Neues Grünkonzept

Mulchen verboten!

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Die städtische Streuobstwiese (Foto) vor dem Bienenlehrzentrum des Bezirks Oberbayern an der Epfenhausenere Straße mulchen zu lassen, grenzt nach Grünen-Stadtrat Dr. Andreas Hartmann „fast schon an Wahnsinn“.

Landsberg – Mähen oder Mulchen? An dieser gar nicht so banalen Frage hat sich im Stadtrat eine Diskussion über das nach knapp zwei Jahren vorliegende „Grünkonzept“ der Verwaltung entzündet. Am Ende überzeugten die Grünen auch die restlichen Räte von ihrem Vorstoß.

„Fast schon einen Wahnsinn“ nannte Dr. Andreas Hartmann die Pläne von Landschaftsarchitektin Pia Becker (Tiefbauamt), „wenn jetzt auch noch die Streuobstwiesen in der Epfenhauser Straße gemulcht werden sollen, alleine schon wegen der Bienen dort.“

Im Gegensatz zur Mahd, bei der der Grünschnitt abtransportiert und entsorgt wird, lässt man beim Mulchen das zerkleinerte Mähgut liegen. Die Stadt praktiziert diese Methode auf zahlreichen Flächen, weil dabei keine Kosten für Entsorgung anfallen. Nach der Stellungnahme von Becker kein Problem, nennenswerte Auswir- kun­gen auf Tier- und Pflanzenwerk gebe es ihren Informationen nach nicht, so die Leiterin von „Stadtgrün“, die dazu einen Artikel von 2007 als Beleg anheftete. „Ausgerechnet diese Veröffentlichung zu zitieren, ist fast schon eine Unverschämtheit“, meinte ein sichtlich verärgerter Dr. Hartmann, „es ist die einzige unter hunderten, die solche Behauptungen aufstellt. Die Schädlichkeit des Mulchens ist längst erwiesen.“

Seine Fraktion präsentierte dann auch eine Stellungnahme eines Universitäts-Experten aus München, der diese Einschätzung ausdrücklich teilt. Bleibe das Grüngut liegen, leide die Pflanzenvielfalt und durch den Nährstoffeintrag würden die Wiesen immer fetter. Hartmann: „Dann muss ich ganz schnell öfter mähen und das kostet auch Geld.“

Stadtbaumeisterin Annegret Michler, mit der Materie vertraut, gab sich salomonisch: „Ich weiß, dass Frau Becker sich sehr ausführlich damit beschäftigt hat und für das Konzept Kosten, Personal und Maschineneinsatz mit dem Naturschutz und der Artenvielfalt gegenübergestellt hat.“ In Gesprächen zwischen „Stadtgrün“ und den Grünen habe sich aber gezeigt, „dass Sie in den Standpunkten sehr weit auseinander sind.“

Während der neue Referent für das Thema, Bernhard Ott (CSU), dafür plädierte, den Punkt zu verschieben („Ich bitte um Verständnis, dass ich mich da erst einlesen muss.“), hatte Dr. Wolfgang Weisensee (LLM) selbst schon praktische Erfahrungen mit beiden Methoden gemacht: „Wir hatten in Schwifting eine Freifläche, wo auf der Hälfte von der Stadt Mulchen vorgeschrieben war. Dieser Bereich hat sich auch zehn Jahre später davon nicht erholt.“

Schnittgut entfernen

Das Gremium war sich dann einig: Das Schnittgut muss in Zukunft von allen städtischen Flächen entfernt werden, es darf nicht mehr gemulcht werden. Die entsprechende Passage im Beschlussvorschlag wurde geändert, Ende 2015 will man die Ergebnisse überprüfen.

Damit ist ein vorläufiger Schlussstrich unter das Kapitel „Pflegekonzept für Grünflächen“, das lange seiner Erledigung harrte: Der entspre­- chende Antrag der Grünen datiert bereits vom 10. Juli 2012. „Da würde mich mal interessieren, wieviel Arbeitszeit Frau Becker seitdem in dieses Konzept gesteckt hat“, wollte Dr. Reinhard Steuer (UBV) dann noch wissen. Das lasse sich allerdings laut Michler „nicht quantifizieren“, da an dem Papier „immer wieder mal zwischendrin gearbeitet wurde, wenn Zeit dafür war.“

Christoph Kruse

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