Treffer eben nicht erzielte. 16 Mal hat der Rosenheimer in dieser Saison bereits getroffen, doch am Samstag zeigte er sich in Landsberg als Chancentod. 9. Minute: Onur schießt freistehend links oben vorbei, nachdem ihm die TSV-Abwehr den Ball aufgelegt hatte. 15. Minute: Onur setzt einen Kopfball nach Flanke knapp neben das Tor. 30. Minute: Onur verzieht völlig frei aus 14 Metern. 34. Minute: Onur läuft alleine auf den Torwart zu und trifft den linken Pfosten. 57. Minute: Onur rutscht in eine Hereingabe, wieder der linke Pfosten. 58. Minute: Freier pariert in höchster Not gegen Onur. Kresin wollte die Torfabrik Onur ohnehin nicht überbewertet wissen: „Wenn wir unsere Chancen besser nützen würden, könnte ein Robert Rakaric schon 24 Tore auf dem Konto haben.“ Der fand aber diesmal wie seine Mannschaftskollegen über weite Strecken nicht richtig ins Spiel. Zu oft kam man einen Schritt zu spät, der Gegner schien gedanklich immer einen Tick schneller zu sein. Über weite Strecken kam der TSV mit dem forschen Zweikampfverhalten des SBR nicht zurecht und geriet mehrfach bereits im Spielaufbau so sehr unter Druck, dass etliche Bälle mehr oder minder unkontrolliert schnell wieder an die Rosenheimer abgegeben wurden, was dann des öfteren für brenzlige Situationen in der Hintermannschaft sorgte. Für Trainer Kresin der Anlass, grundsätzliches anzusprechen: „Vielleicht sind einige Spieler, an ihren Grenzen angelangt. Im Moment kann jedenfalls keiner einen Anspruch stellen, höher zu spielen, besser als das, was die Tabelle aussagt, sind wir zurzeit einfach nicht.“ Es spricht für die Landsberger, dass sie sich trotzdem ihre Chancen erarbeiteten. Auch wenn an diesem Tag im Aufbau vieles schiefging und man einem starken Gegner gegenüberstand, hätte man mit etwas Glück die Partie durchaus für sich entscheiden können – oder mit der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung. Denn im Gegensatz zur Schlussphase war Sven Kresin in der 23. Minute gar nicht ruhig – im Gegenteil: Der TSV-Trainer forderte vehement einen Elfmeter für sein Team, nachdem Muriz Salemovic im Strafraum gehalten worden war. Nicht besser wurde es in der 43. Minute, als sein Gegenspieler Salemovic einen Meter vor dem Sechzehner komplett das Trikot aus der Hose zog, was sowohl Schiedsrichter als auch Assistent geflissentlich übersahen. Ansonsten war von der Nummer zehn dank der von Rosenheims Trainer Walter Werner angeordneten Sonderbewachung wenig zu sehen, in der 33. Minute allerdings war er an der besten Chance seines Teams beteiligt. Salemovic bediente sehenswert Bonfert, der legte schön auf Rakaric zurück, der direkt abschloss – genauso gut allerdings die Parade von Rosenheims Torhüter Vockensperger, der den Ball mit den Fingerspitzen noch am linken Pfosten vorbei lenkte. Selbst in der zweiten Hälfte, als der Spielfluss mehr und mehr verlorenging, kam auch der TSV noch zu Gelegenheiten. Mario Michelini scheiterte zunächst in der 48. Minute mit seinem Torschuss nur am Bein eines Rosenheimer Verteidigers und fünf Minuten später aus kurzer Distanz an Vockensperger – an dem kam aus spitzem Winkel nach einer knappen Stunde auch Sebastian Bonfert nicht vorbei. Damit war das Landsberger Pulver dann aber auch verschossen, es gab mehr und mehr Fehler zu sehen. Kresin: „Ich musste der Mannschaft nach dem Spiel nicht mehr viel sagen, es wissen ja alle selbst, dass wir endlich diese individuellen Fehler abstellen müssen.“ Und was sich angesichts des zuvor scheinbar komfortablen Tabellenplatzes zehn bislang als eher abstrakte Mahnung von Coach Kresin angehört hatte, ist jetzt bittere Realität: Der TSV steckt dank der engen Ergebnisse im Mittelfeld mitten im Abstiegskampf. Mit 24 Punkten ist man auf Rang zwölf abgerutscht. Drei Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellenvorletzten. Gar nur zwei Zähler beträgt das Polster auf den 14., den FC Affing. Dort treten die Landsberger am kommenden Wochenende zum letzten Spiel vor der Winterpause an; die Partie wird somit entscheidend dafür, ob man bis März einigermaßen komfortabel oder im Tabellenkeller überwintert. Kresin warnt: „Wenn bei uns nicht jeder eine Schippe drauflegt, gibt es da wieder auf die Nuss."

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