"All that Jazz"

Der Mond und der Jazz

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Mit Samtstimme und spannenden Arrangements schaffen „Susanne Karl Trio & Bass“ im Bürgerbahnhof das typische Jazz-Bar-Feeling.

Landsberg – Draußen scheint die Abendsonne auf das Café Mondial im Landsberger Bürgerbahnhof, drinnen stimmt Susanne Karl Van Morrisons „Moondance“ an – ein Widerspruch in sich. Doch trotz gutem Wetter und nicht ganz so zahlreich erschienenem Publikum schafft die Sängerin samt ihren drei Musikern gleich die typische Bar-Atmosphäre: entspannte Jazzstandards, vorgetragen mit samtener Stimme, die sich mit diversen Soli und leisem Gläserklirren vermischen und den von Morrison versprochenen „wundervollen Abend“ entstehen lassen.

„Im Jazz geht es viel um den Mond“, leitet die aus Gauting kommende Karl den zweiten Song ein: „Old Devil Moon“, komponiert von Burton Lane, gibt den Musikern Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. ­Erich Lutz am Tenorsaxophon gab schon früh sein erstes Instru­ment, die Klarinette, zugunsten des Sax auf. Und mit dem Sax kam auch der Jazz. Seitdem spielt er in diversen Big Bands, so zum Beispiel in der des Richard-Strauß-Konservatoriums München und in anderen Formationen: „Ich bin Rentner und kann mich ganz der Musik widmen.“

Aber das „Susanne Karl Trio & Bass“-Quartett kann auch schnell. Mit Cole Porters „I Get a Kick Out of You“ stellt Karl unter Beweis, wie energievoll dieser Song sein kann. „Frank Sinatra singt das halb so schnell wie wir“, lacht sie. „Aber mit Zigarette im Mund. Sehr cool.“ Sinatra schnippt auch noch. Lässig. Ihre Version treibt, springt, die Soli scheinen nochmals das Tempo anzuziehen – ein schönes Arrangement, das Laune macht Und noch ein vor allem durch Sinatra bekannter Song steht dem Quartett ausgezeichnet: In „Fly Me to the Moon“ setzt Karl nur von der Gitarre begleitet ein, ihre Stimme breitet sich im langsamen Anfang aus, ein Genuss – bis Bass und Sax die Stimmung wechseln und aus dem sanften Schmalz einen lässigen Swing machen.

Auch Rudi Schießl am Kontrabass und John Brunton an der Gitarre bereichern mit ihren Soli Karls Stimme. Schießl begann seine musikalische Ausbildung mit sieben Jahren. Dass es irgendwann der Jazz wurde, dafür war letztendlich die Plattensammlung seines Gitarrelehrers verantwortlich. Nach dem Abi griff er zum Bass und spielt seither als Profimusiker in und um München. Brunton kennt das Chichester Jazz Festival in England, die Davos-Jazzwoche oder auch die Jazzwochen in Burghausen – auch er ist hauptberuflich Musiker. Teilweise kennt Karl ihre Begleiter schon über zwanzig Jahre. Und das merkt man: Die vier verstehen sich und hören aufeinander.

Der Höhepunkt der ersten Session ist Ray Charles „Hallelujah I Love Her So“: nicht ganz so treibend wie das Original. Aber dafür Karl mit einer teilweise fast röhrenden Stimme und einem Swing, der mitreißt. Das passt zur Sängerin und zum Quartett. Nicht ganz so passend scheint die Anleihe aus der Country-Ecke, der „Tennessee Walz“. Zu unruhig wirken die Musiker und auch Karls Stimme. Da sind die Vier nicht zuhause. Auch in „Still Crazy“ von Paul Simon setzt diese Unruhe dem Song zu. Erst John Coltranes „My One and Only Love“ lässt die Musiker zu der Ruhe und Entspanntheit finden, die die Ballade auszeichnen. Und da kommt Karls Stimme so richtig zu Geltung: warm und vibrierend in den Tiefen, klar und stimmig in der Höhe.

Mit wohl einem der sommerlichsten Jazzstandard beendet das Quartett nach zwei hörenswerten Stunden den Jazzabend: „Dream a Little Dream of Me“ à la Armstrong und Fitzgerald entlässt die Zuhörer mit sanftgetupften Vierteln in die laue Sommernacht.

Susanne Greiner

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