Zweifelhafter Lokalist enttarnt

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ANDREA PETER, Landsberg – Über die IP-Adresse seines Computers fand die Polizei den 21-Jährigen. Der Iglinger hatte auf dem Internetportal „Lokalisten“ die Gruppe „Ich bin dabei, weil ich ein Attentat vollstrecken muss“ gegründet. Was er damit angerichtet hatte, war ihm nicht bewusst. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines Attentats an. Der junge Mann erhielt jetzt eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten. „Es ist erschreckend, mit wie wenig Verstand, sie solche Parolen kundtun – ohne über die Folgen nachzudenken“, hielt Richter Alexander Kessler dem Angeklagten vor. Im Oktober letzten Jahres hatte er die Gruppe bei den Lokalisten angemeldet – den Betreibern des Portals war der Name mit der eindeutigen Absicht und eine E-Mail-Adresse mit der Formulierung „viktoriaheil“ aufgefallen. Die Polizei wurde in­formiert. „Ich habe mir nichts dabei gedacht“, antwortete der 21-Jäh­rige, der seit Anfang 2008 arbeitslos ist und wohl aus lauter Langeweile Gewalt-Parolen im Internet verbreitet hatte. Zu lesen waren da auch Tipps wie „Mit der Pistole geht’s am schnellsten!“ „Sie können selbst nicht überreißen, was sie da getan haben“, erklärte Kessler. Schlimm sei, dass es jemand anderes liest und so auf dumme Gedanken käme. Staatsanwältin Jennifer Köster wurde ebenfalls deutlich: „Ich halte ihre Reue für lau.“ Köster befand aufgrund der negativen Lebensumstände des Angeklagten auch eine Freiheits- stra­fe ohne Bewährung für möglich. Erstaunen weckte der junge Mann als er daraufhin erklärte er fast „märtyrerhaft“, wenn er ins Gefängnis müsse, dann Über den Lebenslauf des Angeklagten informierte Robert van der Vlies von der Jugendgerichtshilfe. Van der Vlies erkannte einen Widerspruch zwischen dem äußerlich noch nicht gefestigt wirkendem jungen Mann und seiner Selbstständigkeit – er hatte schon länger allein gelebt und sich selbst versorgt. Die Aussage eines Beamten der Kripo Fürstenfeldbruck über den Iglinger gab noch mehr Einblick: „Er bewegt sich in rechten Kreisen, ist ein Mitläufer.“ Im November 2008, als rechtsextreme Gruppen in Landsberg demonstrierten, war auch der Iglinger dort mitgelaufen. Nicht nur straffrei für zehn Monate muss der ehemalige Lokalist nun bleiben, sondern auch 250 Sozialstunden ableisten. Seinen Plan, zur Bundeswehr zu gehen, kann er nun wohl aufgeben, so Kessler.

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