Legale Panzerknacker

Zwei Windacher knacken Tresore - weltweit und ganz legal

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Stefan Bruckner und Holger Raum (Foto) knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner (Foto) und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.
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Stefan Bruckner und Holger Raum knacken in Windach Tresore und Schlösser. Ihre Leidenschaft zeigt auch die Sammlung von Tresoren und Schlössern im Büro der beiden.

Windach – Schlüssel verloren? Code vergessen? Beschädigungen durch Einbrecher? Wie auch immer das Problem rund um Tresor, Safe oder Waffenschrank beschaffen ist, die Firma Bruckner & Raum Tresortechnik aus Windach verfügt über die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse, um zu helfen. Dabei sind sie weltweit im Einsatz und verfügen in der Branche über einzigartiges Know-How.

Es war ein kalter Tag im Winter 2011, als Holger Raum zu einem Notfall am Tucherpark in München gerufen wurde. Für den Film „Harms“ von Nikolai Müllerschön sollte der gealterte Gauner, gespielt von Heiner Lauterbach, die Landeszentralbank ausrauben. Mit dem Gebäude der verlassenen Bank hatte man die perfekte Location gefunden. Der Haken an der Sache? Die sechs Tonnen schwere Tür zum Tresorraum war durch ein Überfallschloss versperrt und niemand kannte die Kombination. „Es handelte sich um eine mechanische Kombination und ein Vierscheibenschloss mit 100 Millionen verschiedenen Einstellungen“, erzählt Holger Raum, lacht und fährt geheimnisvoll fort: „Rumprobieren brauche ich da mit Sicherheit nicht, dann wäre ich heute noch nicht fertig. Aber es gibt bestimmte Verfahrensweisen, wie man die Zahlen herausfinden kann. Nach insgesamt acht Stunden hatte ich das Schloss geknackt und zwar ohne zu Bohren. Dem Film habe ich dadurch diese Location gerettet.“

Nicht jeder Einsatz von Holger Raum und Stefan Bruckner ist derartig spektakulär, aber Geheimniskrämerei gehört eindeutig zum Geschäftsmodell. Absolute Diskretion und Verschwiegenheit sind ebenso Bestandteil des Jobs wie die Werkzeuge, die zum Einsatz kommen. Und eben diese Werkzeuge sowie komplizierte elektronische Hilfsmittel stellen die beiden Tresorknacker selbst her. Dabei lassen sie sich ebenso wenig über die Schulter schauen wie beim Öffnen eines Tresors, Safes oder Waffenschranks – strenges Berufsgeheimnis und über die Jahre angehäuftes Wissen.

Stefan Bruckner ist gelernter Schlosser und gründete seine Firma für Sicherungstechnik vor rund 20 Jahren. 2008 lernte er Holger Raum über eBay kennen. Der Werkzeugmacher und studierte Diplom-Ingenieur war in seiner Festanstellung als Konstrukteur nicht mehr glücklich. Als er gefragt wurde, ob er in Bruckners Firma einsteigen wolle, war das wie ein Wink des Schicksals. Zwölf Jahre später gehören die beiden 50-jährigen zu den Koryphäen ihres Fachs, von denen es vielleicht eine Handvoll in ganz Europa gibt.

Im Jahr rücken sie zu rund 300 Einsätzen aus. Sie reisen nach Russland, Dubai, Kasachstan, Bahrain, Mexiko oder in die USA. Hat der Großvater den Enkeln einen Tresor vererbt, aber der Schlüssel ist unauffindbar? Waren dilettantische Einbrecher am Werk, die mehr beschädigten als raubten? Ist der Code für einen Firmentresor verschwunden? Muss ein Bankschließfach im Beisein eines Notars geknackt werden? Die Aufgaben sind vielfältig und unterschiedlich schwierig. Holger Raum betont: „Manchmal ist Routine dabei und nicht jeder Einsatz ist aufregend, aber man darf auch vor dem einfachen Schloss nicht den Respekt verlieren.“

Beide sind mehr oder weniger Autodidakten, die eine Leidenschaft für Schlösser jeder Art haben. Im Büro in Windach befindet sich eine beeindruckende Sammlung von Hunderten Schlössern, die in vielen Vitrinen lagern. Das älteste stammt von einem Opferstock aus dem 16. Jahrhundert. In einem Lager in der Nähe von Mindelheim stehen Dutzende Tresore. Ein Modell stammt von 1858, als die Tresore ihre Blütezeit erlebten und hunderte Hersteller mit der Manufaktur begannen. Nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 brach der Bedarf drastisch ein und viele kleine und große Hersteller gingen pleite. Auch kulturell hat sich die Rolle des Tresors verändert. Wurden sie früher wie Möbelstücke in einen Raum integriert und aufwändig gefertigt, sind es heute reine Gebrauchsgegenstände, die lieber versteckt werden. „Auch bei Tresoren gilt mittlerweile, dass sie so günstig, wie möglich sein sollen. Individualität ist fast völlig verloren gegangen“, sagt Stefan Bruckner wehmütig.

Die Arbeit teilen sie sich auf: Während sich Raum auf die mechanischen Schlösser spezialisiert hat, kümmert sich Bruckner um alles, was mit Elektronik und Computern zu tun hat. An seinem Arbeitsplatz, wo nicht fotografiert werden darf, finden sich Messgeräte, Platinen und Chips. „Hier sieht es ein bisschen aus wie bei James Bond“, feixt Bruckner und zeigt auf eine filigrane Bastelarbeit: „Damit kann ich auslesen, welcher Code einmal einen Tresor gesichert hat. Meine neueste Arbeit. Streng geheim.“

Selbstlöschender Chip

Gemeinsam können sie auf ein gewaltiges Archiv mit gesammeltem Wissen zurückgreifen. Jeder Einsatz und jedes Schloss wird dokumentiert und verschlüsselt auf einem USB-Stick gespeichert, der sich bei unbefugter Benutzung von selbst löscht. Rare, teure Fachbücher und Dokumentation gehören aber ebenfalls zu ihrem Besitz. Sie müssen sich regelmäßig weiterbilden, denn auch in der Sicherheitsbranche finden ständig neue Entwicklungen statt. „Wir haben bisher noch jeden Tresor ohne bleibende Schäden geöffnet. Alles nur eine Frage der Zeit und Werkzeuge“, sagt Bruckner im Brustton der Überzeugung.

Und was ist mit dem Inhalt? Bekommen sie den zu sehen? Interessiert es sie überhaupt, was in den Tresoren verborgen ist? „Nein“, sagt Bruckner und winkt ab. „Sobald der Tresor offen ist, rufe ich den Besitzer und ziehe mich zurück. Es geht mich nichts an, was die Leute da aufbewahren und ich will es auch gar nicht wissen.“ Einmal erlebte er aber, wie eine Erbin ein langes Gesicht machte, nachdem er ein Bankschließfach im Beisein eines Juristen geöffnet hatte. Die darin befindliche Kassette kam Bruckner schon seltsam leicht vor und es fand sich auch nur ein Zettel mit der Nachricht: „Liebe Schwester, da du mich immer so mies behandelt hast, bekommst du gar nichts.“

Mit der Polizei arbeiten sie eng zusammen, denn immer wieder werden sie zu Tatorten gerufen, wo ein Einbruch schief gegangen ist und die unfähigen Diebe zerstörte Tresore zurücklassen mussten. Haben Sie sich schon einmal mit Kriminellen unterhalten, um sich weiterzubilden? Bruckner muss grinsen: „Im Knast sitzen ja leider in der Regel nicht die Safeknacker, die gut sind. Nein, da gibt es keinen Kontakt. Ich kann mich anders informieren.“

Als Antwort auf die Frage, ob er selbst schon einmal eher unmoralische Angebote bekommen habe, wiegt Bruckner bedächtig den Kopf und wiegelt ab. „Es gab mal ein paar komische Anrufe, aber sobald ich nach Identität und Personalausweis gefragt habe, brachen die Kontakte ab.“

Da stellt sich zum Abschluss die Frage, ob sie sich denn ein Schloss ausdenken können, dass sie selbst nicht knacken könnten. Bruckner lacht: „Ich habe eine Idee für ein solches Schloss und auch mal mit einem Entwurf angefangen. Irgendwann muss ich damit mal weitermachen.“ Wie das genau aussieht und funktioniert, wird dann natürlich auch ein Geheimnis von Bruckner & Raum bleiben.
Dietrich Limper

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