Aus Schutt und Asche wieder aufgebaut

Osteraufkirche feiert am 1. Mai großen Jubiläumsgottesdienst

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Bei der Altarweihe waren unter anderem mit dabei (von links): Kammerer Heinzelmann, Bischof Dr. Stimpfle, Xaver Gast und Domvikar Erding.
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Das ganze Dorf nahm am Festumzug teil.
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Der Innenraum.
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Die Osteraufkirche in ihrem heutigen Zustand. Am 1. Mai findet der Jubiläumsgottesdienst zum 50. Jahrestag der kirchlichen Weihe statt.

Denklingen – Vor 50 Jahren erhielt die durch Kriegseinwirkung zerstörte und wiederaufgebaute Osteraufkirche ihre Weihe. Die Denklinger Filialkirche ist dem Märtyrer Stephanus gewidmet und war am 20. April 1969 dem durch den damaligen Diözesanbischof Dr. Joseph Stimpfle eine Reise in den Lechrain wert. Er weihte das Gotteshaus.

In der jüngeren Geschichte der Osteraufkirche (abstammend von Aufkirch, obere Kirche, und Oster, östlich der benachbarten Ortschaft Aufkirch) jähren sich innerhalb weniger Monate zwei einschneidende Ereignisse: Die Zerstörung in der Nacht vom 6. auf 7. September 1943 (der KREISBOTE berichtete), verursacht durch einen Volltreffer, der bei einem Bombennotabwurf eines britischen Bombers erfolgte, und die Altarweihe nach ihrem Wiederaufbau. Bei dem Brand wurde die gesamte Ausstattung vernichtet. Nur die Außenmauern des Turmes und der Kirche sowie das Kreuzrippengewölbe im Chor blieben, stark beschädigt, erhalten. Durch Witterungseinflüsse brach später auch dieses zusammen.

Nach dem Krieg wurden auf Initiative des Denklinger Bauingenieurs Philipp Huber und der gegründeten Wiederaufbauvereinigung ,,St. Stephan zu Osteraufkirch, Denklingen“ die Außenmauern von Kirche samt Turm wieder behelfsmäßig instandgesetzt und mit einem Dach versehen. Fehlende finanzielle Mittel, vorrangige kommunale und kirchliche Vorhaben sowie erst mit Verzögerungen erteilte Genehmigungen der Aufsichtsbehörden standen einer Fertigstellung in den folgenden Jahren im Wege. Bis Mitte der 1960er Jahre erinnerte die einsam auf weiter Flur stehende Kirche an die Auswirkungen des vergangenen Weltkrieges.

Der 1966 verstorbene Philipp Huber und Schmiedemeister Anton Hirschvogel als sein Nachfolger waren die zielstrebigen Initiatoren für den Wiederaufbau der Osteraufkirche. Dank ihnen konnte es im Frühjahr 1966 schließlich losgehen.

Die beiden Glocken aus dem Jahre 1712 mussten im Zweiten Weltkrieg abgegeben werden. Glücklicherweise fanden sie als Kriegsmaterial keine Verwendung mehr und so konnten sie nach Kriegsende wieder in die Heimat zurückkehren.Am 14. Mai 1966 läuteten sie schließlich die Bitttage und den Beginn des Wiederaufbaus ein.

Dass die Kirche in ihrem äußeren, urtümlichen Erscheinungsbild wieder hergestellt werden konnte, dafür haben zahlreiche Menschen gesorgt. Unter dem damaligen Pfarrer Friedrich Heinzelmann und der Leitung von Anton Hirschvogel waren es Denklinger Unternehmer, die einheimische Bevölkerung sowie ortsansässige Arbeiter und Handwerker, die mit anpackten. Kirchliche und staatliche Fördermittel sorgten für die nötige finanzielle Unterstützung.

Für die Neugestaltung des Altar- und Innenraumes im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils konnten für die Planung des Gesamtkonzeptes der Architekt Matthias Abele aus Kaufbeuren sowie der Kunsterzieher im Lehramt und spätere Professor Franz Bernhard Weißhaar gewonnen werden. Oberstufenschüler des Humanistischen Gymnasiums St. Stephan in Augsburg schufen unter seiner Anleitung zusammen mit Pater Bernhard OSB die Marienstatue mit der Stifterfigur des Anton Hirschvogel sowie die Figur des Kirchenpatrons.

Das gotische Kreuzrippengewölbe im Chorraum wurde unter Leitung des fachkundigen, örtlichen Maurermeisters Franz Xaver Schießl von seinen Mitarbeitern wiederhergestellt.

In der Mitte des Chorraumgewölbes ist ein Kreuz mit Christuscorpus, das von einer Denklinger Bürgerin gestiftet wurde, an zwei Ketten über dem Altar schwebend, angebracht.

Ursprünglich war geplant, die Kirche zur 25-jährigen Wiederkehr ihrer Zerstörung fertiggestellt zu haben. Witterungseinflüsse und unvorhergesehene Mehrarbeiten verzögerten den Planungsablauf. Am 20. April 1969 war es dann aber soweit.

Nach schauerartigen Schneefällen an den vorangegangenen Tagen, die der launische April als Wetterkapriolen immer wieder mal mit sich bringt, zog die feierliche Prozession am Festtag bei strahlendem Sonnenschein vom Pfarrhof durch das festlich geschmückte Dorf hinauf zur Osteraufkirche. Begleitet wurde der Festzug von den Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine, den Erstkommunionkindern, den geistlichen Würdenträgern und den Honoratioren des öffentlichen Lebens. Alle marschierten sie zu den Klängen der Musikkapelle singend und betend zur Kirche.

In Konzelebration mit Kammerer Heinzelmann und sechs weiteren Priestern feierte Bischof Dr. Stimpfle mit den Gläubigen die Gemeinschaftsmesse. „In österlicher Freude sind wir hinausgezogen zur Osteraufkirche, die als ein uraltes Denkmal christlicher Religion aus den Trümmern wieder erstanden ist. Für mich ist es eine der schönsten Kirchen in der Diözese, die nach den Vorgaben des zweiten Vatikanischen Konzils erneuert wurden“, stellte er erfreut in seiner Ansprache fest. Bei der Altarweihe wurde von dem Handwerker Xaver Gast eine Reliquie der Märtyrerin Christina von Bolsena in das Reliquiengrab eingemauert, das anschließend mit einer grünen Marmorplatte verschlossen wurde. Bereits vorher war eine Dokumentation über den Wiederaufbau in einer Hülse im Priestersitz des Altarraumes hinterlegt worden.

Die Kirche dürfte im 12. Jahrhundert erbaut worden sein, da der Unterbau des Turmes noch aus dieser Zeit stammt. Nach den Einfällen der Ungarn in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts und einer Fehde des Bayernherzogs Welf I. mit Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1078 wurden durch die angerichteten Verwüstungen am Lechrain auch viele Kirchen in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb kam es gerade nach dieser Zeit in der Region auch zu vielen Kirchenneubauten.

Aus historischen Quellen ergibt sich, dass die Kirche aufgrund ihrer Lage, in ihrer Nähe kreuzen sich die Römerstraße Salzburg – Bregenz sowie die Handelsstraße Augsburg – Füssen, wohl eine exorbitante Stellung hatte. Zudem stand sie unter dem Einfluss der Welfenherrschaft sowie des Templerordens, der einen Großteil des Welfenbesitzes am Lechrain übernommen hatte. Dies lässt sich auch an ihrem einstigen Vermögen erkennen, das jenes von anderen Dorfkirchen deutlich überwog.

In nächster Nähe befindet sich ein wasserreiches Quellgebiet und im Umfeld der Kirche gibt es eine Vielfalt von Kräutern. Ein südwestlich von der Kirche stehendes Mesnerhaus, das später einstürzte, soll während des Dreißigjährigen Krieges verlassen worden sein. Hinter dem ursprünglichen Altar befand sich der Einstieg zu einem unterirdischen Gang, der im gegenüberliegenden Wald, dem ,,Forchet“, seinen Ausgang hatte. Um die Kirche herum sind noch die Spuren einer Umfassungsmauer wahrzunehmen, die auf eine ehemalige Wegestation an dieser Örtlichkeit schließen lassen.

Die Kirche ist seit dem Wiederaufbau wieder fest in das Leben der Denklinger Pfarrgemeinde integriert. Bittgänge, Gottesdienste und Andachten geben ein lebendiges Zeugnis dafür. Ausflügler schätzen den beschaulichen und sonnigen Vorplatz als willkommene Rastmöglichkeit.

Da der besondere Jahrestag heuer auf den Karsamstag und auf die Feierlichkeiten des Hochfestes Ostern gefallen ist, wird bei dem traditionellen Bittgang zur Osteraufkirche am morgigen 1. Mai um 10 Uhr mit einem Jubiläumsgottesdienst an dieses Ereignis erinnert.

Paul Jörg

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