Zusätzlicher Strom

Am Untermüllerplatz soll schon bald die Wasserkraft wieder genutzt werden. Foto: Nagl

Schon bald soll die Wasserkraft des Wasserfalls am Untermüllerplatz wieder zur Stromgewinnung genutzt werden. Bis in die 70er Jahre drehte sich hier das Wasserrad der ehemaligen Hofnermühle mit bis zu 20 PS Leistung. Nun hat sich der Gemeinderat einstimmig für die Einleitung eines wasserrechtlichen Verfahrens entschieden. Blickt man zurück, ist der Mühlbach schon seit Langem eine wichtige Energiequelle der Gemeinde.

Früher teilten sich Mühlen und Sägewerke die Wasserrechte am Bach. Darunter auch die Mühle des Klostermüllers Georg Gröbl (1865 – 1949), der 1895 in unmittelbarer Nachbarschaft des Marienmünsters das heutige Elektrizitätswerk Stadler gründete. Die Gründung eines E-Werkes zu einer Zeit, in der selbst die größeren Städte noch keine Stromversorung hatten, kann durchaus als Pionierleistung bezeichnet werden. Der Lauf des Mühlbachs bestimmt bis heute die Stromverteilung. Nacheinander entstan-den entlang des Gewässers die Kraftwerksstufen Klostermühle, Schönherrwerk und Marktwerk. Am Rande des etwa 5,4 Quadratkilometer großen Einzugsgebietes des Mühlbaches, im Moosanger bei St. Georgen steht das Einlaufbauwerk, in dem die Rohrleitung beginnt. Der Wasserspiegel des alten Bachs wird durch einen fest eingebauten Überlauf konstant gehalten. Die Wende zum 20. Jahrhundert brachte ein starkes Ansteigen des Stromverbrauches durch gewerbliche Betriebe. Gröbl baute deshalb die im Jahr 1902 erworbene Hammerschmiede Schönherr zur zweiten Kraftwerksstufe aus. Die im Jahre 1928 vorgenommene Erweiterung der Graphischen Kunstanstalt Jos.C. Huber erforderte 1929 die Aufstellung eines zweiten größeren MAN-Dieselmotors und den Umbau der elektrischen Schaltanlage. Im Jahr 1910 erbaute die Gemeinde Dießen mit dem Marktwerk die dritte Kraftwerksstufe. Da dieses Werk in der Ortsmitte liegt, errichtet Gröbl hier die Schalt- und Verteilungsanlagen für den Ortskern und die Straßenbeleuchtung. Erst 1937 reichte die Wasserkraft zur Stromversorgung nicht mehr aus. Das Elektrizitätswerk Gröbl-Stadler & Co. musste auf Fremdbezug aus dem Isarwerksnetz übergehen. Heute deckt die Wasserkraft noch fünf Prozent des gesamten Strombedarfs der Marktgemeinde. Durch den geplanten Einbau einer sogenannten Steffturbine – einem vom Wassergefälle angetriebenen Umlaufband – am Untermüllerplatz könnte die Gemeinde pro Jahr zusätzlich den Stromverbrauch für rund 25 Haushalte erzeugen. Kürzlich hat sich der Gemeinderat für die Beantragung eines wasserrechtlichen Verfahrens beim Landratsamt ausgesprochen. Dazu wurde das Ingenieurbüro Wöllisch aus Starnberg beauftragt. Dieser Schritt sei laut Bürgermeister Herbert Kirsch als Baugenehmigung für den geplanten Einbau eines Kleinwasserkraftwerks notwendig.

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