Kirchenjubiläum am Ammersee:

Dießens Marienmünster feiert den 280. Geburtstag mit viel Programm

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Das ehrwürdige Marienmünster begeht am 7. und 8. September sein 280-jähriges Weihejubiläum, zu dem die Pfarreiengemeinschaft Dießen einlädt.

Dießen – Es war der 7. September 1739, als erstmals die poetischen Bezeichnungen „Thronsaal Gottes“ und „Dießener Himmel“ für die damalige Stiftskirche der Augustiner Chorherren fielen, die majestätisch über den Häusern des Marktes am Südwestufer des Ammersees thronte. Pater Augustin Fastl prägte bei der Einweihung diese Ausdrücke, die bis heute gelten. Auch nach der Säkularisation, als die Stifts­kirche zur Pfarrkirche abgestuft wurde und ab 1989 erst recht wieder für die längst verdiente Aufwertung als Marienmünster. Der Bau mit seinen großartigen Kunstschätzen zählt laut der „Bauer‘schen Barockstiftung“ zu den zehn schönsten Kirchen Deutschlands. Und die feiert am 7. und 8. September das 280-jährige Weihejubiläum

Warum das nicht gerade runde Jubiläum so groß zelebriert wird, erläuterte Pfarrer Josef Kirchensteiner bei einem Gespräch mit dem KREISBOTEN. Mit dabei auch Kirchenpflegerin Barbara Mann und Volker Bippus, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Die drei bilden den Festausschuss, der für das umfangreiche Programm verantwortlich zeichnet.

Laden ein zu einem zweitägigen Fest anlässlich des 280-jährigen Jubiläums des Marienmünsters (von rechts): Pfarrer Josef Kirchensteiner, Kirchenpflegerin Barbara Mann und Volker Bippus, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates.

Josef Kirchensteiner, seit September 2015 Chef der Pfarreien­gemeinschaft Dießen, nennt drei Gründe, warum man die Bedeutung des Marienmünsters in Vergangenheit und Gegenwart würdigen sollte. Das Münster – „Kraftort, Thronsaal Gottes und Dießener Himmel“ – zählt neben Andechs zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Ammersee-Region. Zehntausende von Besuchern und rund 200 Kirchenführungen jährlich zeugen vom großen Interesse, wobei neben dem prächtigen Hochaltar die einmalige Mysterienbühne besonders bestaunt wird. Hier werden in 14 wechselnden Darstellungen mit kunstvollen Kulissen, Bildtafeln und Figuren die Höhepunkte des Kirchenjahres dargestellt.

Als weiteren Grund nennt Kirchensteiner die kulturellen und kunstgeschichtlichen Leistungen der Augustiner Chorherren und hier insbesondere die Errichtung des Marienmünsters durch Probst Herkulan Karg in den Jahren 1732 bis 1739. Die bedeutendsten Künstler aus vielen Ländern waren hier vereint und inspirierten sich gegenseitig, warum die Kirche harmonisch und „wie aus einer Hand geschaffen“ wirkt. Kirchensteiner: „Man kann mit Fug und Recht sagen, das Marienmünster ist ein europäisches Gesamtkunstwerk“. Um Anregungen zu sammeln und Künstler zu engagieren, unternahmen Probst Herkulan Karg und sein begnadeter Baumeister Johann Michael Fischer sogar Reisen in viele Länder.

Schließlich möchte Pfarrer Kirchensteiner das bedeutende Herrschergeschlecht Andechs-­Meranien mit Stammsitz Dießen ehren. Das Marienmünster ist die Grablage dieser Grafen und Herzöge. Auch die Stifter und Gründer des Klosters, die Eltern der Heiligen Mechtildis und der Heiligen Hedwig, haben im Münster ihre letzte irdische Ruhestätte. Das Blut der Andechs-Meranier fließt laut Pfarrer Kirchensteiner in den Adern der Wittelsbacher, Hohenzollern, Habsburger. Loth­ringer oder Hohenloher, der Bourbonen und Savoyer. Kein anderes Herrscherhaus als Andechs-Meranien hat so viele Bischöfe, Kirchenmänner und Äbtissinnen hervorgebracht und kann so viele Selige und Heilige in der Verwandtschaft aufzählen.

Mit dem Probst

Das alles sind Gründe, warum man das Marienmünster anlässlich des 280-jährigen Jubiläums besonders in den Mittelpunkt stellen will. Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Festakt am Samstag, 7. September, um 19 Uhr im Traidtcasten. Auf dem Programm steht unter anderem ein Vortrag von Prof. Dr. Ferdinand Kramer, Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Landesgeschichte an der LMU München. Das Thema: „Gesellschaft und Kultur in Bayern zur Zeit der Erbauung des Marienmünsters 1732 bis 1739“. Über die „Freuden und Leiden während der Erbauung“ wird kein geringerer als „Probst Herkulan Karg“ in einem szenischen Interview wieder zum Leben erweckt, wie Pfarrer Kirchensteiner mit schelmischem Lächeln ankündigte.

Der Festsonntag, 8. September, beginnt um 10 Uhr im Marien­münster mit der Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart für Solisten, Chor, Orgel und Orchester, geleitet von Stephan Ronkov. Den Gottesdienst zelebriert Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier, als Diözesanadministrator derzeit Leiter der Diözese Augsburg.

Danach gibt es ein Pfarrfest mit vielen Attraktionen und einer Tombola. Um 14 und 16 Uhr leitet Pfarrer Josef Kirchensteiner zwei Kirchenführungen.

Dieter Roettig

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