Zweiter Brunnen im Sachsenrieder Forst:

»Denklingen first« beim Trinkwasser

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„Denklingen first“ - darauf pocht Bürgermeister Andreas Braunegger beim Trinkwasser.
  • vonJohannes Jais
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Denklingen – Auch wenn die Gennach-Hühnerbach-Gruppe (GHG) eine zweite Quellfassung in nur 120 Meter Entfernung errichtet, so bleibt das Vorrecht zur Trinkwasserentnahme bei der Gemeinde Denklingen. Sie wird ihren Brunnen im Sachsenrieder Forst heuer in Betrieb nehmen. Das stellte Bürgermeister Andreas Braun­egger in der vergangenen Woche klar: „Denklingen first“. 

Ein Glas Mineralwasser aus einer Flasche „Krumbach-Quelle“ reichte Geschäftsleiter Johann Hartmann dem Geologen Horst Tauchmann im Denklinger Bürgersaal, als der während seines Vortrags zur neuen Wasserfassung einen Hustenreiz bekam. Im ausführlichen Referat vor den Gemeinderäten zeigte er das Vorhaben der GHG auf, die mit der Quellfassung im Staatsforst ein drittes Standbein für die Versorgung von acht Gemeinden im mittleren Ostallgäu schaffen möchte.

Die Denklinger Räte waren mit großer Mehrheit dafür, dass der Zweckverband zur Wasserversorgung Gennach-Hühnerbach-Gruppe die Erlaubnis zur Grundwasserentnahme genauso beantragen kann wie die Erweiterung des Trinkwasserschutzgebietes. Nur einer stimmte mit Nein: Stefan Müller aus Dienhausen.

Das bestehende Schutzgebiet für den Denklinger Brunnen soll mit der zweiten Fassung für die GHG nach Norden hin ausgeweitet werden. So schilderte es Dr. Bernhard Huber vom Büro HydroConsult aus Augsburg. Es gibt drei Schutzzonen; die zweite reicht im Norden künftig bis an die Straße von Osterzell nach Dienhausen heran.

Das Einzugsgebiet fürs Grundwasser, das von Süd nach Nord fließt, ist rund zehn Quadratkilometer groß. Es reicht im Süden bis in die Bidinger und Ingen­rieder Gemarkung. Festgestellt wurde nach den Worten des Augsburger Geologen, dass 150 Liter Grundwasser pro Sekunde neu gebildet werden – fünfmal so viel, wie aus den beiden Brunnen entnommen werden soll.

Huber, der in den vergangenen fünf Jahren die Denklinger Pläne für eine neue Fassung im Staatsfrost begleitete, sprach von „bester Wasserqualität“. Das gesamte Einzugsgebiet sei schließlich Staatswald. Bürgermeister Braunegger ergänzte, woanders sei durchaus das Problem mit hohen Nitratwerten gegeben. Das sei im Sachsenrieder Forst anders. Der Geologe ergänzte: Bei mancher Grundwassergewinnung läge der Wert bei 120 bis 140 Milligramm je Liter; im Staatsforst zwischen Sachsenried, Osterzell und Dienhausen liege er bei knapp zehn Milligramm je Liter.

Anfängliche Bedenken

Es habe schon in der Vergangenheit Zeiten gegeben, in denen das Wasser knapp geworden sei. Darum „erschrickt man erst mal“, wenn mal von den Plänen für einen zweiten Brunnen so nahe am eigenen höre, sagte Anton Stahl im Gemeinderat. Dass man „anfänglich“ durchaus Bedenken mit der Quellfassung der GHG hatte, räumte auch Bürgermeister Braunegger ein. Auf Nachfrage von Gemeinderätin Michaela Killmann erklärte Geologe Huber, dass mit beiden Brunnen ungefähr 20 Prozent der Menge an Grundwasser ausgeschöpft werde, die im Stubental ankomme.

Wie im KREISBOTEN berichtet, beantragt die GHG eine maximale Entnahme von 30 Litern in der Sekunde und maximal 500.000 Kubikmeter im Jahr. Beim 120 Meter weiter südlich liegenden Brunnen der Gemeinde Denklingen sind es 20 Liter pro Sekunde und maximal 300.000 Kubikmeter im Jahr. Das zweite Standbein für die Versorgung von Dienhausen, Denklingen und Epfach ist künftig der Anschluss an den Brunnen der Stadtwerke Schongau in der südlichen Denklinger Flur.

Volltreffer gelandet

Die erste Bohrung im Stuben­tal vom August 2020 sei ein „Flop“ gewesen, schilderte Geologe Horst Tauchmann vom Ingenieurbüro GeoUmweltTeam in Marktoberdorf und berät die GHG fachlich. Da sei die Grundschicht nur zwischen 25 und 28 Meter tief gewesen. Doch bei einer weiteren Bohrung nur 20 Meter weiter westlich sei man auf die Grundwasserschicht in 37 Meter Tiefe gestoßen. Man sei damit ins Zentrum der Grundwasserrinne gelangt und habe einen „Volltreffer“ gelandet. Ein weiterer Pumpversuch über einen längeren Zeitraum sei Anfang 2021 erfolgt. Das Grundwasser fließe weiter Richtung Aschtal und komme bei Lechmühlen beziehungswese Mundraching als Quellwasser schließlich an die Oberfläche.

Bei den Pumpversuchen sei der „Abfall“ beim Grundwasser­stand nur gering gewesen, berichtete Tauchmann. Und bei einer weiteren Messstelle 600 Meter weiter südlich der Brunnen sei so gut wie keine Veränderung im Grundwasserspiegel festzustellen gewesen.

Beide Brunnen sind nah an der Grenze der Regierungsbezirke Oberbayern und Schwaben beziehungsweise an der Grenze der Landkreise Landsberg und Ostallgäu. Die Denklinger Quelle, die in einigen Monaten in den Betrieb geht, befindet sich noch auf der Flur; die geplante Fassung der GHG-Gruppe ist – obwohl nur 120 Meter vom anderen Brunnen entfernt, noch auf der Gemarkung Kaltental, die dort eine Ausbuchtung nach Osten beschreibt.

Die GHG möchte, wie Geschäftsführer Hermann Heiß auf Nachfrage des KREISBOTEN erläutert, ein drittes Standbein aufbauen. Denn der Zweckverband steht gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Kempten und dem Landratsamt in Marktoberdorf in der Pflicht, die bisherige Wassergewinnung komplett neu zu bearbeiten und Alternativen zu planen.

Bei den bisherigen Fassungen – drei Brunnen in Hochreute (zwischen Stöttwang und Mauerstetten) sowie zwei bei Gerbishofen (Markt Kaltental) – sieht man sich aktuell mit Widerstand und Klagen gegen eine Erweiterung des Schutzgebietes konfrontiert.

Zirka zehn Quadratkilometer umfasst das Einzugsgebiet für die Brunnen 1 (Denklingen) und 2 (Gennach-Hühnerbachgruppe) im Sachsenrieder Forst. Oben die beiden Fassungen mit den rot dargestellten Wasserschutzzonen.

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