Von wegen Ensembleschutz:

Ein "Minarett" mitten in der Altstadt?

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Ist etwa eine Moschee samt Minarett in unmittelbarer Nähe der Stadtpfarrkirche erwachsen? Nein, bei den die zwei Türmchen auf dem AWO-Seniorenzentrum handelt es sich um Mobilfunkantennen – und diese sorgen für helle Aufregung bei der Stadt.

Landsberg – Minarette sind die zwei weißen Türmchen auf dem AWO-Seniorenzentrum in Landsberg sicher nicht, dennoch war und ist die humorvoll gemeinte Assoziation des KREISBOTEN-Kolumnisten „Lechhansl“ Stein des Anstoßes für heftige Debatten über die zwei Mobilfunktürme in der Lechstraße.

„Landsberg hat immer etwas Neues zu bieten“, so der Lechhansl. Jüngst fielen ihm beim Spaziergang „zwei hohe weiße, minarettartige Türme im Bereich des AWO-Seniorenzentrums“ auf. Dass es natürlich kein Minarett war, stellte der Lechhansl schnell klar, warf aber auch die Frage in den Raum, warum in einem Areal, in dem Denkmal- und Ensembleschutz herrsche, solche hohen Mobilfunkmasten aufge­- stellt werden dürfen.

Wer genehmigt das?

Diese Frage stellte sich auch Helmut Weber (CSU) jüngst im Stadtrat: „Mich würde schon mal interessieren, wie die da hinaufgekommen sind. Irgendjemand muss das ja genehmigt haben“, wollte der Fraktionssprecher wissen. Auch der Hinweis von Ordnungsamtsleiter Ernst Müller, dass die Errichtung solcher Sendetürme seit einiger Zeit „bis zehn Meter Höhe genehmigungsfrei“ sei, befriedigte Weber absolut nicht. „Da sind wir mit der Altstadt im Dächerschutzprogramm der UNESCO und stel­- len dann so etwas auf. Dann können wir ja in Zukunft auch jede Dachgaube und jeden Umbau erlauben, was wir bis jetzt immer abgelehnt haben.“

In der Tat ist die Antwort auf Webers Fragen schwer herauszufinden. Referatsleiter Claus Müller vom Bauordnungsamt der Stadt reagiert ziemlich verschnupft. Er wolle sich zu dem Sachverhalt nicht äußern, verweist an die städtische Pressestelle. Müller ärgert sich über „die viele Arbeit“, die ihm der Lechhansl beschert hat.

Nicht ganz neu

Etwas mehr Licht ins Dunkel bringt Martina Rosenberg vom AWO-Bezirksverband: „Diese Mobilfunkmasten sind ja nicht neu.“ Einen Masten, betrieben von der Deutschen Funkturm GmbH, gibt es bereits seit 2005. Dass die Antennen nicht gerade sehr beliebt sind, sei Rosenberg klar, jedoch gebe es Berechnungen der Bundesnetzagentur, wo solche Masten stehen sollten. „Wahrscheinlich war das AWO-Seniorenzentrum ein günstiger Standort und für uns ging das auch in Ordnung“, so Rosenberg.

Dass die Türmchen nicht mit dem Ensembleschutz konform gehen, weiß auch die Leiterin des AWO-Seniorenzentrums, Tanja Hipp, und betont: „Die Genehmigungen für die Antennen mussten von den Betreibern eingeholt werden.“ Neben der Deutschen Funkturm GmbH baute auch Vodafone im Oktober 2013 einen Funkmasten auf dem AWO-Gebäude. Die Deutsche Funkturm wolle sich vor der Behandlung des Themas im Bauausschuss oder Stadtrat nicht dazu äußern, inwiefern denkmalschutzrechtliche Genehmigungen vorliegen, erklärt Pressesprecher Dr. Markus Jodl.

Ohne Genehmigung

Die Genehmigung für die Vodafone-Antenne stehe in der Tat noch aus, wie eine Sprecherin gegenüber dem KREISBOTEN mitteilt. „Für die Anlage auf dem AWO-Seniorenzentrum ist versäumt worden, eine Genehmigung des Denkmalschutzes aufgrund des Ensembleschutzes vor der Errichtung einzuholen“, so die Sprecherin, die sich dagegen verwahrt, namentlich genannt zu werden. „Vodafone bedauert dieses Versäumnis und hat nachträglich einen Antrag auf Denkmalschutzgenehmigung am 27. November eingereicht.“ Dieser Masten sei auch noch nicht in Betrieb. Der Bauausschuss behandelt den Antrag in seiner heuigen Sitzung (ab 18 Uhr), wie Pressesprecher Andreas Létang bestätigt.

"Jeder will Empfang"

Generell, so Létang, seien solche Antennen mit einer Größe unter zehn Metern nicht genehmigungspflichtig. „Es ist allerdings richtig, dass das Ge­- bäude im Bereich des Dächer-Ensembleschutzes liegt.“ Doch die Antennen stünden wiederum nicht auf einem denkmalgeschützten Gebäude, der Bauausschuss müsse nun abwägen, was für das Interesse der Allgemeinheit bedeutender wäre. „Schließlich möchte ja jeder von uns Handyempfang haben“, meint Létang.

Beide Mobilfunktürme waren erst im vergangenen Oktober verkleidet worden. Die weiße Verkleidung, scherzhaft als minarettartig bezeichnet, sei laut Andreas Létang kein Ansatzpunkt für bau- oder emmissionsrechtliche Beanstandungen seitens der Stadt. Falls der Bauausschuss sich heute Abend allerdings aus Gründen des Ensembleschutzes dennoch gegen die Masten aussprechen sollte, könnte es richtig heiter werden: „Dann müsste man Maßnahmen ergreifen, um die Türme zu beseitigen“, sagt der städtische Pressesprecher. Die Verwaltung werde dem Bauausschuss auf jeden Fall nahelegen, die Antennen zu akzeptieren, so Létang abschließend.

Janina Reich

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