Schubserei im Damenklo?

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Landsberg – Die Damentoilette in einer Discothek im westlichen Landsberg war im vergangenen Mai Schauplatz einer Szene, die jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht hatte. Eine junge Frau sei von zwei anderen geschubst worden und mit dem Kopf gegen ein Waschbecken geknallt, so die Anklage. Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung ließ sich jedoch nicht beweisen. Das Verfahren endete mit einem Freispruch für die beiden angeklagten Schwestern.

Die 20-jährige Köchin und die 26-Jährige Friseurin aus einem Dorf bei Landsberg waren an diesem Abend mit Freunden in der Discothek. Auch die Geschädigte war mit mehreren anderen zusammen. Einer davon war offenbar der Ex-Freund sowohl der 20-Jährigen als auch ihrer besten Freundin. „Er hat mich vor ihren Augen geküsst“, berichtete das ebenfalls 20-jährige Opfer, das die beiden Angeklagten vorher nicht kannte. Nach dem Kuss sei sie den ganzen Abend lang von der jüngeren der beiden Schwestern provoziert worden, schließlich habe diese ihr sogar ein Bier übergeschüttet. Dass dies ein Versehen war, wie die Angeklagte beteuerte, glaubt das Opfer bis heute nicht.

Die Geschädigte lief auf die Toilette, die Angeklagte hinterher – angeblich, um sich zu entschuldigen. Für das, was sich auf dem stillen Örtchen abspielte, gab es keine weiteren Zeugen. Laut Angeklagter stolperte das Opfer über die eigenen Füße und stieß mit dem Gesicht gegen das Waschbecken. „Ich bin hin und habe sie hochgehoben.“

Die Angeklagte habe ihr die Tür versperrt, behauptete dagegen die Geschädigte. „Ich habe mich dann umgedreht und wurde von hinten gegen das Waschbecken geschlagen.“ Sie trug eine blutende Lippe und Hämatome am Arm davon. Anzeige wollte sie zunächst trotzdem nicht erstatten, doch ihre Eltern hätten sie davon überzeugt.

Für Verteidiger Helge Müller-Roden war das ein wichtiger Punkt. „Sie ist gestürzt, weil sie betrunken war, und konnte ihren Eltern das nicht beichten“, so seine Theorie. Die Geschädigte widersprach. Sie habe zwar an jenem Abend Alkohol getrunken, „aber ich konnte noch laufen und klar denken“.

Die ältere der beiden Schwestern bekam den Vorfall nur indirekt mit. Sie war den beiden anderen zwar zur Toilette gefolgt, „um sie zu beruhigen“. Im entscheidenden Moment war sie jedoch schon wieder draußen vor der Tür. „Ich habe von drinnen ein dumpfes Gescheppere gehört“, sagte sie vor Richter Alexander Kessler aus.

Der hatte an der Richtigkeit der Anklage ebenso wenige Zweifel wie Staatsanwalt Johannes Ballis. Für eine Verurteilung reichte es trotzdem nicht, denn die Geschädigte konnte letztendlich nicht mit Sicherheit sagen, wer sie nun tatsächlich geschubst hatte. Nach ihrer Erinnerung war noch eine weitere Person anwesend, die sie aber nicht identifizieren konnte. Hinzu kam, dass sich ihre Angaben vor Gericht in einigen Punkten deutlich von ihrer früheren Aussage bei der Polizei unterschieden. Damals hatte sie die Geschehnisse „dramatischer“ geschildert, wie Kessler sagte.

„Am Grundsatz ‚Im Zweifel für den Angeklagten‘ kommen wir nicht vorbei“, bilanzierte der Vorsitzende. „Für die Angeklagten ist es eine glückliche Situation, dass die Geschädigte hinten keine Augen hat.“

Ulrike Osman

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