Nur ein Achtel des Haushaltsüblichen:

Trinkwasser zum Schnäppchenpreis

+
Aus den Hähnen in Kaufering sprudelte jüngst im Zuge der Notverbundlieferung überaus günstiges Trinkwasser: 20,4 Cent pro Kubikmeter. Das ist nur ein Achtel dessen, was Landsberger Haushalte aktuell bezahlen.

Landsberg – Ein gutes Geschäft für Kaufering, ein schlechtes für Landsberg: Der Markt überweist den Stadtwerken Landsberg nur „40 Pfennig“, also 20,4 Cent, pro Kubikmeter Wasser. Das ist ein Achtel dessen, was Landsberger Haushalte 2016 zahlen mussten. Nachdem Stadtrat Stefan Meiser (ÖDP) auf diese Tatsache aufmerksam gemacht und der KREISBOTE eine Anfrage an das Kommunalunternehmen gerichtet hatte, bestätigten die Stadtwerke diesen „Schnäppchenpreis“ in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Zwar sei es üblich, dass ein Großabnehmer, der nur Teile der Infrastruktur in Anspruch nehme, nicht den vollen Endkundenpreis bezahle, erklärten die beiden Vorstände, Norbert Köhler und Christof Lange. Aber den Betrag von etwas mehr als 20 Cent pro Kubikmeter hielten auch sie für deutlich zu niedrig. Allerdings seien ihnen die Hände gebunden: Oberbürgermeister Franz-Xaver Rößle und Bürgermeister Klaus Bühler hatten ihn im Jahr 1998 auf 22 Jahre festgeschrieben.

Tatsächlich enthält die Zweckvereinbarung, die die beiden Verwaltungschefs damals mit Hilfe des Landrats­amts Landsberg abgeschlossen hatten, keine Gleitklausel. „Die Gemeinde entrichtet für das bezogene Trink- und Brauchwasser pro Kubikmeter 0,40 DM“, heißt es dort unter „Wasserpreis“. Irgendeine Art von Anpassungsmöglichkeit an veränderte Verhältnisse findet sich im Vertragstext nicht. Trotz einer sehr langen Vertragslaufzeit: „Die Zweckvereinbarung gilt mindestens 20 Jahre. Sie kann danach mit einer Frist von zwei Jahren zum Jahresende gekündigt werden.“

Setzt man die damals vereinbarten 40 Pfennig ins Verhältnis zum damaligen Endkundenpreis von 1,50 DM und überträgt das Ergebnis auf das heutige Tarifniveau, müsste Kaufering statt 20,4 Cent etwa 45 Cent, ab 1. Januar 2017 sogar 53 Cent pro Kubikmeter zahlen. Dabei wäre immer noch der gleiche hohe interkommunale Rabatt von 83 Prozent berücksichtigt. In absoluten Zahlen: Für den Wasserbezug 2016 in Höhe von 206.804 Kubikmeter zahlte Kaufering nur 42.188 Euro. Bei gleicher Rabattierung wären aber 93.000 Euro angemessen gewesen. Ohne Rabatt stünden sogar 350.000 Euro auf der Rechnung.

Neue Vereinbarung

Allerdings gilt dies nur für 2016, weil Kaufering den „Notwasserverbund“ aufgrund der Verkeimung des eigenen Wassers in diesem Jahr erstmals in Anspruch nahm. In den Jahren zuvor betrug die bezogene Wassermenge nur jeweils 5.000 bis 8.000 Kubikmeter; der günstige Preis fiel dadurch nicht besonders ins Gewicht. Dieser Bezug geht auf den zweiten Anlass der damaligen Vereinbarung zurück: Die beiden Kommunen wollten sicherstellen, dass im Kauferinger Westen genug Lösch­wasser zur Verfügung steht.

Die Leitungen der Stadtwerke Landsberg gehen ohnehin bis zur Flurgrenze, durchqueren also auch das „Trenngrün“ südlich von Kaufering. Und die Stadtwerke Landsberg sind sogar daran interessiert, dass ihre Leitungen regelmäßig durchspült werden, damit im Industriegebiet stets frisches Wasser aus den Leitungen kommt.

Deswegen sei es auch weiterhin sinnvoll, betonten Lange und Köhler, die Vereinbarung aufrecht zu erhalten. Auch sei es natürlich eine Selbstverständlichkeit, der Nachbargemeinde in einer Notlage zu helfen. Doch die Vereinbarung müsse auf eine neue Grundlage gestellt werden. Die Stadtwerke hätten die Kündigung bereits eingeleitet, erste Gespräche über einen Neuabschluss hätten bereits stattgefunden. Von beiden Seiten bestehe der Wunsch, zu einer neuen Vereinbarung mit einem angepassten Preis zu kommen.

Ob der Markt Kaufering dabei bereit ist, den alten Vertrag vorzeitig zu beenden, ist aber noch nicht geklärt.

Werner Lauff

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Wie sieht das neue Inselbad aus?
Wie sieht das neue Inselbad aus?
Wetterfestes Publikum
Wetterfestes Publikum
Parknotstand durch Neubau?
Parknotstand durch Neubau?

Kommentare