Zwillinge holen Frühstart gut auf

Ihren zu frühen Start ins Leben haben die Zwillinge Vanessa (links) und Sarah dank Mutter Nicole Rabus und der SOS-Entwicklungsdiagnostische Beratungsstelle in Landsberg prächtig aufgeholt. Foto: Hollrotter

Man sieht es ihnen nicht an, diesen Vierjährigen: Vanessas Augen strah­- len und Sarah zeigt beim Lachen ein kleines Grübchen auf den Pausbäckchen. Dabei sind die Zwillinge nicht optimal in die Welt gestartet. Gerade einmal 1200 Gramm wogen sie, als sie in der 30. Schwangerschaftswoche geholt werden mussten. Doch dank der Fürsorge ihrer Mutter Nicole Rabus und der SOS-Entwick­lungsdiagnostischen Beratungsstelle in Landsberg haben sich die einstigen Früh­- chen prächtig entwickelt.

Zwei Monate lang blieben die Zwillinge auf der Intensivstation der Kinderklinik in Augsburg – eine Strapaze für ihre Mutter, die sich „nebenbei“ noch um ihre drei älteren Söhne kümmern musste: „Ich bin in dieser Zeit fast 3000 Kilometer gefahren und war am Ende“ erzählt sie. Mit 1900 Gramm durften Vanessa und Sarah nach Hause (Obermeitingen), ein Stück Normalität kehrte ein, zumal die drei älteren Brüder bei der Babypflege mithalfen. Die damals noch allein erziehende Mutter beschäftigte sich „den ganzen Tag“ intensiv mit den beiden Mädchen, damit sie den schwierigen Start aufholen konnten. Vanessa hatte dazu das Glück, später im Kindergarten auf eine tolle Erzieherin zu treffen, die sich sehr um die Kleine und die anderen Kinder gekümmert hat, so Rabus. 390 pro Jahr Kopfzerbrechen bereitete ihr jedoch die Sprachentwicklung der Zwillinge: Sie redeten nur sehr wenig und das so undeutlich, dass praktisch nur die Mutter sie verstand. Bei Sarah kam erschwerend hinzu, dass sich mit eineinhalb Jahren die vorderen Schneidezähne ausgeschlagen hatte. Der Kinderarzt gab Rabus schließlich die Adresse der SOS-Frühförderstelle in Landsberg. Sie war damit eine von rund 390 Müttern und Vätern, die pro Jahr zur Beratung in die Spöttinger Straße kommen. Und sie hatte Glück. Denn während in Stoßzeiten teils Wartezeiten von bis zu vier Monaten auftreten können, erhielt sie bereits gute eine Woche nach dem Anruf einen ersten Termin Schon die diagnostische Untersuchung der Zwillinge erlebte Nicole Rabus sehr positiv: „Frau Mayer hat uns unheimlich nett aufgenommen und eine Engelsgeduld gehabt“, erzählt sie. Denn vor allem Sarah war sehr ängstlich und weinte anfangs viel. Doch mit viel Einfühlungsvermögen stand bald fest, wo die Stärken der Mädchen liegen und wo es noch etwas aufzuholen galt. Gemein­- sam mit der Mutter wurden die Therapieziele, aber auch die Stunden so festgelegt, dass möglichst wenig Fahrzeiten anfielen. Während Rabus lediglich Heilpädagogik und Logopädie in Anspruch nahm, benötigen andere Familien auch Ergotherapie und Physiotherapie, die ebenfalls direkt in der Frühförderung angeboten werden. Besonders positiv erlebte Rabus die engen Absprachen der Therapeuten untereinander – „da kommen verschiedene Meinungen zusammen, die sich ergänzen“ – und die regelmäßigen Elterngespräche über die Entwicklung der Mädchen. „Das war immer ein ‚wir‘“, betont sie. Außerdem schätzt Rabus die „Hausaufgaben“, bei denen ihr Übungen und Spiele zum Weiterarbeiten an die Hand gegeben wurden. Von Stunde zu Stunde und Woche zu Woche sah Nicole Rabus, wie ihre Zwillinge sich entwickelten, wie immer mehr Buchstaben deutlich wurden. Gleichzeitig stieg das Selbstbewusstsein der Kinder: „Sarah ist richtig stolz auf sich, wenn sie einen Satz deutlich und richtig gesagt hat“, freut sich Nicole Rabus und erzählt auch von spannenden Konzentrations- und Ausdauerspielen in der Frühförderung. Die Mädchen gingen entsprechend „unheimlich gerne“ dorthin: „Sie haben ihre Therapeuten in dem Jahr sehr ins Herz geschlossen.“ Nun ist Nicole Rabus fast traurig, dass eine der Therapeutinnen für Sarah einen Integrationskindergartenplatz gefun­- den hat, sodass sie dort über den Fachdienst, den im Landkreis Landsberg auch die SOS-Entwicklungsdiagnostische Be­- ratungsstelle anbietet, weiter gefördert wird. Dafür freut sie sich umso mehr, dass Dank der Frühförderung vielleicht das gelingt, was sie sich erhofft: Dass die Zwillinge eine normale Grundschule besuchen und ihnen wirklich keiner mehr den etwas verfrühten Start ins Leben anmerkt.

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