Und am Horizont das Nichts

Friederike und Martin Finkbeiner aus Pitzling starten zur Weltumseglung

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Sie haben's geschafft, das Boot ist fertig: Friederike und Martin Finkbeiner vor ihrer „aracanga".

Pitzling/Welt – Das Meer verschmilzt mit dem Himmel, Hitzeflimmern, keine Kontur stört die Weite des Horizonts. Da ist nur Wasser. Sonst nichts. Genau dieses Szenario erwartet die Crew des Segelbootes „aracanga“: Friederike und Martin Finkbeiner aus Pitzling. Denn die beiden haben Großes vor: Am 18. Juli starten sie zu ihrer Segeltour. Mehrere Jahre soll sie dauern. Und es geht rund um die Welt.

„Jetzt kommt der Endspurt. Wir sind schon ziemlich aufgeregt“, erzählt der 33-jährige Martin. Aufgeregt sicher, auch etwas angespannt, aber da ist vor allem viel Freude zu spüren. Seit einem Monat widmet sich das Ehepaar exklusiv den letzten Vorbereitungen. Vorräte einkaufen, das Boot beladen, letzte Arztbesuche samt Impfmarathon. Die aracanga steht indessen schon in Breisach am Rhein. Denn von dort geht es – mit Motorantrieb – über den Rhein-Rhône-Kanal, Saône und Rhône zum Mittelmeer. „Das ist eine einmonatige Kanalfahrt, gut zum Eingrooven“, lacht Martin. Im südfranzösischen Marseille darf die aracanga dann endlich Mast und Segel setzen.

Mindestens drei Jahre soll die Reise dauern. Gerne aber auch fünf. Denn ab und zu wollen Martin und Friederike ein paar Tage an einem Ort bleiben. Vom Starthafen Marseille aus geht es weiter nach Mallorca, Gibraltar, rüber auf den Atlantik. Ab da steht die Route noch nicht felsenfest: „Vielleicht segeln wir die afrikanische Westküste entlang, vielleicht zu den Kapverden“, meint Martin. „Die schönsten Orte sieht man sowieso spontan.“ Gewisse Zeiten gilt es jedoch einzuhalten. Die Karibik ist in der Hurricanzeit sicher nicht zu empfehlen. Und auch für die Atlantiküberquerung gibt es einen Zeitrahmen: Ende des Jahres oder Anfang nächstes Jahr, „da sind die Passatwinde am stabilsten.“ Auch Piraterie ist ein Thema und fordert eventuell den ein oder anderen ‚Umweg‘.

Leinen los

Riki und Martin haben schon alle ‚Fesseln‘ gelöst. Die Mietwohnung ist gekündigt, die Möbel bei Mama im Keller eingelagert und auch ihre Jobs haben die beiden hinter sich gelassen: Martin arbeitete bis vor einem Monat noch im Familienbetrieb mit, Riki war Designerin bei einem Münchener Segelbekleidungsunternehmen. Auch das Auto haben die beiden nicht mehr lange. Nichts mehr, was die beiden hält. Nichts? Natürlich sind da Freunde und Familie. Und natürlich sei das traurig, alle so lange nicht zu sehen. „Aber wir kommen auf jeden Fall wieder“, versichert Martin. Auf seiner ersten Weltumseglung von 2010 bis 2013 hat er schon einige Orte gesehen, die ihm gefallen haben. Aber dort leben? Eher nicht. „Es gibt wenig Orte, wo man so frei und liberal leben kann wie hier.“

Die Planung für die Reise läuft schon gute zweieinhalb Jahre. Und mit ihr auch die Einschränkung: nur ganz selten Essengehen, kein Kino­besuch. Die Wochenenden gingen mit der Arbeit am Boot drauf. „Wir haben von einem Gehalt gelebt und das zweite ganz auf die Seite gelegt“, erzählt der 33-Jährige. Sonst sei so eine Reise finanziell für sie nicht machbar. Aber wenn man sich erst einmal zu so einer Reise entschlossen habe, sei der Verzicht ganz einfach.

Das Boot der beiden hat seinen Namen ‚aracanga‘ von einem Stofftier: dem Plüschpapagei, den Martins Neffe durch die Wohnung schleppte, als die beiden einen Namen für das 1981 gebaute Boot suchten – den bisherigen Namen „Belmare“ fanden sie nicht wirklich prickelnd. Bringt das nicht Unglück? „Heutzutage ist man wegen einer Bootsumtaufe nicht mehr so abergläubisch“, meint der Pitzlinger. 

Der Heimathafen? Natürlich Landsberg!

Die aracanga segelte bisher nur auf dem Bodensee. Und musste erstmal hochseetauglich gemacht werden. Zum Beispiel mit Wassertanks, die 140 Liter fassen. „Dazu sammeln wir Regenwasser, das reicht.“ Zu essen gibt es neben Nudeln und Reis viel Obst und Gemüse, das die beiden vor Ort kaufen. Kühlschrank haben sie keinen. Alle paar Monate steht dann ein Großeinkauf an. Dazu der ein- oder andere Fisch, direkt aus dem Meer – wenn sie denn beißen.

Natürlich muss auch für den Notfall vorgesorgt werden: Navigationselektronik, Rettungsinsel, Notfunkboje: „Das meiste Geld gibt man für Zeug aus, das man hoffentlich nie braucht“, lacht Martin. Bei einem Sturm seien die aufregendsten Tage die vorher. Wenn der Sturm aufzieht. „Ist er erst mal da, hat man zum Angst haben überhaupt keine Zeit mehr.“ Bei seiner ersten Tour verbrachte er eine Sturmwoche nur im Bootsinneren, auf den Bodenplanken, „dem ruhigsten Ort des Bootes“.

Die aracanga ist neun Meter lang und drei Meter breit. Abzüglich Stauraum hat das seit einem Jahr verheiratete Paar knapp 15 Quadratmeter „Wohnraum“. Für drei bis fünf Jahre. Und dann kommt eine Flaute, bei der man tagelang festsitzt und wartet. „Das ist anstrengend und zehrt an den Nerven“, weiß Martin. Aber er ist absolut zuversichtlich: „Riki ist genauso segelverrückt wie ich. Und wir kennen uns schon sehr lange.

Wer die Reise der beiden Pitzlinger verfolgen möchte, kann auf www.ahoi.blog mitlesen. Und durch die Augen und mit den Worten der beiden die Welt umsegeln.

Susanne Greiner

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