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Zuschuss für Mini-Solaranlagen: Kaufering zaudert

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Von: Andrea Schmelzle

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Mini-Solaranlagen könnte die Gemeinde in Höhenkirchen-Siegertsbrunn bezuschussen. symbolFoto: dpa
Mini-Solaranlagen wie diese könnte die Marktgemeinde mit bis zu 200 Euro pro Haushalt bezuschussen. Der Beschluss wurde aber vertagt. (Symbolfoto) © Jörg Sutter

Kaufering – Energiekrise, drohende Preissteigerungen im bis zu fünfstelligen Bereich – vielleicht sogar Totalausfall? Keine leichten Zeiten für Verbraucher. Im Hinblick auf eine sichere Stromversorgung für Kauferinger Haushalte sowie eine Entlastung der Stromnetze möchte die Marktgemeinde Fördermöglichkeiten bieten, privat Strom für den Eigenver­brauch zu erzeugen. Den Grundsatzbeschluss zur Förderung heimischer Mini-Solaranlagen traf der Gemeinderat noch nicht, er vertagte die Entscheidung. 

Klimafreundlichen Solarstrom mit heimischen Mini-Solaranla­gen (PlugIn) auf dem eigenen Balkon, Garagendach oder der Terrasse erzeugen: Im Gegen­satz zu Photovoltaikanlagen sind die kleinen Module dafür gedacht, dass Privatpersonen (auch Mieter) sie selbst anbringen, über Stecker anschließen und direkt nutzen. Verbraucher können damit einen Teil ihres Strom-Grundbedarfs abdecken. Der Jahresertrag einer 600-Watt- PlugIn-Solaranlage liegt bei circa 620 Kilowattstunden. Das trage zum einen zu einer Entlastung der Stromnetze bei, hieß es in der Beschlussvorlage, zum anderen ergebe sich daraus – je nach Stromtarif – eine Einsparmöglichkeit in Höhe von 80 bis 180 Euro pro Jahr für den Haushalt.

Eventueller Stolperstein: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schreibe vor, dass Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu 25 Kilowatt maximal 70 Prozent ihrer produzierten Energie ins Stromnetz einspeisen dürfen, erklärte Bürgermeister Thomas Salzberger (SPD). Obwohl Mini-Solaranlagen mit 600 Watt nur einen Bruchteil der produzierten Energie ins Netz einspeisen (wenn überhaupt), gelte das Gesetz auch dafür. Deshalb müsse eine smarte Steckdose verwendet werden, die den Verbrauch und den eingespeisten Strom misst (Home-Control-Steckdose), erläutert Geschäftsstellenleiter Dominic Jödicke. Damit könne man nachweisen, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Etwa 600 bis 800 Euro kostet eine solche Mini-Solaranlage. Für deren Anschaffung soll es einen Zuschuss von 50 Prozent, maximal jedoch 200 Euro pro Haushalt geben. 12.000 Euro liegen dafür 2022 im Kauferinger „Fördertopf“ bereit – diese Summe entstamme noch aus ehemals bereitgestellten Mitteln für das im Februar dieses Jahres vom Gemeinderat abgelehnte BürgerBudget, sagte Salzberger. Damit könne man 60 Kauferinger Haushalten fördern.

Der Betrag, der für das kommende Jahr eingeplant werden muss, hänge von der Resonanz und der Anzahl der Anträge ab, die in diesem Jahr eingehen. Förderberechtigt seien sowohl Eigentümer als auch Mieter – das Einverständnis des Vermieters müsse jedoch vorliegen, so Salzberger. Im Falle einer Förderung darf die Anlage fünf Jahre lang nicht veräußert werden (Bindungsfrist). Zudem muss die rechtliche Zulässigkeit gesichert sein, sprich: Bauplanungs-, Bauordnungs- sowie Denkmalrecht sollten gewahrt werden.

»Jedes Watt zählt«

Man wolle mit schnell verfügbaren Mitteln noch für den Rest des Jahres einen Anreiz schaffen, betonte der Bürgermeister. Als Kommune müsse man in Bezug auf die Energiewende eine Vorreiterrolle einnehmen, ergänzte seine Stellvertreterin Gabriele Hunger (CSU). Die Fördersumme müsse „ja nicht das Ende der Fahnenstange sein“, darauf könne man aufbauen.

Wenn Geld „übrig“ sei, sei ein solcher schnell umzusetzender Anreiz eine „super Sache“, betonte Franz Triebel (Grüne), allemal besser, als „irgendwelche Schlaglöcher zu füllen“. Die Gemeinde habe der Herausforderung der Energiekrise mit allen Mitteln zu begegnen, sagte auch Dritter Bürgermeister Andreas Keller (Grüne) – vor allem hinsichtlich des bevorstehenden Winters. „Jedes Watt zählt.“

Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, Mini-Solaranlagen zu fördern, dafür gebe es andere Töpfe“, meinte hingegen Stephan Nitsche (CSU). Und verwies auf den Haushalt, in dem ,Freiwillige Leistungen‘ zu vermeiden seien. Ob solche Solaranlagen momentan lieferbar ist oder nicht, stehe in den Sternen, zweifelte Markus Wasserle (SPD) an. Zudem scheine im Winter weniger die Sonne – somit „wird uns die Maßnahme dieses Jahr nicht mehr retten“. Er plädierte dafür, die Entscheidung zu vertagen. Es sei eine „gute Initiative“, die aber nicht „ins Blaue hinein“ getätigt werden dürfe – mit einer Summe, die derzeit „viel zu viel oder viel zu wenig sein könnte“. Auch die soziale Komponente sei noch nicht ausreichend berücksichtigt, meinte Sascha Kenzler (UBV). Sozial schwache Haushalte bräuchten eine vorrangige Förderung

Nach dem 9:8 für die Vertagung der Entscheidung sagte Bürgermeister Salzberger: „Wir werden die Anregungen der Fraktionen berücksichtigen und in unsere Überlegungen mit einbeziehen.“ Im Oktober komme das Thema wieder auf den Ratstisch.

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